Von news.de-Redakteurin Nadine Kotré
Heutzutage scheinen sich die Promis geradezu verpflichtet zu fühlen, eine Zweitkarriere aufzubauen. Also entwerfen sie Mode, eröffnen Restaurants oder Clubs. Über Erfolg oder Misserfolg entscheidet nicht unbedingt der Name des Stars - und auch nicht die Qualität des Produkts.
Stilikone möchte sie sein, zur schlecht angezogensten Frau wurde Victoria Beckham 2007 vom selbst ernannten Modepapst Simon Blackwell gewählt. Mit ihrem Label dVb brachte sie im selben Jahr eine Jeanskollektion heraus. Die Werbekampagne war groß, die Verkaufszahlen gering. Zu teuer, urteilten Fans und Modeexperten über die ab 200 Dollar teuren Jeans. Große amerikanische Kaufhausketten verbannten sie aus ihrem Sortiment.
Am schlimmsten allerdings muss Victoria Beckham die Nachricht getroffen haben, dass ihre Kollektion kurz darauf als Sonderposten für 70 Dollar angeboten wurde. Welch ein Rückschlag für eine Frau, die «Posh» (edel, elegant) genannt wird. Konsequenzen zog Mrs. Beckham aus diesem Flop allerdings nicht. Statt ihre Preise nach unten zu regulieren, brachte sie eine noch viel teurere Kollektion heraus.
Das nennt sich dann in der Fachsprache Couture und bedeutet, dass die Teile erst ab 1000 Dollar zu haben sind. Wenn diese einen ähnlichen Wertverlust haben wie ihre Jeanskollektion, dürften die Kleider schon bald nur noch um die 350 Dollar kosten.
Bei weitem preiswerter ist die Kollektion von Katherine Heigl. Die Schauspielerin, die mit Grey's Anatomy ihren Durchbruch schaffte, entwirft Krankenschwesterkittel. Das versprüht nicht gerade Hollywoodglamour, ist aber ein Verkaufsrenner in den USA. Und mit 20 bis 35 Dollar ein wahres Schnäppchen auf dem Markt der Promidesigner. Ein Narr ist, wer vermutet, dass Katherine Heigl dieses Angebot aus finanziellen oder Imagegründen angenommen hat.
Ihre Beweggründe stellt sie viel edler dar. Zum einen sei ihr durch ihre Rolle als Ärztin Izzie Stevens in Grey's Anatomy aufgefallen, dass Krankenhauskleidung definitiv nicht von Sexiness geprägt ist. Zum anderen habe sie sich jahrelang von ihrer Schwester anhören müssen, wie hässlich die Kittel doch sind. Schwester Meg ist auch beruflich Schwester – und zwar in einer Tierarztpraxis. Profitiert haben viele von dieser Kooperation: Katherine Heigl, das modetechnisch bisher gescholtene Krankenhauspersonal, die familiären Bande und vor allem Peaches Uniforms, die Herstellerfirma der Kittel.
Die Ausflüge der Promis beschränken sich aber nicht allein auf Kleidung. Auch Restaurants, Clubs und Hotels sind heiß begehrte Investitionsobjekte. Justin Timberlake scheint ein goldenes Händchen und einen feinen Gaumen zu haben. Im Juli 2008 eröffnete der Eigentlich-Sänger bereits sein drittes Restaurant. Wer gerne bodenständige Südstaatenkost wie gebackenes Hähnchen isst und sogar vom Anrufbeantworter mit «Hi Ya'll» begrüßt werden will, der wird sich im New Yorker «Southern Hospitality» heimisch fühlen. Bis jetzt gab es ausnahmslos positive Kritiken für die Vorgänger-Restaurants in New York und Los Angeles sowie den Neuling. Was Justin Timberlake mit Sicherheit in Verzückung versetzt, ist der Fakt, dass alle drei Restaurants jeden Abend bis zum Platzen voll sind und ohne Tischreservierung überhaupt nichts geht.
Gastronomische Ambitionen hatte auch Jennifer Lopez. Ihr Restaurant «Madres» war als Wallfahrtsort für alle Kubaliebhaber gedacht. Kubanische Spezialitäten und ein edles, in J.Los Lieblingsfarbe Weiß gehaltenes Ambiente sollten das Erfolgsrezept für ihr Restaurant werden. Anscheinend hatte sie aber nicht genügend ihrer Hollywood-Freunde Bescheid gesagt. Es kamen einfach zu wenig Gäste. Und so war im Juli 2008 nach sechs Jahren der Ofen aus. Damit hielt ihr Restaurant aber zumindest länger als die meisten Hollywood-Ehen.
Witzig, gemütlich und typisch New York ist die Idee von Musiker Moby. Zusammen mit seiner Ex-Freundin Kelly eröffnete er 2002 einen kleinen Teeladen namens Teany in Lower Manhattan. Jedem Teeliebhaber wird das Herz aufgehen: 98 verschiedene Teesorten aus allen Teilen der Welt stehen zur Auswahl. Die Einrichtung ist klar und modern, aber nicht zu trendy. So gerät sie nicht in die Gefahr, kalt und ungemütlich zu wirken. Auf der Internetseite seines Ladens erklärt Moby, warum er sich ausgerechnet für Tee entschieden hat: «Tee ist gesund, lecker, faszinierend, abwechslungsreich und voller Geschichte.» Wem nicht sofort all diese Eigenschaften im Zusammenhang mit Tee eingefallen wären, darf Moby für diese neuen Einsichten danken. Oder seinen Tee bestellen. Die verschiedenen Eistee- und Grüntee-Sorten werden nämlich auch gern weltweit verschickt.
Weder mögen noch tragen, sollte der geistig gesunde Mensch Leggins. Genauer gesagt: nur Leggins – ohne Rock oder Kleid darüber. Das macht Lindsay Lohan. Immer. Überall. Und es ist nicht schön. Sie scheint das allerdings anders zu sehen. Um mehr Menschen ihre Begeisterung für die dickeren Strumpfhosen ohne Füße näher zu bringen, hat sie im vergangenen Jahr eine eigene Legginskollektion herausgebracht. Lindsays Label 6126 bietet alles, was das Herz begehrt und dem Auge schmerzt.
Ein Modell besticht mit einem goldenen Reißverschluss, das andere verzaubert den Betrachter mit seiner Lack- und Metallicoptik. Die billigste Lindsay-Leggins kostet schlappe 99 Dollar, die teuerste 132 Dollar. Lindsay scheint trotz ihrer vielen Drogeneskapaden noch einen gewissen Einfluss auf die Jugend Amerikas zu haben. Nach nur einer Woche waren die überteuerten Leggins ausverkauft, viele Teenies pleite – aber glücklich, endlich ein bisschen mehr wie ihr großes Idol Lindsay Lohan auszusehen. Vielleicht werden sie ja irgendwann, wenn sie älter sind, einsehen, dass sie einfach nur lächerlich aussahen. Genau wie ihr Idol.
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