Von Tobias Köberlein
Zuletzt ging’s in die Grube, jetzt in den Weinkeller – Bayern-Import Franz Kappl (Maximilan Brückner) beschäftigt sich weiter mit saarländischen Sehenswürdigkeiten. «Bittere Trauben», der vierte Fall des Saarbrücker Kommissars, ist mehr Tourismuswerbung als Krimi.
Gute Freunde werden Kappl und sein Assi Deininger (Gregor Weber) so schnell nicht werden. Wäre auch zu viel verlangt. Schließlich hat man dem saarländischen Urgestein Deininger vor zwei Jahren einen bayerischen Tuba-Spieler als Chef vor die Nase gesetzt, einen jungen Temperamentsbolzen, der zu allem Überfluss auch noch richtig gut bei der hiesigen Damenwelt ankommt.
Mit der wunderschönen Gerichtsmedizinerin Rhea Singh (Lale Yavas) hat es sich der Bayern-Casanova jedenfalls verscherzt. Die Kollegin würdigt Kappl keines Blickes mehr, seit sie in der vorletzten Folge schnöde abserviert wurde. Für Ersatz ist diesmal aber schon gesorgt. Weinkönigin Ariane Ziegler (Lisa Maria Potthoff) geht mit Biertrinker Kappl in den horizontalen Clinch. Die amouröse Unterstützung kommt dem jungem Hauptkommissar recht gelegen, denn diesmal beschäftigt ihn ein Mordfall im Winzermilieu.
Dass der Weinkontrolleur Nieser nächtens hinterrücks erschossen wurde, mag im Winzerstädtchen Bernheim niemand recht bedauern. Als Mann der Obrigkeit war Nieser Weinpanschern auf der Spur. Einen «Korinthenkacker» nennt ihn Bernheims Bürgermeister Alwin Eckes (Timo Dierkes). Nieser habe Existenzen vernichtet. Wer will da schon an Niesers Grab weinen?
Kappl und Deininger schauen sich also im Milieu um, besuchen Weinfeste und düsen im Dienstwagen quer durch die Obermosel-Region, was nette Bilder von in der Sonne glänzenden Rebstöcken, aber noch keine Spannung ergibt. Ein bisschen sehr pittoresk ist dieser Saar-Tatort (Buch: Andreas Pflüger) geraten – und ein wenig zu weinselig. Was auch am Blitzbesuch von Kappls Papa Ludwig (Konstantin Wecker) liegt. Der Senior versumpft beim Schoppenheben mit Kripo-Sekretärin Gerda (Alice Hoffmann) und verbringt die Nacht in der Ausnüchterungszelle. Ganz so albern hätte es dann doch nicht sein müssen.
Den düsteren Kontrapunkt zum erotisch prickelnden Privatleben des Kommissars liefert die Riege der Verdächtigen. Liebe, Lüge, Leidenschaft – das Skript hält sich hier keineswegs zurück. Das ganze Winzerdorf scheint miteinander verfeindet zu sein. Bürgermeister Eckes neidet Mitwinzer Richard Altpeter (Thomas Sarbacher) den Erfolg. Der ist sich wiederum mit der Weingroßhändlerin Isabel Weickert (Katharina Müller-Elmau) spinnefeind. Es wird munter gehasst und intrigiert. Am Ende steht ein tragödienreifes Finale vor großer Kulisse und die Erkenntnis, dass Wasserstoffperoxid keineswegs nur zum Bleichen der Haare verwendet werden kann.
Im Schlussbild sitzen die Streithansel Kappl und Deininger dann in trauter Zweisamkeit an der romantischen Saarschleife. «Schön, die Saar», hauchen die beiden ergriffen just an dem Ort, den einst auch Gerhard Schröder und Oskar Lafontaine zur Demonstration ihrer unverbrüchlichen Männerfreundschaft nutzten. Was daraus wurde, ist bekannt. Für Deininger und Kappl, diese beiden so unterschiedlichen Typen, besteht aber weiter Hoffnung. Vielleicht gehen sie demnächst einfach mal zusammen auf einen Schoppen Moselwein.
Tatort: Bittere Trauben, Sonntag, 26.April, 20.15 Uhr, ARD
seh