Von news.de-Redakteur Michael Kraft
Alles stirbt aus: Völker und Visionen, Elefanten und Ehrlichkeit, Worte und Währungen. Nur eins nicht: schlechte Bücher. Das beweist «Das Lexikon der verschwundenen Dinge».
Die Autoren Volker Wieprecht und Robert Skuppin, beide Mitte 40 und im Hauptberuf zumindest nach Ansicht von Journalist Jörg Thadeusz «die besten Radiomoderatoren der Welt», haben hier zusammengetragen, was es nicht mehr gibt. Ein Lexikon der Leere, von A wie Aufmerksamkeit bis Z wie Zylinder.
Nostalgie ist gelegentlich eine feine Sache. Und es gibt wahrlich genug auf der Welt, das einst köstlich, liebenswert und wertvoll war und nun verschwunden ist im Müllhaufen der Geschichte. Trotzdem ist die Lektüre des Lexikons der verschwundenen Dinge kein Vergnügen.
Zum einen sind den Autoren Fehler unterlaufen: Dass es keine Heiratsschwindler mehr gibt, ist eine Legende, wie Susanne Klatten sofort bestätigen würde. Die Compact Cassette, auf die hier ebenfalls ein voreiliger Nachruf verfasst wird, erlebt bei jungen Menschen in Form von Mixtapes gerade eine Renaissance. Und wer behauptet, es gebe keine Popper mehr, der hat wohl noch nie «Deutschland sucht den Superstar» gesehen. Oder MTV.
Zu diesen inhaltlichen Mängeln passt, dass hier auch in den lesenswerteren Artikeln (beispielsweise über Cowboys oder Pudel) oft interessante Details und amüsante Zitate zusammengetragen sind, ohne dass die Quelle genannt wird. So wirkt vieles wie wild zusammengegoogelt.
Schlimmer aber wiegt, dass die Autoren eine höchst persönliche Auswahl und Sichtweise an den Tag legen, die wohl nicht einmal Angehörige ihrer Generation immer nachvollziehen können. Ein wehmütiges «ach ja, so war es bei mir auch» stellt sich deshalb selten ein. Stattdessen drängt sich der Eindruck auf, dass hier ewiggestrige Nörgler mit wenig Humor einer Epoche nachtrauern, die sie damals selbst nicht leiden konnten.
Wenn einstige Rebellen so konservativ werden, dann ist das traurig. Der Griesgram ist eben ein Phänomen, das wohl nie verschwinden wird.
Autoren: Volker Wieprecht und Robert Skuppin
Titel: Das Lexikon der verschwundenen Dinge
Verlag: Rowohlt Berlin
Umfang: 256 Seiten
Preis: 17,90 Euro
Erscheinungsmonat: Mai 2009