Von Dorit Koch
Tim Mälzer, Pinneberger Plaudertasche und Fernsehkoch, kehrt mit einer neuen Sendung zu seinen Wurzeln zurück: Dem Kochen. Dafür muss er jedoch einiges lernen. Unter anderem, öfter mal die Klappe zu halten.
Ausgerechnet Tim Mälzer ist Fan von «Silent Cooking»: In der Kochsendung, die 3sat weit nach Mitternacht ausstrahlt, schweigt der Küchenchef - ganz anders als die Pinneberger Plaudertasche Mälzer.
Der 38-Jährige, der vor mehr als fünf Jahren den Boom an Kochshows im deutschen Fernsehen mit ausgelöst hat, galt selbst lange Zeit als Pop-Star unter den TV-Köchen: kein Rezept ohne Reden, kein Schnitzel ohne Schnack. Das soll sich ändern, wenn Mälzer von heute (15.30 Uhr) an wieder mit einer regelmäßigen Sendung auf dem Bildschirm präsent ist. Tim Mälzer kocht! heißt es dann im Ersten - mit dem Schwerpunkt auf «Koch», nicht auf «Show».
Mälzer kehrt damit in der ARD, die derzeit in der auf vielen Kanälen brutzelnden Fernsehkochshow-Welt nicht vertreten ist, zu seinen Wurzeln zurück. «Er macht das, was er am besten kann: Kochen», meinen die Verantwortlichen beim Norddeutschen Rundfunk (NDR) in Hamburg. In den zunächst 30 Folgen soll der Zuschauer Rezepte erhalten, die «einfach und alltagstauglich» sind. Und: «Sie schmecken immer.» Unter diesem Motto hatte Mälzer einst beim Privatsender Vox mit der Sendung Schmeckt nicht, gibt's nicht seine Fernsehkarriere hinterm Herd gestartet. Er kochte bei Kerner im ZDF, in der Sesamstraße und in Bühnenshows - und wurde zu Deutschlands populärstem TV-Küchenchef.
Unter Hochdruck eilte der Tausendsassa von einem Projekt zum nächsten, schrieb als «Küchenbulle» noch Bücher und betrieb nebenbei sein eigenes Restaurant «Weißes Haus» in Hamburg. Auch nach seinem Burnout im Jahr 2006 kochte er weiter auf großer Flamme und startete auf Vox Born to Cook - eine Unterhaltungsshow. Doch nun lautet das Mälzer-Motto: Schluss mit Show. Er will sich ganz auf das Kochen konzentrieren und öfter «die Klappe halten». «Ich muss mich wirklich anstrengen, damit ich nicht auf den Laber-Teppich komme», sagt Mälzer. Er hadere nicht mit Kochsendungen an sich, sondern mit den Kochshows: «Dieses ganze Kasperletheater ist nervig!»
Eine tägliche Sendung wollte der in Hamburg lebende Koch, der für Mai in der Hansestadt die Eröffnung seines neuen Restaurants «Die Bullerei» plant, nicht mehr haben. So wird er nun erst einmal wöchentlich mit seinem halbstündigen Format zu sehen sein, das rechtzeitig vor Beginn der ZDF-Kochshow Lafer! Lichter! Lecker! (16:15 Uhr) endet. Dass die Rezepte «ernsthaft nicht kompliziert sind», will Mälzer gleich in der ersten Ausgabe bei der Zubereitung von Wiener Schnitzel mit Bratkartoffeln und Gurkensalat zeigen. Also Schnitzel ohne Schnack? Nicht ganz, denn nebenbei plaudert Mälzer doch wieder, etwa darüber, woher der Meerrettich angeblich seinen Namen hat. «Ich muss noch reduzierter werden», meint er selbst.
Der Imagewechsel Mälzers - früher gestand er seine Leidenschaft für Dosen-Ravioli, jetzt preist er frische Zutaten an - wurde bereits an Ostern eingeläutet. Beim Kochgipfel mit Alfred Biolek übergab der kulinarische Altmeister Biolek den ARD-Kochlöffel an Mälzer. Zudem steht an den Pfingstfeiertagen die zweiteilige Dokumentation Deutschland isst ... (31. Mai, 17.15 Uhr und 1. Juni, 18.30 Uhr) auf dem Programm. Darin reist Mälzer quer durch Deutschland und zeigt, was bei uns auf die Teller kommt. Eine wichtige Rolle spielen dabei Fragen der richtigen Ernährung. «Das Thema Gesunde Ernährung ist sehr öffentlich-rechtlich», meint Frank Beckmann, Programmdirektor des NDR-Fernsehens.
Auch Mälzer liegt das Thema am Herzen, insbesondere im Hinblick auf Kinder und Jugendliche: «Kein Kind ist fett wegen McDonald's, sondern ein Kind ist fett, weil die Eltern sich nicht kümmern», sagt der TV-Koch, mit dem die ARD auch auf jüngere Zuschauer hofft. Der Küchenprofi selbst lässt sich übrigens privat gern von Freundin Nina, die schon als seine Assistentin im Fernsehen mitwirkte, bekochen. Der «Spaghetti-Bolo»-Fan gesteht: «Mittlerweile kann sie das. Anfangs habe ich es aus Liebe gegessen, jetzt aus Genuss.»
bla/ruk