Das Google-Ich
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Von news.de-Mitarbeiterin Denise Peikert
Artikel vom 11.04.2009Meine Startseite ins Web kommt von Google und weiß, wer mir gemailt hat, welche Artikel ich lesen sollte, was sich auf meinem Facebook-Profil tut. Ach ja, und welche Termine heute anstehen. Das Netz kennt mich genau und darüber mache ich mir keine Sorgen. Eigentlich.
Ein «Trekking Fahrrad bei Plus für 199,95 Euro» offeriert mir die Werbezeile bei Google Mail, als ich mich durch die Korrespondenz zum Verkauf meines alten Drahtesels wühle. Darüber wundere ich mich nicht. Ich weiß, dass jede über Google Mail gesendete und empfangene Zeile durch unzählige Server rasselt, damit Google mir diese personalisierte Werbung anzeigen kann. Im besten Fall komme ich so an ein günstiges neues Fahrrad, das ich sowieso brauche. Und im schlimmsten Fall?
Mein Google-Ich ist kein Geheimnis. Über eine einfache Suche finden mein Arbeitgeber und der interessierte Stalker was ich beruflich mache, welche Filme ich gern sehe, entdecken Fotos von mir und wenige Klicks später sogar meine Adresse. Dass diese im Netz steht, ist kein Zufall oder Versehen, sondern mein freier Wille. Google ist auf mich angewiesen: Hätte ich die Anschrift nicht ins Impressum meines Blogs geschrieben, würde die Suchmaschine sie nicht finden.
Die Verfügbarkeit von Informationen ist kein Problem – und schon gar nicht ist sie die Schuld des Internets. Schon früher wusste in meiner Straße jeder, wie ich heiße, dass ich mir diese neue Platte gekauft habe und welche Note ich in der letzten Mathematikklausur hatte. Im Netz sind diese Informationen zwar geographisch und zeitlich grenzenlos verfügbar, deswegen aber längst nicht von grenzenlosem Interesse. Freunde mit dem gleichen Musikgeschmack interessieren sich dafür und die, die sich über meine Algebra-Kenntnisse amüsieren – heute wie damals. Weder kann ein Fremder mehr als früher mit dieser nun digitalen Information anfangen. Noch kann Google mehr tun, als mir ein Heft mit Rechenübungen anzubieten.
Trotz aller Offenheit bin ich nicht sorglos mit meinen Daten. Genauso, wie ich früher das Untersuchungsergebnis meines Hausarztes nicht zum Fenster hinausgerufen hätte, gebe ich es heute nicht bei Google Health an. Meine Handlungen und Ansichten sind, was sie sind. Realität und virtuelle Welt sind dabei nur verschiedene Ausgabekanäle derselben Information.
Spätestens seit Twitter und Facebook ist das Netz nichts weiter als ein sozialer Raum, in dem jeder wissen muss, was er tut. Und weil deshalb der Gedanke absurd ist, im Netz anders mit Informationen über sich selbst umzugehen, als im echten Leben, überlege ich nun noch einmal ganz genau, ob ich wirklich jedes dieser Fotos von mir in diesem einen sozialen Netzwerk haben möchte.
seh
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