«Eine hinreißende Animateurin»
Wollen Sie wissen, wie es bei dem Thema weitergeht?Wir informieren Sie gerne kostenlos.
Die «taz» wird 30 und alle gratulieren. Alle? Na gut, nicht alle, aber einige Ehemalige und Kollegen haben es sich nicht nehmen lassen, dem Blatt ein paar Gedanken zu widmen. Vom sozialistischen «Neuen Deutschland» bis zur «Frankfurter Allgemeinen».
Werner D’Inka, Mitherausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung:
«Wenn Überschriften zum Lesen animieren - und sie tun es-, ist die taz eine hinreißende Animateurin. ‹Gorbatschow wieder gesund› war die Aufmacherzeile, als sich die Moskauer Putschisten verkrochen, die ihren Staatsstreich mit dem Hinweis bemäntelt hatten, Michail Sergejewitsch sei krank: unvergessen, wie viele andere Titel. Man muss beileibe nicht jedem Artikel zustimmen, um die taz für eine mit viel Phantasie und Esprit gemachte Zeitung zu halten, auch unterhalb der Überschriften. Sie zu lesen lohnt. Deshalb: ad multos annosAus dem Lateinischen: auf viele Jahre , so viel bürgerliche Bildung muss zum Jubiläum sein. Ohnehin halten die beiden konzern-unabhängigen deutschen Tageszeitungen von Rang, die niemandem als sich selber gehören, unverbrüchlich zusammen, nicht nur am Geburtstag. Ehrensache.»
Tom Schimmeck, Mitbegründer der taz, in der Süddeutschen Zeitung:
«Ja, heute lieben fast alle die taz. Selbst ihre Feinde finden sie meist irgendwie possierlich. Manchmal fährt sie die Krallen aus und ist richtig gut, manchmal nur lustig und allzu manierlich.»
Jürgen Reents, Chefredakteur des Neuen Deutschland
«Die taz war eine Revolution am deutschen Zeitungsmarkt. Sie hat alle Verhältnisse umgeworfen, in denen der Journalist ein von seinen Verlegern und Chefredakteuren geknechtetes, von seiner Gesinnung häufig beleidigtes und von allen guten Geistern verlassenes Wesen ist. Sie hat dokumentiert, dass Zeitungen zu mehr taugen können, als kritisches Nachdenken auszutreiben. Sie hat die Kunst entworfen, den politischen Salat, der dem Journalismus als Nahrung dient, nicht belanglos zu servieren, sondern unter Angabe seiner Inhaltsstoffe, mal humorvoll, mal garstig. Aber wie alle Revolutionen, die in die Jahre kommen, sind Verkalkungen nicht zu übersehen. Also: ständige Erneuerung sei empfohlen. Der 30-jährigen taz wünsche ich noch eine lange Weile, ihren Leserinnen und Lesern dabei keine Langeweile.»
Jörg Magenau, ehemaliger taz-Redakteur und Autor des Buches Die taz. Eine Zeitung als Lebensform, in der Frankfurter Rundschau:
«Ihre historische Leistung besteht darin, Zeitung geworden zu sein. [...] Die taz hat die Ironie als Haltung in den Journalismus eingeführt und gezeigt, dass Witz und intelligente Unterhaltung auch für ernsthafte politische Auseinandersetzungen möglich sind.»
Wiglaf Droste, einst Kolumnist der taz, in der Süddeutschen Zeitung:
«Medien sind zugleich Ventilatoren des Substanzlosen und Präservative des Wesentlichen. Die taz zählt nur selten zu den Ausnahmen von dieser Regel. Aber Ihre Idee, dass man Zeitungen einfach wegessen könnte, gefällt mir. Die taz auf Esspapier, das wäre konsequent: happs und weg!»
Friedrich Küppersbusch, Journalist und taz-Autor, in der taz auf die Frage, was er der Zeitung wünscht:
«Keine Subventionen. Alles Gute. Wenn soziale Bewegungen ein Medium erfinden können (Phase eins) und das Medium auch ohne diese Bewegungen kann (Phase zwei oder sog. Gegenwart), dann besteht Hoffnung, dass das Medium neue soziale Bewegungen anregen wird (Phase drei oder sog. Zukunft).»
bla/sbe
Zum Thema
Thema verfolgen »
Artikel kommentieren
Heute ist internationaler Frauentag. Über Gleichberechtigung, alte Vorurteile und neue Verhaltensmuster sprach news.de mit mehr ...
Den Bayern-Trainer symbolisch ans Kreuz nageln? Für die einen ist das zu Ostern eine passende Metapher. Für mehr ...