Von news.de-Redakteur Florian Blaschke
Je größer die Krisen, desto kreativer die Kreativen: Gerade in einer Zeit der Börsencrashs, Massenentlassungen und Firmenpleiten will das Tribeca-Filmfestival in New York Optimismus verbreiten. Dafür hat sich die einst als schwerfällig kritisierte Veranstaltung einer heilsamen Schrumpfkur unterzogen.
Einst 157 Filme, die 2007 gezeigt wurden, waren des Guten dann wohl doch zuviel. In diesem Jahr sind es noch 85, dazu 46 Kurzfilme, das Tribeca-Filmfestival versucht, sich zu konzentrieren. Vielleicht hat das Sparprogramm auch etwas damit zu tun, dass in diesem Jahr die Gelder knapper sind, die Wirtschaftskrise ist eben überall.
Und so ist das liebe Geld denn auch eines der Hauptthemen während der nächsten zwölf Tage. Passend, auch weil Tribeca, das «Triangle Below Canal Street», nur einen Steinwurf von der Wall Street und von Ground Zero entfernt liegt. Dieses Viertel, dem Gründer Robert de Niro mit seinem Festival nach den Anschlägen vom 11. September 2001 wieder auf die Beine helfen wollte, verdeutlicht wie kaum ein anderes in New York den Wandel vom Industrieareal zum Künstlerquartier.
Eines der Auswahlkriterien für das Programm - jeder zweite Film ist eine Weltpremiere - sei Humor, eine heitere Note gewesen, sagte Mitgründerin und Produzentin Jane Rosenthal im Vorfeld. Und mit einer Premiere, die genau das verspricht, beginnt das Festival heute auch: mit Woody Allens Komödie Whatever Works.
Das achte Tribeca-Filmfestival präsentiert sich aber nicht nur schlanker, sondern auch anspruchsvoller. Tribeca habe zwar noch nicht das Format von Cannes und Sundance (Utah), aber es sei künstlerisch gereift und nehme bei weitem nicht mehr jedes Angebot in sein Programm auf, lobte die New York Times in einer Vorschau.
Und auch in die Jury, die die begehrten Auszeichnungen vergibt, nehmen de Niro und Rosenthal nicht irgendjemanden auf, hier entscheidet Hollywood: Ob Meg Ryan, Uma Thurman, Whoopie Goldberg oder Adrien Brody, die Prominenz bereichert nicht nur den roten Teppich. Und auch Schmollschnute Mary Kate Olsen darf mitentscheiden, wer um einen Preis reicher wieder nach Hause fährt.
Auch deutsche Filme haben die Veranstalter nach New York eingeladen: Die Romanze Here and There des Serben Darko Lungulov und das Drama Queen to Play nach dem Roman Die Schachspielerin von Bertina Henrichs, unter anderem mit Kevin Kline, Sandrine Bonnaire und Jennifer Beals. Mit dem Film in französischem Originalton gibt Caroline Bottaro ihr Regiedebüt.
Doch es sind andere Filme, auf die man im Süden Manhattans dieser Tage besonders gespannt ist. Auf das stille Familiendrama Still Walking des Japaners Hirokazu Kore-eda etwa, das im Herbst beim Internationalen Filmfest in Toronto als Meisterstück gefeiert wurde, auf Armando Iannuccis Politsatire In the Loop und auf Steven Soderberghs The Girlfriend Experience, die Geschichte eines anspruchsvollen New Yorker Call Girls.
Wo so viele Kreative zusammenkommen, darf einer natürlich nicht fehlen: Apple. Das Computerunternehmen gehört zu den Firmen, die das Festival geschickt für ihr Marketing missbrauchen. Im angrenzenden SoHo nutzt Apple einen seiner «Stores» bereits zum fünften Mal als Veranstaltungsort, auf der Gästeliste stehen unter anderem Spike Lee, Natalie Portman, Lee Daniels und Ti West. Und natürlich sollen Filmemacher und Interessierte die hauseigenen Produkte zur Videobearbeitung ausprobieren.
Gerade von den technischen Möglichkeiten, die Filmemacher unabhängiger von den großen Studios machen könnten, zeigt man sich in New York begeistert. Man befinde sich mitten in einer technischen Revolution, sagte Regisseur Geoffrey Gilmore der New York Times, der nach 19 Jahren als Direktor des von Robert Redford gegründeten Sundance Festivalsals Kreativdirektor zu Tribeca Film wechselt, der Organisationsfirma des New Yorker Festivals. Auch personell herrscht derzeit Bewegung in der Szene. Dafür verlässt der langjährige künstlerische Leiter Peter Scarlet das Tribeca-Festival und wurde Manager des Middle East Film Festivals in Abu Dhabi. Die New York Times nannte das die Reise nach Jerusalem der Filmbranche.
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