Das Virus kommt

Hallo, Apokalypse!

Von news.de-Redakteur Florian Blaschke

Wenn in diesen Tagen die Medien von der Schweinegrippe berichten und die Agenturen ihre Bilder verbreiten, kommt uns das seltsam vertraut vor. Kein Wunder, denn eigentlich kennen wir diese Szenarien längst. Eigentlich sind wir vorbereitet auf den Weltuntergang. Soll er doch kommen.

28.04.2009
Meine Meinung
Angst vor der Seuche?
Video: 4298

Wir wissen, wie es ist, wenn die Welt untergeht. Wir haben mit Colonel Daniels in Outbreak Killerviren gejagt und sind mit James Cole in 12 Monkeys durch die Zeit gereist. Wir haben mit Dr. Neville in I am Legend gegen degenerierte Untote gekämpft und sind mit Fahrradkurier Jim in 28 Tage später durch das ausgestorbene London geirrt. Wir alle waren schon einmal der letzte Mensch auf Erden.

Das Kino liebt Endzeitszenarien, alles, was mit tödlichen Viren, Katastrophen und der Vorstellung vom Untergang zu tun hat. Wir glauben, die Zukunft zu kennen. Zum Glück? 1964 hatten Ubaldo Ragona und Sidney Salkow den Roman Ich bin Legende von Richard Matheson zum ersten Mal als The Last Man on Earth verfilmt, und schon in den 1930er Jahren war kaum ein Filmthema so en vogue wie Katastrophen.

Endzeitszenarien aber sind bei weitem keine Erfindung der Neuzeit. In allen Kulturen gibt es Vorstellungen von einer Apokalypse, dem finalen Kampf zwischen Gut und Böse und meist auch von einer – manchmal sogar kollektiven – Rettung. In Hollywood heißt die schlicht Happy End. In beiden Fällen kommt vor dem tröstlichen Ende die große Schlacht, mit dem großen Unterschied, dass etwa in der Bibel noch eine höhere Macht mitspielt. Hollywood aber kennt keinen Gott mehr, es kennt nur die Gesellschaft, die lenkt und denkt und schuldig wird. Eigentlich bedeutet Apokalypse »Offenbarung«, im Kino bedeutet es Untergang.

Und doch spielen diese Filme durchaus mit biblischen Zitaten, mit der alten Vorstellung von Plagen und göttlicher Strafe. Nicht umsonst etwa heißt der von Michael Bay 1997 gedrehte Katastrophenstreifen Armageddon, in der Offenbarung ist das der Ort der endzeitlichen Entscheidungsschlacht. Nicht umsonst erinnert Kapitel 13 aus der Offenbarung des Johannes, in dem ein Tier aus dem Meer steigt, frappant an diverse Godzilla-Verfilmungen.

Ob man diese Vorliebe für Endzeitszenarien nun als gesteigertes Interesse am Zustand der Welt, als neues Bewusstsein betrachtet oder einfach nur als mediale Ausschlachtung zutiefst menschlicher Ängste; die gelben Schutzanzüge aus Outbreak oder die leeren Straßenschluchten New Yorks aus I am Legend haben sich in unser Bewusstsein gebrannt. Und anders als bei Angriffen Außerirdischer oder der Bedrohung durch Kometen – ebenfalls beliebte Hollywood-Topoi – ist der Gegner unsichtbar. Und damit noch bedrohlicher. Wenn da nur dieser jämmerliche Name nicht wäre – «Schweinegrippe». Im Kino haben die Erreger Phantasienamen wie «Motaba» oder heißen wenigsten plakativ «Wut».

«Unser kollektives Gedächtnis ist stark geprägt von derlei Medien-Images, die etwa in Blockbustern inszeniert werden», sagt auch der Kommunikationswissenschaftler und Psychologe Stephan Weichert. Er glaubt: «Solche medialen Vorprägungen können durchaus gefährlich für uns werden, weil wir uns Horrorbilder à la Hollywood ausmalen und dadurch stärker zur Panikmache neigen – selbst wenn die statistische Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung, wie jetzt bei der Schweinegrippe, in Wirklichkeit für jeden Einzelnen verschwindend gering ist.» Nur die ARD spielt das Spielchen nicht mit. Sie sendet am Montagabend nach der Tagesschau ein Sportschau extra zum Rauswurf Klinsmanns beim FC Bayern.

Natürlich aber passt die Vorstellung einer Apokalypse perfekt in eine Zeit, in der ohnehin alles von der Krise spricht. Der Utopie folgt die Ernüchterung, oder, wie das Handelsblatt zu Jahresbeginn schrieb: «Auf die Krise folgt der Kollaps». Da gibt es natürlich keine Heilserwartung mehr, keine Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Da rechnet der medientrainierte Bürger ohnehin mit dem Schlimmsten. Er wurde ja auch gut vorbereitet, sprach die Weltwoche im September doch von einem «weltwirtschaftlichen Armageddon», versprach die Süddeutsche Zeitung Leidenshungrigen das «Fegefeuer des Kapitalismus» und prophezeite die Zeit im Januar eine «finanzpolitische Kernschmelze». Nur das Wirtschaftsmagazin Brand Eins titelte schon früh: «Keine Panik – Das ist schon wieder nicht das Ende».

Im Falle des Virus' gibt es jedoch noch eine zweite Seite, sagt Weichert: «Realistische Filme wie The Day After oder TV-Dokumentationen haben auch einen hohen Aufklärungswert: Wenn dem Zuschauer vorgeführt wird, welche Folgen ein nuklearer Anschlag haben könnte, hat das für mich einen hohen pädagogischen Effekt.» Und tatsächlich hat die Angst – nicht die Panik – auch etwas Konstruktives. So wurde etwa aus der Sorge vor einem nuklearen Supergau in den 1970er Jahren die Anti-Atomkraftbewegung, die später in die Idee vom Atomausstieg mündete. Wo der Mensch Angst hat, präpariert er sich, wo es möglich ist.

Anders als auf der Leinwand aber gibt es im echten Leben keine Helden. Nur Opfer. In Großbritannien heben Zeitungen derzeit ein Ehepaar auf die Titelseiten, dass sich in Mexiko angesteckt haben soll, über Google Maps lässt sich live verfolgen, wie viele Infizierte es wo auf der Welt gibt. Die Presse springt auf einen Zug auf, der vor Jahrzehnten schon in Hollywood abgefahren ist. «Medien greifen gerne auf Hollywood-Vergleiche zurück, weil sie dem Publikum möglichst plastisch die Dimensionen schildern wollen, die eine solche Pandemie haben könnte», sagt Weichert. «Doch hier ist Vorsicht geboten: Panikmache gehört keinesfalls zur Aufgabe der Medien, Aufklärung und Orientierung aber sehr wohl, das schließt natürlich Vergleiche mit ein.» Zwischen den beiden Schlagzeilen «Warum können wir uns alle anstecken?» (Bild) und «Infizierte in Spanien und England – Entwarnung in Deutschland» (FAZ) verlaufe allerdings ein sehr schmaler Grat, «der letztlich den großen Unterschied zwischen Sensations- und Qualitätsjournalismus ausmacht.»

Interessant nur: Kaum etwas verschwindet so schnell wieder aus den Nachrichten wie die Katastrophe, ob angedeutet oder real. Wie die menschliche Panik auch hat sie eine kurze Halbwertszeit, die Wiederholungsrate ist dafür umso höher. Das nächste Virus kommt bestimmt. Ein längeres Leben hingegen ist den kleinen und großen emotionalen Katastrophen vergönnt. Schon in wenigen Tagen, da brauchen wir uns nicht wundern, beherrschen wieder Scheidungen und Skandale das Bild. Schade eigentlich – auf das Ende wären wir so gut vorbereitet gewesen.

ruk/news.de
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Leserkommentare (13)
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  • Kommentar: 13
  • 29.08.2009 00:33
von
Timotheus

ich bin mir nicht so sicher, daß alle auf den Weltuntergang vorbereitet sind. (trotz x-schwachmatischer Filme) Das Ende kommt bald mit viel liebe timotheus

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  • Kommentar: 12
  • 14.08.2009 14:34
von

Leute glaubt nicht mehr an Märchen - aus dem Alter sollten wir endlich heraus sein. Informiert Euch und Ihr werd sehen was hier läuft. http://www.anti-zensur.info/Videos.html

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  • Kommentar: 11
  • 17.07.2009 20:44
von

Klingt wie ----ist ja ja alles relativ so, dann aber nicht zu dulden...Nein...Mit Geduld dann..0 Vekehrstode...0 Katasrophenopfer...usw....Halt so freie Welt mit vielen neuen Schaffungen fur diese Null als Anstrengung...Wir haben viel zu tun....Erfinde was und setz es in die Tat um...ist das Credo

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  • Kommentar: 10
  • 17.07.2009 20:05
von
Antwort auf Kommentar 5

Na klar hinhören!!!! Hinsehend möglich das einmal zu bezeugende Bauwerk seiner zu schaffenden Wohnungen für eine heilende Welt, sind auch Technologien darin angepasst und belegen in Funktion die Unterstützung fürs Leben und verständlichen Friedenserhöhungen,vielen Gehalte nach den zu bewertenden Zeichen, auch aus der Natur----Ich glaube so zum Beispiel keinen Keppler in dessen Erläuterungen der Himmelsmeschanik und bestätige durch blosses Beobachten vieler anderer sogenannter oder festgelegten Dingen nicht mehr allen Postulationen dann blind, denn die vorhersehbaren Erwartungen der Enwicklung des Univesum bedürfen erkannt sehr dringlichen Schutzeinrichtungen betreffend seinen Schöpfungen, damit wir in seiner Liebe weiter und dauernd leben können, weil es immer allsbald von ihm ist und kommt....und eigentlich so im vegleich ---mit Phantasie und Glaube längst beschrieben schon ist....in der Biebel der erwähnte Räderlauf...(Hesekiel)----ist teilebeständlich auch ein Ankerteil der Schaffungen,welcher baldigs noch näher beschrieben wird , so mehr in das Jetzt hinein. Mehr Sicherheit in allenmöglichen , ist die Nähe-----Ich glaube es und arbeite in des Erläutern von jenem Errichtungswerke dann umfassend....Vielleicht treffe ich so sprechende Freunde bei diesen Bezüge!

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  • Kommentar: 9
  • 07.05.2009 21:20
von

Leute kauft Virusmittel Relenza und Tamiflu, damit der Spuck bald ein Ende hat! Der Staat macht es doch auch für Millionen Euro. Die Medikamente werden bewertet in dem seriösen Buch Bittere Pillen: „Abzuraten, therapeutische Wirkung zweifelhaft, noch unzureichend erprobt“ Merkwürdig: Wieso weis das Gesundheitsamt das dieses Mittel für den neuen Virus „Schweinegrippe“ wirksam sind. Die Pharmaindustrie muss Hellseher beschäftigt haben. Keinen Lieferschwierigkeiten. Ein profitabler Markt. Ein Schelm, der was Schlechtes denkt. Warten wir auf die Ankündigung der nächsten Epidemie dann gibt es wieder neue Medikamente. Es ist keine Schweinegrippe sondern eine Schweinerei. Ich lasse mich nicht verdummbeuteln.

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