Häppchen statt Handlung
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Von news.de-Redakteur Florian Blaschke
Artikel vom 23.04.2009Mit dem Deutschen Filmpreis sollen seit 1951 die besten Streifen des Landes ausgezeichnet werden. Im Rückblick aber zeigt sich, wie utopisch dieser Anspruch ist. Und es zeigt sich, an welchen Details er scheitert. Am fehlenden Glamour etwa ebenso wie an der Frage, wann ein Film deutsch genug ist.
Zugegeben, es sind immer wieder Klassiker gewesen, die beim Deutschen Filmpreis ausgezeichnet wurden. Die Klassiker späterer Jahre natürlich. Schon 1951, im ersten Jahr der Auszeichnung, ehrte der Veranstalter - damals noch der Innenminister - eine legendäre Produktion, als Josef von Bákys Kästner-Verfilmung des Doppelten Lottchens in den Kategorien «Bester Spielfilm», «Beste Regie» und für das Drehbuch sämtliche großen Preise abräumte.
Viel mehr gab es damals jedoch auch noch nicht. Lediglich drei Auszeichnungen für wertvolle Kulturfilme, die aber die Streifen Ernst Barlach Teil 1, Kleine Nachtgespenster und Modebummel auch nicht davor bewahrten, in der Versenkung zu verschwinden, und die Lobende Anerkennung. Die jedoch ist heute ebenso vergessen wie der erste Film, der sie erhielt: Schwarze Gesellen.
In dem Maße, in dem die Veranstaltung wuchs, sank ihr Niveau. Eine Kategorie nach der anderen kam dazu, heute sind es 15, nur noch neun weniger als bei den Oscars. Der Tradition aber tat das lange keinen Abbruch. Immer wieder wurden Filme ausgezeichnet, die legendär genannt werden dürfen: Helmut Käutners Hauptmann von Köpenick (1957), Bernhard Wickis Die Brücke (1960), Volker Schlöndorffs Verfilmungen des Törless (1966) und der Blechtrommel (1979) oder Wim Wenders Himmel über Berlin (1988).
Nach Jahrzehnten des ernsten, schweren Kinos aber kamen die heiteren 1990er: Den Auftakt machte Helmut Dietls Schtonk! über die gefälschten Hitlerbücher (1992), es folgten Sönke Wortmanns Komödien Kleine Haie (1992) und Der bewegte Mann (1995), Rossini – oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief, ebenfalls von Helmut Dietl und nach der Jahrtausendwende Wolfgang Beckers Good Bye, Lenin! (2003) und Dani Levys Alles auf Zucker! (2005). Gut gemacht waren diese Filme meist noch, mehr aber oft nicht.
Daneben sind viele der Ausgezeichneten bereits in Vergessenheit geraten. Kaum jemand erinnert sich heute noch an Streifen wie Kennwort Reiher, Es herrscht Ruhe im Land oder, um ein neueres Beispiel zu nennen, Die innere Sicherheit von 2001.
Von Skandalen ist der Deutsche Filmpreis über all die Jahre verschont geblieben, ganz anders etwa als die Oscars. Ob ihm das gut getan hat, darüber gehen die Meinungen auseinander, allzu brav gibt sich die Veranstaltung meist. Diskutiert aber wurde immer viel, neben dem roten Teppich selbstverständlich. Eine Frage wurde in den letzten Jahren fast jedes Jahr gestellt: Wie deutsch muss ein deutscher Film sein?
Dass es dabei nicht nur um ideologische Aspekte geht, liegt auf der Hand. Auch die Filmbranche kennt Protektionismus, ist doch die «Lola» mit mehr als 2,8 Millionen Euro Preisgeldern und Nominierungsprämien der höchstdotierte deutsche Kulturpreis. Alleine für die Nominierung als bester Spielfilm gibt es 250.000 Euro, für die Lola in Gold noch einmal eine halbe Million, wobei die Nominierungsprämie angerechnet wird. Klar, dass es so manchem in der Branche die Vorstellung nicht passt, diese auch mit Steuergeldern erbrachte Summe könnte zum Teil ins Ausland fließen.
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