Von news.de-Redakteur Christian Vock
Die Swinging Sixties. Das war die Zeit als der Rock noch rollte und aufmüpfige Teenanger noch Revolutionäre und keine Fälle für die Supernanny waren. Regisseur Richard Curtis setzt dieser Zeit mit seinem neuen Film ein kleines buntes Denkmal und huldigt dem Leben, der Musik und dem Radio.
Zur Erinnerung: Es gab mal eine Zeit, da war der iPod noch nicht einmal ein Gedanke. Man nahm seine Lieblingssongs noch auf Band auf, nachts lauschte man dem Radio unter der Bettdecke, damit die Eltern nicht merkten, dass man heimlich Rockmusik hörte. Es gab noch nicht «die Hits der 1980er und 1990er und das Beste von heute», keinen kleinen Nils und andere Telefonveralberungen. Musik war noch handgemacht und wurde von den wenigen Rockradio-DJs zelebriert, als wäre jede Songzeile eine Offenbarung, jeder Sänger ein neuer Messias.
Großbritannien 1966. Rock'n Roll gilt noch als Krankheit, die vor allem Jugendliche befällt. Die BBC spielt ihn gerade einmal zwei Stunden in der Woche. Überall blühen Piratensender, die den Teenagern geben, wonach sie sich sehnen. So auch die Truppe von Radio Rock, die ihren Sender auf einem rostigen Kahn in der Nordsee eingerichtet hat. Rund um die Uhr schicken die musikbesessenen DJs die Musik der Teenageridole über den Äther. Da sind unter anderem der schnoddrige, untersetzte «The Count» (Philip Seymour Hoffman), der Frauenschwarm Midnight Mark (Tom Wisdom), der pummelige Witzbold Dave (Nick Frost) oder die DJ-Ikone Gavin (Rhys Ifans). Angeführt wird die Bande vom exaltierten Quentin (Bill Nighy), der sein jugendliches Patenkind Carl (Tom Sturridge) an Board bringt, damit dieser etwas über das Leben lernt. Da ist er bei Radio Rock genau richtig, denn die DJs stehen ihren Rockidolen in puncto Frauenverschleiß und Alkohol in nichts nach. Das Treiben der Rockpiraten missfällt natürlich in Regierungskreisen und so schickt sich Minister Dormandy (Kenneth Branagh) an, dem Sender den Saft abzudrehen.
Eine verrückte Truppe DJs, ein pubertierender Teenager und ein spießig-durchtriebener Minister - mehr gönnt sich Radio Rock Revolution nicht an Handlung. Die mangelnde inhaltliche Substanz fängt der Film aber gekonnt durch seinen Charme und vor allem durch die Spielfreude der Darsteller auf, denn die drehen so richtig an der Spaßschraube.
Dass der Film naturgemäß mit einem gewaltigen Soundtrack aufwartet, sei hier nur erwähnt: David Bowie, The Kinks, Jimi Hendrix, The Who, Dusty Springfield, um nur einige zu nennen. Daneben überzeugt Radio Rock Revolution mit einem humoristischen Sperrfeuer. Natürlich zündet nicht jeder Gag, die ein oder andere Pointe geht daneben, aber das Repertoire reicht vom billigen Klamauk bis hin zum feinen englischen Humor, der vor allem Nighy und Branagh zu verdanken ist. Nur beim pathetischen Ende wurde ein klein wenig zu dick aufgetragen.
Regisseur Richard Curtis, der bisher durch Schmonzetten wie Bridget Jones oder Notting Hill auffiel, macht aus Radio Rock Revolution kein politisches Statement, dazu ist die Handlung einfach zu dünn. Stattdessen gelingt ihm eine bunte Rockkomödie für Augen und vor allem für die Ohren. Eine kleine Hommage an die Zeit der Piratensender, an die Sixties und an die Musik. Ein filmischer Jungstraum: Wein, Weib und Rock'n'Roll.
Radio Rock Revolution
Regie: Richard Curtis
Darsteller: Philip Seymour Hoffman, Kenneth Branagh, Bill Nighy, Nick Frost
GB, 2009
Filmlänge: 135 Minuten
FSK: ab 12 Jahren
Kinostart: 16. April 2009