Im Wahlkampf können Politiker wie Kanzlerin Angela Merkel künftig direkt mit StudiVZ-Nutzern in Kontakt treten. Ob das aber zu einem echten Dialog führt, bleibt fraglich. Vielleicht folgt auch nur eine Politikberieselung auf einem anderen Kanal.
«Wir sind sehr, sehr wahlkampfrelevant», meint StudiVZ-Chef Markus Berger-de León in Berlin. Es ist Pressekonferenz und das soziale Netzwerk will darüber informieren, wie man junge Menschen für Politik interessieren kann. Die Idee von Berger-de León: Die Parteien haben auf seinen Portalen nun die Möglichkeit - ähnlich wie normale Nutzer - Profile zu gestalten, ihre Wähler zu informieren, «Freundschaften» mit Anhängern zu knüpfen und sich mit diesen auszutauschen. Die Profile sind nun frei geschaltet.
Auch Politiker wie Kanzlerin Angela Merkel (CDU) oder Außenminister und SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier haben ihr eigenes Profil mit Bild und Lebenslauf. Sie können Nachrichten schreiben und Internet-Funktionen wie «gruscheln» nutzen - mit einem Klick kann die Bundeskanzlerin fortan ihre Anhänger «grüßen und kuscheln».
«Wir haben den Parteien technische und funktionelle Möglichkeiten zur Verfügung gestellt, um mit ihren Anhänger in Dialog zu treten», sagt der Initiator des Projekts, Jochen König.
Es muss sich allerdings erst noch zeigen, ob die Idee vom Dialog mit den Nutzern wirklich realitätstauglich ist. Denn ein Dialog bedeutet eben mehr als dass «nur» Wahlprogramme in soziale Netzwerke online gestellt werden. Gut möglich, dass die Präsenz der Parteien bei StudiVZ & Co. lediglich zu einer eindimensionalen Kommunikation führt. Beim Microblogger-Tool Twitter ist das nach Meinung von Branchenkenner bereits der Fall. Twitter sei «ein schöner großer Resonanzraum für die Nachrichten der Kommunikationselite», glaubt Benjamin Minack, dessen Agentur Ressourcenmangel für die Grünen den Online-Auftritt der Partei gestaltet hat. «Aber es geht doch mehr darum zu versenden, als zu empfangen.» Von Dialog über Twitter könne im politischen Rahmen nur eingeschränkt gesprochen werden.
Gestaltet haben die fünf im Bundestag vertretenen Parteien ihre Profile bei StudiVZ, SchuelerVZ und MeinVZ selbst. In den Netzwerken tummeln sich nach Angaben der Betreiber 10,4 Millionen Wahlberechtigte, davon 70 Prozent aller Erst- und Jungwähler. Im Laufe des Wahlkampfes sollen die Politikseiten dort mit Programmen, Fotoalben und Videos gefüttert werden.
Auf den Startprofilen der Nutzer wird ein Link diese direkt zu einer sogenannten «Wahlzentrale» führen. Hier werden die jungen Nutzer zum Wählen animiert und über die Abstimmungen informiert. Bereits jetzt dürfen die Nutzer wöchentlich in einer «Sonntagsfrage» ihre Parteien-Präferenzen ausdrücken. Ab August gibt es zusätzlich eine Deutschland-Wahlkarte, die alle Kandidaten in den insgesamt 299 Wahlkreisen vorstellt. Finanziert wird die Wahl-Plattform von den Betreibern von StudiVZ. «Wir denken, dass wir hiermit unsere Glaubwürdigkeit steigern können», sagte Berger-de León.
gua/seh/ruk
Noch will man hierzulande noch nicht allzuviel von echtem Wandel wissen. Eher muss hier der Bundesverfassungsgerichtspraesident Hans-Juergen Papier genannt werden, der einen Vorschlag zur Personalisierung und Demokratisierung des Wahlrechts gemacht hat. Er wird noch uebertroffen von einem Beitrag des ehemaligen Politologen und Unternehmers Dr.Axel Ridder, siehe webpage www.2009-de.com Dr.Axel Ridder schlaegt vor: gleich die englische relative Mehrheitswahl einfuehren, uebertragen auf einen Dreipersonenwahlkreis plus amerikanische Vorwahlen und australisches preference vote. Die Personalisierung waere staerker und demokratischer. Ausserdem wuerde es regionale Hochburgen abbauen und zu 50% weiblichen Parlamentsabgeordneten fuehren.
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