re:publica'09
Bloggerinnen ohne Stimme

Spreeblick, netzpolitik.org, Stefan Niggemeier: Die meisten der deutschen Top-Blogs werden von Männern geschrieben – obwohl nach einer Studie der Ruhr Universität 85 Prozent aller Blogger weiblich sind. Auf der re:publica'09 hatten sie wenig zu sagen.

Frauen haben festgestellt, dass die meisten Links auf ihre Blogeinträge von Männern kommen. Bild: dpa

Patricia Cammarata wundert sich über ihre Leser. Die zweifache Mutter bloggt auf dasnuf.de über ihr Leben und dachte eigentlich immer, dass ihre Leser sich für die selben Themen interessieren, wie sie: Windelnwechseln, Kochen und Museumsbesuche. «Ich habe aber festgestellt, dass die meisten Links auf meine Beiträge von Männern kommen, viele von Technikblogs», sagt sie auf der Veranstaltung «Wenn Frauen bloggen» der Internetkonferenz re:publica'09.

Zunächst scheint es, als gehe es bei einer Diskussion zwischen weiblichen Bloggern um die selben Themen wie bei männlichen Bloggern. Da ist vom Druck die Rede, einmal gewonnene Leser halten zu wollen und wie sich dadurch die Themenauswahl für Beiträge verändert. Da ist der Vergleich mit der Internetlandschaft in den USA, wo auch die Blogs von Frauen eine größere Rolle spielen. Und da ist die Frage nach der Relevanz – gerade wenn es, wie es der Veranstaltungs-Titel provokant formuliert, um Babykotze und nicht um das iPhone geht. «Es gibt kein absolutes Maß für Relevanz», sagt Cammarata. «Wenn ich eine Lösung für mein Problem in einem Blog finde, ist das für mich relevant.»

An der Frage, warum von den sechs Frauen der Veranstaltung keine bei der re:publica-Diskussion Blogs in Deutschland vertreten war, entzündet sich dann der Funken für eine wenig gehaltvolle Diskussion um die fehlende Repräsentanz von Frauen in der Blogosphäre.

Es sei doch klar, dass stets die bekanntesten Blogger zu Diskussionen eingeladen werden, heißt es aus dem Publikum. «Die Bekanntheit ist doch aber kein Maßstab für Qualität», entgegnet eine Zuhörerin. Frauen, schlägt eine andere vor, müssten sich gezielt vernetzen. «Männer vernetzen sich vorallem mit Mänenrn, Frauen auch. Das ist das Poblem», moniert eine andere.

Die Diskussion zwischen Panel und Publikum wird unübersichtlich, auch weil Moderatorin Franziska Bluhm,die das Blog franziskript.de schreibt, nicht eingreift. Längst geht es nicht mehr darum, wie und warum Frauen bloggen. Die Zuhörer erfahren kaum etwas darüber, was die Mehrzahl der weiblichen Bloggerinnen umtreibt, wie sie fühlen und schreiben, sondern finden sich in einem kollektiven Seufzer darüber wieder, dass Frauen in der Blogosphäre zu wenig Beachtung finden. Dazu, warum sich das ändern sollte, liefert das Panel keine überzeugenden Argumente.

bjm

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