So., 27.05.12

Privates im Internet 10.04.2009 Ein Mensch, made by Google

Von news.de-Redakteur Jan Berger

Gibt man einen Namen bei Google ein, finden sich gerne hunderte von Einträgen. Doch was sagen die ersten Treffer über einen Menschen aus? Ganz schön viel – und davon ist ein erstaunlicher Teil auch noch wahr. Auf den Spuren einer Kollegin.

Vor dem Moloch Internet wird gerne und häufig gewarnt. Zu viel gebe man von sich preis, Informationen würden für immer gespeichert und man mache sich quasi zum gläsernen Menschen. Stimmt. Ich nutze Google gerne, um ein wenig mehr über meine Mitmenschen zu erfahren – so, wie angeblich auch Personalchefs, Arbeitskollegen und Liebhaber.

Im Büro, mir direkt gegenüber, sitzt unsere Reaktionsassistentin. Sie redet sympathischer Weise relativ viel, und wer sie fragt, bekommt auch eine Antwort. Aber auf manche Fragen kommt man nicht von selbst, und deshalb habe ich ihren Namen mal bei Google eingegeben.

Und siehe da: Gleich der erste Treffer verweist auf ein soziales Netzwerk, in dem sie angemeldet ist. Mit der richtigen Berufsbezeichnung «Reaktionsassistentin». Laut dem kurzen Text, der unter dem Link zu diesem Profil steht, bietet sie «geistreiche Gegenrede, kreatives Potenzial, Hingabe an Text und Sprache». Ich denke, das stimmt. Und auf dem Profil erfährt man, dass sie «Brancheninternas» sucht und wo sie bereits gearbeitet hat. Abgesehen von dem falschen Plural-s keine verfänglichen Informationen. Und zum Glück kein Satz wie: «Ich suche neue berufliche Herausforderungen.»

Der zweite Treffer von Google führt zu ihrem Weblog. Schon daran merkt man, dass die Kollegin keine besonders große, schützende Hand über ihre Privatsphäre deckt. «Casus Belli» heißt er – so viel wie Kriegsgrund. Das klingt vielversprechend. Im Impressum des Blogs findet sich ihre Privatanschrift. Und obwohl seit gut fünf Monaten kein neuer Eintrag in diesem elektronischen Tagebuch veröffentlicht wurde, liest man jeden Fall einen erhellenden Satz: «Ich bin überzeugt davon, dass ich im Leben was reißen kann.» Das lässt sich sicher für die eine oder andere Stichelei im Büro-Alltag verwenden. Ich hoffe, dass das nicht der Grund für einen Krieg zwischen uns wird.

Noch auf der ersten Trefferseite der Suchmaschine finde ich dann einiges von ihrer Arbeit, bevor sie bei news.de angefangen hat. Praktikantin bei rankaholics war sie, und Chefredakteurin des Online-Portals ihres Studiengangs. Auf der Homepage gibt es nicht nur bezeichnende Jugendfotos (ziemlich peinlich!), sondern auch ein Interview, in dem sie die Antworten gibt.

Und was erfahre ich? Sie findet feiern «immer gut» und hat ihren «Brockhaus in 24 Bänden» schon vor dem Abitur gelesen. Das bietet doch einige Anknüpfungspunkte für die nächste Mittagspause. Oder für eine Verabredung nach Feierabend.

Was kann ich nach zehn Minuten googlen sagen? Vollständig ist das Bild nicht, dass ich mir über unsere Assistentin machen konnte. Es deckt sich mit dem Eindruck, den ich von ihr im Büro habe. Aber ich habe einiges herausgefunden, dass ich noch nicht wusste. Wo sie ihre Erfahrungen gesammelt hat, wie sie politisch denkt und wo sie die letzten Jahre ihres Lebens verbracht hat. Das birgt viele neue Fragen.

seh
Leserkommentare (1) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • Kommentar 1
  • 11.04.2009 07:35
 

Nicht nur falsches Plural-s wirkt irritierend auf den Sprachpuristen, sondern auch ein Artikelverfasser, der das und dass nicht unterscheiden kann. Kleine Eselsbrücke aus der Schulzeit: "das" steht immer dort, wo man auch "welches" sagen könnte. Z.B.: ...das Bild, welches ich mir machen konnte. Ich bin überzeugt, dass diese Eselsbrücke sehr hilfreich ist. Ansonsten danke ich für die bedenkenswerten Hinweise im Artikel. Gruß: U.E.

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