Die Yeah Yeah Yeahs singen auf ihrem neuen Album eigentlich nur von unerfreulichen Dingen. Warum die Platte «It's Blitz» dennoch überzeugt und was die neuen CDs von Marissa Nadler, den Trashmonkeys, Tim Exile und Bat For Lashes auszeichnet, verraten unsere CD-Tipps.
Yeah Yeah Yeahs: It's Blitz
Mit ihrem dritten Album haben die Yeah Yeah Yeahs den mit den ersten beiden Alben vorgezeichneten Weg als aufstrebende Indie-Rockband verlassen. Keyboard-Klänge und Synthie-Soundteppiche prägen It's Blitz, Karen O. singt von unerfreulichen Dingen wie Typen, die Nullen sind (Zero), Knochen (Skeletons), dem doofen Leben (Dull Life), Köpfen, die rollen werden (Heads Will Roll), Hysterie (Hysteric) und dem Davonlaufen (Runaway). Ein eher düsteres Album, das ständig verunsichert und irritiert: Die dominante Frontfrau und ihre Mitstreiter Nick Zinner (Gitarre) und Brian Chase (Schlagzeug) schaffen es aber, enttäuschte Erwartungshaltungen nach dem rockigen Album Show Your Bones von 2006 in Neugierde umzuleiten. It's Blitz klinge «nicht wirklich wie irgendetwas, was ihr bis jetzt von uns zu hören bekommen habt», hatte das New Yorker Trio angekündigt. Das stimmt, so richtig stimmig will der dominante Keyboard-Sound vor allem in den schnelleren Stücken nicht rüberkommen. Das flotte Zero mit seiner Breitseite gegen Verlierer ist die Ausnahme, Höhepunkte des Albums sind aber Balladen wie Runaway, Hysteric und das fett wabernde Finale Little Shadow.
Interpret: Yeah Yeah Yeahs
Titel: It's Blitz
Plattenfirma: Universal
Erscheinungsdatum: 3. April 2009
Marissa Nadler: Little Hells
Marissa Nadler macht Musik, die träumerisch und gespenstisch ist. Unter dem Titel Little Hells ist ihr viertes Album erscheinen, eine Mischung aus traditionellem Folk, Paisley Underground, Shoegaze und Dream Pop. Die 28-jährige ehemalige Kunststudentin aus Massachusetts griff 2004 zur Gitarre und nahm ihre erste CD Ballads Of Living And Dying auf. Ihr ausdrucksstarker Mezzosopran prägt ihren Stil, ebenso wie ihr Finger-Picking-Gitarren-, Banjo- und Ukulele-Spiel. Auf Little Hells bleibt Nadler ihrem märchenhaften Dream-Pop treu, haucht morbides Storytelling mit zarter Stimme ins Mikrofon, die sie mit düsteren, sphärischen Folk- und Americana-Klängen umhüllt. Trotz ihrer traurigen Inhalte, ihrer Schwere und Melancholie versprühen Naldlers Songs eine kleine Portion Hoffnung, wie auf The Hole Is Wide, Mary Come Alive oder Rosary. Das Thema Tod und Trauer ließ Nadler auch als Malerin nicht los, ebenso traumwandelt sie auf Little Hells und erzählt von tieftraurigen Liebesgeschichten und von der Trauer um Verstorbene. Produziert wurde Little Hells von Chris Coady (Cat Power, TV On The Radio). Die US-Sängerin sorgt mit ihren «kleinen Höllen» durchgängig für Gänsehaut.
Interpret: Marissa Nadler
Titel: Little Hells
Plattenfirma: Kemado Records
Erscheinungsdatum: 27. Februar 2009
Trashmonkeys: Smile
Bremen gilt ja nicht unbedingt als die Wiege der Rockmusik ... aber immerhin sind da ja noch die Trashmonkeys. Mit I'm A Mess For Rock'n'Roll gibt sich die Formation aus der Hansestadt im letzten Stück ihres mittlerweile fünften Albums zwar devot-ironisch. Doch mit den elf Songs davor hat die Kapelle um Sänger und Gitarrist Andreas Wolfinger nicht nur die Bremer Stadtmusikanten an die Wand gespielt, sondern sich auch einen Spitzenplatz in der deutschen Rockliga verdient. Die musikalischen Wurzeln der Band liegen in den 1960er und 1970er Jahren. Anklänge an die Kinks oder die Beach Boys sind nicht nur im Song Dreammaker Ave voll beabsichtigt. Dazu eine Orgel, deren fetter Sound bisweilen an The Hives erinnert. Richtig gut getan hat dem Garagen-Sound der Bremer auch das Engagement des Hamburgers Dennis Rux als zweitem Gitarristen. Schon der Opener Give That To Me - zugleich auch die erste Single - zieht den Zuhörer in die Welt der Trashmonkeys mit eingängigen Melodien und einem treibenden Rhythmus, bei dem kein Tanzbein ruhig bleiben kann. Von wegen Mess For Rock'n'Roll.
Interpret: Trashmonkeys
Titel: Smile
Plattenfirma: XNO/Alive
Erscheinungsdatum: 3. April 2009
Tim Exile: Listening Tree
Als ehemaliges Technolabel hat es die britische Firma Warp geschafft, ihren herausragenden Standard auch in die Post-Techno-Phase hinüberzuretten. Dabei stützt sich Warp nicht nur auf zeitlose Techno-Acts wie Autechre oder Aphex Twin, die immer noch wegweisende Musik veröffentlichen, sondern auch auf andere musikalische Richtungen, wie etwa die Britrocker Maximo Park oder die Indie-Folkies Grizzley Bear oder eben Tim Exile. Der Engländer begann Ende der 1990er mit abgedrehten Drum'n'Bass-Versuchen und hat über mehrere Umwege nun offensichtlich seine musikalische Identität gefunden. Es ist keine leicht fassbare. Nach einem noch nachvollziehbaren Beginn mit einem kühlen Techno-Wave mit Achtziger-Verweisen und leicht avantgardistischer Schlagseite (Don't Think We're One) kreiselt das Album heraus aus dem popmusikalischen Mainstream in eine zauberhafte musikalische Welt, die sich nicht anschmiegsam von selbst erschließt. Tim Exile zieht sich aus Trance Techno, Achtziger-Synthiepop-Wave, Jungle, Siebziger-Pop-Experimenten à la Brian Eno oder frühen Kraftwerk und Avantgarde-Elektronik seine Einflüsse zusammen und verbindet sie zu einem eigenen musikalischen Kosmos, der bei jeder Gabelung anders abbiegt, als es der Hörer vermutet. Das nervt manchmal, erfreut aber durch einen musikalischen Entwurf, der Einfallsreichtum und einen eigenen Stallgeruch bietet, wie man es im Popbereich schon länger nicht mehr gehört hat.
Interpret: Tim Exile
Titel: Listening Tree
Plattenfirma: Warp
Erscheinungsdatum: 3. April 2009
Bat For Lashes: Two Suns
Bat For Lashes ist in erster Linie Natasha Khan. Die Sängerin wird seit ihrem Debüt Fur And Gold als englische Björk gehandelt. Mit Two Suns ist nun der Nachfolger erschienen, der von Khan selbst und David Kosten eingespielt wurde. Die Tochter einer Engländerin und eines pakistanischen Squash-Trainers experimentierte schon während ihres Studiums der Musik- und Filmwissenschaften mit Klanginstallationen und Performance-Kunst. Ein Traum lieferte die Idee für den ersten erfolgreichen Song Horse & I, für den Radiohead-Frontmann Thom Yorke schwärmte und daraufhin Khan ins Vorprogramm der Tour 2008 einlud. Der Albumtitel weise auf die Dualität des Lebens und der Persönlichkeit hin, erklärte die britische Sängerin. Erneut ziehen ihre geheimnisvollen, progressiven Songs den Hörer in den Bann. Unterstützt wird Bat For Lashes von den New Yorker Beat-Produzenten Yeasayer. Zusammen mit US-Legende Scott Walker singt Khan das betörend schöne Duett The Big Sleep. Dabei setzt die Musikerin auf düstere Gitarren, Klavier, Cembalo, Sub-Bass-Sounds und experimentelle Beats. Entstanden in den Weiten der kalifornischen Wüste ist Two Suns ein Highlight des bisherigen Jahres, was die atemberaubende erste Single-Auskopplung Daniel und das mystische Glass beweisen.
Interpret: Bat For Lashes
Titel: Two Suns
Plattenfirma: Emi
Erscheinungsdatum: 3. April 2009