Die Meldungen über Verdachtsfälle von Schweinegrippe häufen sich, nicht nur in Deutschland. News.de hat auch in anderen Ländern nachgelesen, wie über die Auswirkungen des Virus berichtet wird.
Die New York Times zitiert Präsident Barack Obama. Er sagte, dass die steigende Zahn von Schweinegrippen-Fällen in den USA und im Ausland «kein Grund zur Beunruhigung» sei. Stattdessen versuche er den Amerikanern zu versichern, dass die Regierung Vorkehrungen treffe, um sich für eine mögliche globale Pandemie vorzubereiten. Weiterhin meldet das Blatt: «Länder auf der ganzen Welt haben ihre Grenz- und Einwanderungskontrollen verschärft.»
Die größte kanadische Tageszeitung Toronto Star erläutert den Fall von Dylan Pazzano und seiner Frau Victoria. Die Kanadierin liege nach einem schweren Asthmaanfall in einem Krankenhaus in Cancun im Sterben. Trotz aller Bemühungen könne sie nicht nach Kanada zurückgebracht werden. Es werde vermutet, dass der Ausbruch der Schweinegrippe ein Grund dafür ist.
El Universal aus Mexiko warnt vor unüberlegten Extremreaktionen der Menschen: «Heute noch sieht man Leute, die öffentliche Verkehrsmittel mit Kindern ohne Mundschutz betreten oder niesen, ohne das Gesicht zu bedecken oder sich bei Veranstaltungen mit Körperkontakt tummeln. Diese Leute müssen wissen, dass die Krankheit keine Erfindung der Regierung ist. Andere verlangen in den Apotheken panisch und ohne Rezept Anti-Virus-Medikamente zur Vorbeugung, obwohl diese nur 48 Stunden nach der Diagnose eine Infektion eingenommen werden dürfen. Beide Extremreaktionen sind Ergebnis der Unkenntnis. Die wird genährt, wenn wir uns bei Freunden, Nachbarn oder Rundmails informieren.»
Die mexikanische Zeitung La Jornada kritisiert das Verhalten der Regierung und sieht das Hauptproblem nicht im Schweinegrippenvirus: «Der Kontrast zwischen den 103 Toten in México und die wesentlich milderen Folgen, die der Virus in den USA hervorgerufen hat, haben eine unvermeidliche Erklärung: die Armut. Über 25 Jahre hat die Zentralregierung Wirtschaftsprogramme für einen ‹schlanken Staat› propagiert, zugunsten – vor allem ausländischer – Kapitalspekulation. Deshalb konzentriert sich der nationale Reichtum in wenigen Händen. Unabhängig von den Maßnahmen zur Eindämmung der Epidemie zeigt die Regierung erneut ihr Desinteresse am neuen wirtschaftlichen Desaster, dass sich über die schwächsten Bevölkerungsschichten senkt.»
«Die Schweinegrippe ist in Europa angekommen», titelt die italienische Zeitung Corriere della Sera und warnt, der mutierte Erreger vom Typ A/H1N1 könne sich überall auf der Welt ausbreiten. Das Problem sei nicht allein auf den amerikanischen Kontinent begrenzt. Kein Land der Erde könne sich als immun gegen das Virus betrachten. Auch Italien nicht, das allerdings Entwarnung geben könne: Die 31-jährige Frau, die am Sonntagabend mit hohem Fieber in ein Krankenhaus von Venedig eingeliefert worden war, habe sich offensichtlich nicht mit der Schweinegrippe angesteckt. Ein Bluttest verlief negativ. Die Frau war wenige Tage zuvor aus San Diego in Kalifornien - dort wurden mehrere Fälle von Schweinegrippe gemeldet - nach Italien zurückgekehrt. Auch zwei weitere Verdachtsfälle hätten sich nicht bestätigt. Der Corriere schreibt dazu: «In unserem Land ist weiterhin alles unter Kontrolle.»
Ähnliches meldet La Repubblica. «In Italien ist das Risiko gering», wird Außenminister Franco Frattini auf der Internetseite des Blattes zitiert. Und Gesundheitsminister Maurizio Sacconi weist darauf hin, dass die hygienischen Zustände in Italien im Unterschied zu Mexiko sehr gut seien.
Das schottische Blatt The Scotsman zeigt ein Hochzeitsfoto und schreibt: «Ein frisch verheiratetes Ehepaar ist heute als erstes Opfer der Schweinegrippe in Großbritannien bekannt geworden. Iain und Dawn Askham aus Pomont in der Nähe von Falkirk haben sich vermutlich während ihres Urlaubs in der mexikanischen Region Cancun angesteckt. Das Paar befindet sich derzeit in Quarantäne im Monklands-Krankenhaus in Airdrie. Die schottische Gesundheitsministerin Nicola Sturgeon sagte am Montag, die beiden seien positiv getestet worden, 22 Menschen, die mit dem Paar in Kontakt gekommen waren, zeigten ‹leichte Symptome›.»
Auch in den spanischen Medien ist die so genannte Schweinegrippe das beherrschende Thema. El País erinnert an das «Gespenst der Spanischen Grippe», das ab 1918 weltweit sein Unwesen trieb und 40 Millionen Menschenleben forderte. In einem Forum auf ihrer Internetseite ruft die spanische Zeitung El Mundo ihre Leser auf, über ihre Erfahrungen mit der Schweinegrippe zu schreiben. Viele Mexikaner melden sich hier zu Wort. Rebeca_20 schreibt: «Ich bin Mexikanerin und lebe in Mexiko, die Angst hat sich hier sehr schnell verbreitet und die Regierung berichtet nicht, wie schlimm es wirklich ist.»
Hürriyet erstellt genau wie hierzulande die Bild-Zeitung eine Todesopfer-Tabelle nach Ländern, und beschreibt die Panik, die sich zunehmend auf dem europäischen Kontinent ausbreitet.
Le Figaro lässt einen französischen Studenten im Audiokommentar zu Wort kommen, der in Guadalajara lebt. «In Mexiko verlangt man von uns, die Leute auf der Straße nicht mehr zu grüßen.»
Le Monde befragt Didier Raoult vom Staatlichen Forschungsinstitut für Ansteckende Krankheiten in Marseille. Eine Epidemie der Schweinegrippe sei wesentlich beunruhigender als eine Epidemie der Vogelgrippe, wie es sie 2004 gab, so der Experte für Infektionskrankheiten. Nach seiner Einschätzung habe Frankreich heute nicht die «adäquaten Strukturen», um eine Epidemie im eigenen Land angemessen zu bekämpfen.