Wenn Facebook zum menschlichen Zoo wird
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Von Martha Irvine
Artikel vom 14.04.2009Anmelden, sich präsentieren und andere begaffen - bei sozialen Netzwerken wie Facebook gilt: Sehen und Gesehen werden. Die Vernetzung bei sozialen Portalen bleibt meist an der Oberfläche. Die Folge: User meiden Facebook und Co. immer mehr.
Wochenlang ist Eily Toyama von ihren Freunden gedrängelt worden, endlich bei Facebook mitzumachen. Aber für ihren Account nahm sie nicht ihren eigenen Namen, sondern den ihrer Katze. Jetzt sagen ihr alle, sie solle sich doch auch bei Twitter anmelden. Aber darauf sollte man sie besser nicht ansprechen.
«Ich glaube einfach nicht, dass die Leute so viel über mein Leben wissen müssen», sagt die 32-jährige IT-Expertin in Chicago. Eily Toyama ist «sociability-müde», hat genug vom ständigen Vernetzen und den täglichen Mitteilungen persönlicher Befindlichkeiten. Und diese Müdigkeit ist nicht nur bei Älteren zu spüren, die den größten Teil ihres Lebens nicht im Netz verbracht haben. Auch viele Jüngere, die erst das gewaltige Wachstum der sozialen Netzwerke auf den Weg gebracht haben, wollen jetzt erst mal wieder kürzer treten.
Der Student Mike Nourie vom Emerson College in Boston sagt, er habe sich richtig erleichtert gefühlt, als er in einem Wirtshaus auf Cape Cod gearbeitet habe, wo die Internet-Verbindung sehr schlecht gewesen sei. «Das gab mir die Chance zu entspannen und mich auf andere Dinge zu konzentrieren wie Musik, Arbeit und Freunde», sagte der 20-Jährige.
Alex Slater ist im vergangenen Monat noch einen Schritt weiter gegangen. Er löschte seinen Twitter-Account und reduzierte die Informationen seines Facebook-Profils auf ein Minimum. Obwohl er bei Facebook mehr als 600 «Freunde» hat, schaut er dort jetzt viel seltener vorbei.Der 31-jährige PR-Manager aus Washington betrachtet Facebook als einen «menschlichen Zoo, wo das Leben von anderen Menschen mit oft ernsten Problemen nur der Unterhaltung dient».
Eine kürzlich veröffentlichte Studie des Pew Internet & American Life Project fand heraus, dass 45 Prozent der Amerikaner aller Altersgruppen begeistert dabei sind, sich am Computer und über mobile Geräte miteinander zu vernetzen. Gleichzeitig ist das aber 48 Prozent der Bevölkerung völlig gleichgültig. Am interessantesten ist aber vielleicht die Weder-Noch-Gruppe mit einem Anteil von 7 Prozent. Die Studie bezeichnet sie als «Ambivalente Netzwerker» (Ambivalent Networkers). Sie sind nur deswegen in Social Networks unterwegs, weil sie Angst haben, etwas zu verpassen. «Sie sind besorgt, wenn sie sich ausklinken», sagt der Autor der Studie, John Horrigan. «Aber wir stellen fest, dass sie sich nach einer Pause sehnen.»
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