So., 27.05.12

re:publica'09 02.04.2009 «Wir müssen einen stärkeren Fokus setzen»

Johnny Haeusler (Foto)
Johnny Haeusler, Mitorganisator der re:publica, will der Internetkonferenz in der Zukunft einen stärkeren Fokus geben. Bild: news.de

Von news.de-Redakteur Florian Blaschke, Berlin

Der erste Tag der re:publica'09 fiel auf, nicht nur durch Themen und Atmosphäre, auch durch den teilweisen Totalausfall des Internets. Im Interview spricht Organisator Johnny Haeusler über technische Probleme, Kritik und fehlende Antworten.

Wie fällt das erste Fazit aus? Wie war der erste Tag, wie macht sich der zweite?

Johnny Haeusler: Heute bin ich sehr entspannt. Am ersten Tag gab es noch eine Menge Vorbereitung, für die Keynote etwa oder die Gameshow am Abend. Da kommen auch die eigenen Sachen immer etwas zu kurz. Daher bin ich heute eine Menge Last los. Ich muss sagen, der gestrige Tag lief super gut, die Stimmung war gut, die Organisation hat funktioniert, von den Problemen mit dem Internet mal abgesehen.

Lässt sich auf den Punkt bringen, woran das Internetproblem gelegen hat?

Haeusler: Kurz erklären kann ich das nicht. Es gab mehrere Probleme, vor allem aber liegt es daran, dass wir im Friedrichstadtpalast keinen Internetzugang haben, zumindest keinen schnellen. Und wir können ja nicht für drei Tage eine 16-Mbit-Leitung zur Verfügung stellen. Daher mussten wir uns den Zugang von drei verschiedenen Orten holen, per Richtfunk, per Kabel. Irgendwo da hat etwas nicht funktioniert. Wenn die Techniker das lesen, werden sie aber wahrscheinlich sagen: Das ist ja totaler Quatsch.

Man könnte sagen, die re:publica sei zu schnell gewachsen, da seien solche Probleme programmiert. Würden Sie diese Kritik gelten lassen?

Haeusler: Ich glaube, das hat damit nichts zu tun. Außerdem fände ich, glaube ich, eine re:publica ohne Internet gar nicht so schlimm. Ich habe auch schonmal überlegt, Internet erst ab 18 Uhr anzubieten. Mal soll ja eigentlich zuhören, sich unterhalten und nicht alles gleich eins zu eins wieder ins Internet zurückgeben. Das Problem mit dem Wachstum ist aber, dass man es ja nicht kontrollieren kann. Wenn wir zum Beispiel nur 500 Tickets angeboten hätte, wäre die Kritik deutlich gewesen, man hätte uns vorgeworfen, eine elitäre Veranstaltung zu machen. Ich finde das Wachstum, in drei Jahren bei etwa 1500 Teilnehmern angekommen zu sein, gar nicht so ungesund. Wir denken aber schon darüber nach, wie man damit in Zukunft umgehen kann. Wir sind ja keine hauptberuflichen Kongressveranstalter und trotzdem erwarten die Besucher zurecht eine professionell gemachte Veranstaltung.

Die Kritik der Besucher fällt zum Teil ja recht deutlich aus, gerade per Twitter. Neben dem fehlenden Internet wurde zum Beispiel eine mangelnde Diskussionskultur beklagt. Und auch die Breite der Themen in zu kurzer Zeit fällt bei einigen Veranstaltungen auf. Bekommen Sie diese Kritik mit und wenn ja: Wie nehmen Sie sie wahr?

Haeusler: Die bekommen wir mit, und wir kritisieren uns ja auch selbst. Ich habe zum Beispiel als Moderator selbst gemerkt, dass man kein einstündiges Panel zum Thema Medienwandel machen kann. Da müssen wir einen stärkeren Fokus setzen. Auch hatten wir in den letzten zwei Jahren Themen, die man durchaus nochmal hätte ins Programm nehmen können. Aber über manche Themen in einer Stunde zu diskutieren, ist natürlich schwierig. Alle erwarten Antworten, aber die gibt es manchmal nicht.

Gibt es Überlegungen, für die Zukunft etwas am Konzept der re:publica zu ändern?

Haeusler: Dazu muss man unsere junge Historie betrachten. Beim ersten Mal 2007 haben wir natürlich Leute angefragt, die wir kennen. Man kann nicht gleich bei Wikipedia anrufen und sagen: «Hey, habt Ihr nicht Lust, Euren Chef vorbeizuschicken, damit der was erzählt?» In diesem Jahr sind prominente Leute gekommen, die wir haben wollten, das ist toll. Aber in Zukunft werden wir wohl erst die Themen setzen und dann nach Leuten suchen. Das ist immer auch ein bisschen learning by doing.

Das heißt, das Motto der re:publica, »Shift happens» - Veränderung passiert - gilt auch für die Organisatoren?

Haeusler: Absolut, damit haben wir intern natürlich auch zu tun. Daher bin ich umso glücklicher, dass es so fantastisch läuft, denn es gibt ja genug spannende Themen.

Die direkte Reaktion, etwa per Twitter, ist ja fester Bestandteil der re:publica. Doch gerade bei technischen Problemen wie dem Internetausfall hat man das Gefühl, die Besucher kümmerten sich eher darum, als um die Diskussion. Konterkariert das nicht den eigentlich Zweck des Ganzen?

Haeusler: Durchaus. Im ersten Jahr war das ja noch ein Novum, da waren wir die erste Konferenz, die so etwas genutzt hat. Dieses Jahr haben wir uns bei Vorträgen entschieden, keine Twitterwall zu machen. Ich empfände das als respektlos. Wenn da vorne jemand eine Stunde steht und etwas erzählt, sollte man sich das erst einmal anhören. Bei den Panels aber lassen wir sie laufen, die Teilnehmer haben sie aber vor sich auf einem Bildschirm und können reagieren. Ich bin, was dieses Thema angeht, noch nicht ganz entschieden. Ich finde Twitter als Rückkanal erst einmal eine sinnvolle Sache, vor allem, wenn von da konstruktive Kritik kommt. Wenn man aber nur versucht, sich gegenseitig in Witzigkeit zu überbieten, ist das schade.

Gestern konnte man zeitweise denken, die Besucher seien im Großen und Ganzen eher unzufrieden, die Kritik über die Rückkanäle viel mehr als deutlich aus. Halten Sie das für repräsentativ? Sie sagen ja, die Stimmung war sehr gut.

Haeusler: Man twittert eben eher Kritik als Lob, das ist einfach so. Wer setzt sich schon hin und twittert: «Das gefällt mir gut»? Gestern Abend zum Beispiel habe ich viele positive Rückmeldungen bekommen. Aber repräsentativ ist so etwas schon, und richtig ist die Kritik zum Teil ja auch. Ob die Form jedoch immer so sein muss, wie sie ist, weiß ich nicht. Einen gewissen Grundrespekt fände ich schön. Und wenn alle Leute auch twittern würden, was sie gut finden, bin ich sicher, dass die Kritik den kleineren Teil ausmachen würde.

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