So., 27.05.12

Protest in Großbritannien 07.04.2009 Menschenkette gegen Google-Fotos

Menschenkette (Foto)
Mensch an Mensch: Gemeinsam protesitieren britische Bewohner gegen Google Street View. Bild: dpa

Von Jill Lawless

Mit einer Menschenkette blockierten die Bewohner des südenglischen Dorfes Broughton ein Kamera-Auto. Dieses hatte den Auftrag für das Google-Projket «Street View» Aufnahmen zu machen. Auch in Deutschland gibt es Kritik.

An fast jeder Straßenecke in England gibt es eine Überwachungskamera, die ihre Bilder an die Polizei schickt. Daran haben sich die Briten gewöhnt. Aber dass das eigene Haus weltweit im Internet betrachtet werden kann - diese Vorstellung treibt die Bewohner des südenglischen Dorfes Broughton auf die Barrikaden.

«Ich war gerade oben, als ich sah, wie das Kamera-Auto die Straße hinunterfuhr», sagte Paul Jacobs der Londoner Times. «Meine sofortige Reaktion war Verärgerung: Wie kann es jemand wagen, ohne meine Zustimmung mein Haus zu fotografieren?» Schnell holte Jacobs seine Nachbarn zusammen. Alle stellten sich auf der Straße dem Street-View-Auto entgegen und zwangen das Fahrzeug zur Umkehr. Die Polizei notierte später, es habe einen «Streit zwischen einer Menschenmenge und einem Auftragnehmer von Google Street View» gegeben.

«Sie hatten das Gefühl, dass seine Anwesenheit ein Eindringen in ihre Privatsphäre war», erklärte die Polizeibehörde für das Themse-Tal. «Als die Polizei eintraf, war das Auto schon verschwunden.»

«Die Menschen sind sensibel, wenn es um ihre Umgebung, um ihr Haus geht», sagt Simon Davies von der Londoner Organisation Privacy International. «Von der detaillierten Digitalisierung dieser Bilder fühlen sich viele Leute bedroht.» In Großbritannien habe es bisher einige hundert Forderungen nach Entfernung von Bildern ihrer Häuser gegeben, erklärt Google-Sprecher Peter Barron.

Die acht Kameras auf dem Dachgepäckträger der Street-View-Autos nehmen Fotos in einer 360-Grad-Rundumsicht auf und versehen diese mit Geodaten, also den genauen Längen- und Breitengraden. Die Fotos haben einen Datenumfang von mehreren Terabyte. Diese Bilder werden dann zu einem riesigen Städtepuzzle zusammengefügt.

Die dabei verwendete und von Google selbst entwickelte Anwendung sorgt dafür, dass Gesichter und Autokennzeichen verpixelt, also unkenntlich gemacht werden. Zoomt man sich in den Google Maps in Städte mit einer Street-View-Ansicht, erscheint über dem Zoom-Balken eine Schaltfläche. Zieht man diese auf eine Straße, kann man sich dort in der Foto-Ansicht bewegen.

Seit dem Start im Mai 2007 in den USA sind zahlreiche Orte unter anderem in Großbritannien, Frankreich, Italien, Spanien hinzugekommen. In Deutschland sind auch schon Aufnahmen in vielen Städten erstellt worden. Bislang aber gibt es die Street View noch für keine deutsche Stadt.

Die Fahrten der Street View-Autos lösten auch in Deutschland Kritik aus. Bundesweit bekannt wurde dabei die 5000-Seelen-Gemeinde Molfsee bei Kiel. «Da hört für mich der Spaß auf», kritisierte der CDU-Kommunalpolitiker Reinhold Harwart. Wenn diese Aufnahmen erst einmal weltweit verfügbar seien, könne jeder Kriminelle «mit dem Laptop auf den Knien auskundschaften, wo er seinen nächsten Bruch macht».

Die in Molfsee laut gewordene Angst vor Einbrechern ist auch die Sorge, die die Bewohner von Broughton umtreibt. Eine Polizeisprecherin sagte, es gebe keinen Hinweis, dass es wegen Google Street View zu einer Zunahme von Eigentumsdelikten komme. «Aber wir werden den Einwohner versichern, dass wir ein wachsames Auge darauf haben werden.» Und Überwachung wird in Großbritannien groß geschrieben.

Kontroversen gab es auch in anderen Ländern. Auf Antrag werden Bilder von bestimmten Häusern entfernt. In den USA waren das etwa Frauenhäuser. Wer in London von Whitehall Gardens in die Downing Street mit dem Amtssitz des Premierministers einbiegen will, sieht nur eine schwarze Fläche und den Vermerk «Dieses Bild ist nicht mehr verfügbar». Und in Amsterdam endet die Street View am Eingang zum Rotlichtbezirk. Verbraucherschützer in Italien haben Google gebeten, die Kamera-Autos mit einem optischen und akustischen Signal zu versehen, damit die Aufnahmen nicht unbemerkt bleiben könnten.

gua/nak
Leserkommentare (3) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • Kommentar 3
  • 27.05.2009 13:25
 Antwort auf Kommentar 1

ich finde es eine tolle Aktion von google und ich würde mich freuen endlich MEHR Städte so gut betrachten zu können! Die Einwände halte ich für unbegründet und die Argumente für derart lächerlich, dass ich nicht weiss ob sich manche da nicht einen Spass draus machen? Was soll der Quatsch bloss?

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  • Kommentar 2
  • 05.05.2009 22:14
 

Ich hoffe, dieses Streetviewfahrzeug recht bald in meines Heimatstadt Saarbrücken zu sehen. Es ist das beste was von Google bisher gemacht wurde. Ich habe schon viele Urlaubsreisen in den USA dank der hervorragenden Aufnahmen in den dortigen Städten mit dem Auto gut bewältigt. Die Bedenken mit den Einbrechern sind dummes Gerede, diese werden Streetview mit Sicherheit nicht nutzen, da diese in der Regel nicht die Vordereingänge nutzen. Hintereingänge sieht man dort nicht. Diese typische deutschen Bedenkenträger sollte man nicht beachten. Zum Glück gehören die Straßen den Kommunen.

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  • Kommentar 1
  • 25.04.2009 14:48
 

Ich bin ebenfalls strikt gegen die Streetaufnahmen von Google. Es macht Einbrecher die Planung ihrer Diebstähle um vieles einfacher. Banden können Fluchtwege planen und das ohne dass man verdächtige Personen vorher in seiner Umgebung gesehen hat.

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