So., 27.05.12

Kommentar 06.04.2009 Twitter soll Twitter bleiben

Von news.de-Redakteurin Anja Guhlan

Die Gerüchteküche brodelt: Google und Twitter verhandeln angeblich über eine Übernahme oder eine Kooperation. Will sich Google jetzt auch noch Twitter schnappen? Das wäre wahrscheinlich nicht der beste Deal für Twitter.

Tatsächlich könnte an der Übernahme oder an einer Kooperation etwas dran sein: Zumindest scheint Twitter dem Suchmaschinen-Giganten von Wert zu sein. Wo der Microblogging-Dienst Twitter Informationen in Echtzeit ausspuckt, hinkt die Informationsauslese von Google noch hinterher. Wenn auch nur mit einer kleinen Verzögerung. Twitter würde Millionen an Geldern kassieren, und Google als Datenkrake hätte eine weitere Möglichkeit, seine Tentakel weiter auszustrecken. Letztlich will die Suchmaschine die Monopolstellung über alles und jeden im Internet einnehmen. Doch Twitter sollte unabhängig bleiben und die Finger von Google lassen.

Denn Twitter ist zu einem Teil des Zeitgeistes geworden. Das Gezwitscher wird mittlerweile nicht mehr nur mit dem Spaßfaktor verbunden, sondern hat sich weltweit verbreitet – bei allen Bevölkerungsschichten. Politiker werben mit Tweets um Wähler. Promis steuern ihren Ruf über diesen Dienst. Redaktionen nutzen es zum Werben für ihre eigenen Texte, und Unternehmen werben mit dem Tool potenzielle Kunden. Zwar ist Twitter selbst mit den vielen Usern, die der Dienst schon gewonnen hat, noch nicht monetarisierungsfähig. Jetzt aber zu verkaufen oder zu kooperieren wäre schlichtweg falsch.

Hat sich schließlich der Dienst erst vor kurzem ein recht passables Geschäftsmodell mit Mehrwertdiensten überlegt. Ausbaufähig wäre es. Außerdem soll Twitter nach eigenen Angaben an technischen und mobilen Anwendungen basteln. Viele Unternehmen bauen Zusatzprogramme, die aufgrund der offenen Schnittstellen mit dem Dienst verknüpft werden können. Sollten die Gründer des Dienstes dies wirklich alles aufgeben? Auf keinen Fall. Denn Twitter gilt bei den Anwendern wie Experten als „Next Big Thing“ und sollte deshalb nicht wie ein Spatz handeln, sondern von der großen Krake etwas lernen, um dann selbst mit viel Gezwitscher abzusahnen.

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