Der ewige Chefarzt
Wollen Sie wissen, wie es bei dem Thema weitergeht?Wir informieren Sie gerne kostenlos.
Mit seinen späteren Rollen aber macht er kaum noch Schlagzeilen, mit dem, was bei Wussows zu Hause passiert, sehr wohl. Was in der Schwarzwaldklinik oft nur angerissen wird, Ehebruch und Scheidung, bricht Wussow privat fast das Genick. Viermal ist der Schauspieler verheiratet, zu zweien seiner Kinder hat er jahrelang keinen Kontakt mehr, er trinkt, soll pleite sein, die Scheidung von Frau Yvonne wird zur öffentlichen Schlammschlacht. 1993, da ist Wussow bereits 64, wird sein viertes Kind geboren, Benjamin, doch der wird später sagen, eine enge Bindung habe es da nicht gegeben. Die Gazetten stürzen sich auf Klausjürgen Wussow, nach einem halben Jahrzehnt, in dem sie ihm den Hof gemacht haben, nehmen sie nun jeden Zipfel seines Privatlebens auseinander.
160 Rollen habe er in seinem Leben gespielt, sagt Wussow einmal, vielleicht auch mehr. Lediglich zwei hat er sich nicht mehr erfüllen können: König Lear und Nathan den Weisen. Viele seiner Fernsehauftritte sind heute fast vergessen. 1995 spielt er im Tatort, 2000 ersetzt den alkoholkranken Harald Juhnke in Zwei unter einem Dach. Nur, dass er 2005 einen Auftritt bei Big Brother hinlegen will, nehmen ihm sogar eingefleischte Fans übel. Am Ende macht er einen Rückzieher.
Die Schwarzwaldklinik lockt noch heute ganze Busladungen ins Glottertal. Nicht umsonst dreht das ZDF 2004 und 2005 noch einmal zwei Filme, in denen sich viele der alten Protagonisten wiedertreffen. Samt Nachwuchs versteht sich, denn Brinkmanns Filmsohn Benjamin, gespielt von Alexander Wussow, ist natürlich auch Arzt geworden. Die Schwarzwaldklinik war schon immer eine Familienserie.
Da aber ist Wussow schon nicht mehr der Brinkmann, den seine Fans kennen. So, wie die Schwarzwaldklinik zusehends verfällt - seit einigen Jahren steht der Bau leer und soll verkauft werden -, verblasst auch Wussows Glanz, den unter anderem ein Bambi und der Verdienstorden der Bundesrepublik ausmachen. Als er vor zwei Jahren im Sterben liegt, da ist Wussow schon länger dement und nur noch ein Schatten seiner selbst, muss sich sogar sein Sohn Alexander an die Presse wenden. «Es ist keine Sensation, gehen zu müssen», schreibt er.
Die Zeit notiert zu seinem Tod: «Den wenigsten Schauspielern gelingt es, sich in dem kollektiven Fernsehgedächtnis einen Ehrenplatz zu sichern - Wussow hat ihn, daran können auch die letzten Jahre nichts ändern, in denen er von der Boulevardpresse wie ein müdes Zirkuspferd vorgeführt wurde.» Zu seiner Beerdigung in Berlin kommen Hunderte, nur einige Kollegen aus der Schwarzwaldklinik, darunter Gaby Dohm und Sascha Hehn, erscheinen nicht. Bei Dohm, die Brinkmanns Frau Christa spielte, sind es Dreharbeiten, Hehn alias Udo Brinkmann schweigt über die Gründe. Wussows Kinder Barbara und Alexander rufen ihm am Ende ein «Gute Nacht, Papi» hinterher.
Man sagt, die ersten und die letzten Worte im Leben eines Menschen hätten eine besondere Bedeutung. Die letzten Worte von Professor Brinkmann, gerichtet an sein Publikum, sind zu Recht nicht in Vergessenheit geraten: «Und jetzt kommt der Abschied. Der Abschied von Glück und Leid, von Hoffnung und Enttäuschung, und von der Liebe in der Schwarzwaldklinik. Abschied von dem Gefühl des Helfenkönnens, des Helfendürfens, und Abschied auch von der Verantwortung für die Mitmenschen. Die Schwarzwaldklinik wird weiterleben, als ein Ort, wo Menschen für Menschen da sind. Behalten Sie uns in guter Erinnerung.» Worauf Sie sich verlassen können, Herr Professor.
Zum Thema
Thema verfolgen »
Artikel kommentieren
In TV-Märchen à la Schwarzwaldklinik sind die Ärzte die Helden des Alltags mit der Lizenz zum Heilen. Professor mehr ...