Auf Tour gehen können Rosenstolz derzeit nicht, Peter Plate leidet unter dem Burnout-Syndrom. Dafür können Fans die Band jetzt via CD und DVD live in München erleben. Außerdem stellen wir neue Platten von Loaded, Raphael Saadiq, Seasick Steve und Au Revoir Simone vor.
Rosenstolz: Die Suche geht weiter live
Es sollte die größte Rosenstolz-Tournee werden, die im November 2008 startete. Aber die plötzlich Erkrankung von Rosenstolz-Mastermind Peter Plate zwang die erfolgreiche Popband zum Abbruch ihrer Bist-Du-dabei-Tour im Januar 2009. Dem an dem Burn-Out-Syndrom erkrankten Plate geht es inzwischen etwas besser, aber an eine Rückkehr auf die Bühne ist in der nächsten Zeit nicht zu denken, hieß es kürzlich im Rosenstolz-Newsletter. Um ihre treuen Fans zu entschädigen, hat das Duo sein Konzert in München auf der Live-DVD Die Suche geht weiter live und einer Doppel-CD veröffentlicht. Zweieinhalb Stunden spielen Peter und Anna R. neue und alte Songs in bewährter enthusiastischer Rosenstolz-Manier und zeigen, dass sie auch auf großen Bühnen ihr Publikum mitreißen können. Von Ich geh in Flammen auf über Gib mir Sonne bis zu ihrem Oldie Schlampenfieber ist alles vertreten - und auch ein optisches Erlebnis. Zusätzlich bietet die DVD ein Live-Making of vom Bühnenaufbau bis zum Konzertbeginn, dabei lassen sich Rosenstolz auch in ihre Garderobe begleiten. Ein besonderer Bonus ist zudem das Interview mit den beiden Künstlern.
Interpret: Rosenstolz
Titel: Die Suche geht weiter live
Plattenfirma: Island/Universal
Erscheinungsdatum: 24. April 2009
Duff McKagan's Loaded: Sick
Rock. Mehr gibt es dazu eigentlich nicht zu sagen. Der ehemalige Bassist von Guns'n'Roses hat neben seiner Mitwirkung bei Velvet Revolver (deren Chef ist bekanntlich der ebenfalls früher Guns'n'Roses prägende Slash) auch noch seine eigene Band (wieder) am Start. Duff McKagan stammt ursprünglich aus Seattle und war vor seiner Zeit bei den Superstars aus L.A. bereits in der Seattler Musikszene aktiv. Diese alten Wurzeln hört man ihm auch heute noch an. Mit seinen Kumpels (danach klingt jedenfalls die fröhliche Musik) tanzt der bei seinem eigenen Projekt zur Gitarre gewechselte Duff durch die Stile des Hardrock, wie sie vor zwanzig Jahren populär waren: Hier eine Prise Sleaze Rock, da ein wenig leicht punkige Grunge-Anklänge, dort Streicher, Balladen und Mainstreamrock-Pomp. All das mixt die Band Loaded charmant und sympathisch zusammen. Eine zünftige Platte. Was dem ganzen leider fehlt, sind ein paar Songs, die sich vom üblichen Gerocke abheben - sei es durch eine eigenwillige Herangehensweise oder einfach durch eine melodiöse Großtat, die dafür sorgt, dass man die Stücke auch länger im Ohr behält.
Interpret: Duff McKagan's Loaded
Titel: Sick
Plattenfirma: Century Media
Erscheinungsdatum: 27. März 2009
Raphael Saadiq: The Way I See It
Vorwärts, Freunde, es geht zurück. Keep Marchin' fordert Raphael Saadiq auf seinem neuen Album The Way I See It und er klingt wie einer dieser Soulsänger einer vergangenen Epoche. Einer von denen, die mit der Art, die sie in der Kirche gelernt hatten, die weltliche Liebe predigten und dann, dieser privaten Thematik überdrüssig, sich der politischen Welt zuwandten. Wie einer aus der 1960ern. Und das ist kein Zufall, sondern Programm. Von der durchgestylten, wunderbaren Columbia-Hülle (glücklicherweise gibt es die Platte auch auf Vinyl) bis zur Auslaufrille lässt sich Saadiq auf The Way I See It zurückfallen in die klanglich warme Welt der 1960er mit ihren aufgedrehten Verliebtheits-Wirbeln (100 Yard Dash) mit ihren wunderbar ineinander fließenden Duetten (Just One Kiss, gemeinsam mit Joss Stone), ihren unverschämt direkten Erotik-Beats (Let's Take A Walk), ihren schmachtenden Balladen (Calling - mit modernen spanischen Einlagen). Der Multiinstrumentalist und ehemalige Mastermind der R'n'B-Hoffnung der 1990er Tony! Toni! Toné! hat sich bereits seit Beginn seiner Solo-Karriere Anfang des neuen Jahrtausends dem Retro-Soul verschrieben und in diesem Genre mit der neuen LP eine Ausnahmestellung erreicht.
Interpret: Raphael Saadiq
Titel: The Way I See It
Plattenfirma: Sony BMG
Erscheinungsdatum: 17. April 2009
Seasick Steve: I Started Out With Nothin' And I Still Got The Most Of it Left
Er macht Musik wie ZZ Top ohne zwei und sein Humor macht augenblicklich sympathisch: «Ich habe mit nichts angefangen und davon habe ich immer noch das meiste übrig» bekennt Seasick Steve. Die autobiografische Erkenntnis gab seinem zweiten Soloalbum den Namen: I Started Out With Nothin' And I Still Got The Most Of it Left ist jetzt erst hierzulande erschienen, in Großbritannien war es im vergangenen Oktober sogar ein Top-Ten-Thema. Steve Wold hat seinen Künstlernamen einer Schiffsreise zu verdanken, bei der es ihm schlecht wurde und seine Songs sind wie diese Begebenheit allesamt aus dem Leben gegriffen. Was der in den 1940ern in den USA geborene ehemalige Hobo - also Landstreicher und Wanderarbeiter - zu erzählen hat, sind oft mit einem gütigen Humor getarnte Geschichten aus einer brutalen Wirklichkeit. Aber Seasick Steve hat sich nicht unterkriegen lassen und auch in ärmsten Verhältnissen seine Würde bewahrt. Walkin' Man, Happy Man, Just Like A King: Das Leben ist gut, wenn man den Blues hat und dazu kräftig mit den Füßen stampfen kann. Viel mehr braucht man nicht.
Interpret: Seasick Steve
Titel: I Started Out With Nothin' And I Still Got The Most Of it Left
Plattenfirma: Warner
Erscheinungsdatum: 26. März 2009
Au Revoir Simone: Still Night, Still Light
Hinter dem anmutigen, französisch klingenden Namen Au Revoir Simone verbergen sich drei junge Frauen aus Brooklyn, die mit Still Night, Still Light ein wunderschönes drittes Werk vorgelegt haben. Benannt nach einer Szene aus Tim Burtons Film Pee-Wee's irre Abenteuer verzaubert das Songwriter-Keyboard-Trio aus Brooklyn mit minimalistischen, warmen Orgel-Elektro-Songs und zarten Engelsstimmen. Dabei greifen die drei jungen, mädchenhaften Musikerinnen Erika Forster, Annie Hart und Heather D'Angelo aus New York City zu Tamburin und verschiedenen Vintage-Drum-Machines und Synthesizern. Auf Still Night, Still Light blubbern fröhliche, liebreizende «Kinder»-Lieder vor sich hin. Beim sphärischen Shadows gibt sich das langhaarige Mädchentrio verträumt, beim orgellastigen Knights Of Wands und Anywhere You Looked kommen schnellere Beats zum Einsatz, die mehr zum Mitpfeifen und -singen animieren, statt das Tanzbein zu schwingen. Au Revoir Simone gehen mit ihrem erfrischenden Elektro-Sound neue, musikalische Wege, abseits des weiblichen Singer- und Songwriter-Hypes.
Interpret: Au Revoir Simone
Titel: Still Night, Still Light
Plattenfirma: Cooperativ/Universal
Erscheinungsdatum: 24. April 2009