Google Labs Notknopf für falsch verschickte E-Mails

E-Mail-Frust (Foto)
Schwupps und weg - und landet genau beim Falschen: E-Mails können sehr peinlich werden. Google Mail schafft Abhilfe. Bild: news.de

Von news.de-Redakteur Frank Meinzenbach
«Um Gottes Willen, nein!» - Eine peinliche E-Mail ausgerechnet an den ungeliebten Chef oder die nervige Kollegin versandt, wer kennt das nicht? Dann würde man alles dafür tun, die Nachricht wieder rückgängig zu machen. Geht nicht? Doch, mit Google Mail.

Eins muss man Google lassen: Clevere Köpfe brüten dort großartige Ideen aus. Wer hat noch nie eine E-Mail dummerweise an die falscheste Person geschickt? Peinliche Beispiele gibt es zur Genüge: Da wäre die Sex-E-Mail-Panne bei der Nürnberger Bundesagentur für Arbeit vor nunmehr fast drei Jahren. Zwei weibliche Angestellte tauschten sich per E-Mail über ihr Sexleben aus, ein falscher Klick und der Briefverkehr ging an den gesamten Verteiler der Abteilung und von dort aus in die Welt. Die Bild-Zeitung veröffentlichte sogar Auszüge aus dem Schriftverkehr.

Nicht schlecht gestaunt haben dürften auch die Angestellten der US-Firma Carat. Sie erhielten im vergangenen Sommer von ihrem Personalleiter eine Mail, aus der sie entnehmen konnten, wie gefährdet ihre Jobs tatsächlich sind. Gedacht war die Nachricht eigentlich für den Vorstand. Schlechtes Personalmanagement und noch schlechtere Schlagzeilen in der Öffentlichkeit, hier konnte Carat gleich sein Können im Krisenmanagement unter Beweis stellen: Das Unternehmen verdient sein Geld ausgerechnet mit Öffentlichkeitsarbeit.

Bisher galt: Versandt ist versandt, einmal abgeschickt ist die Mail nicht mehr aufzuhalten. Einzige Möglichkeit: Die Nachricht auf dem Rechner des Adressaten heimlich zu löschen. Ein klein wenig Hoffnung gab es höchstens im Büro: Wird die Mail innerhalb des Unternehmens auf dem hauseigenen Exchange-Server versandt und Absender und Empfänger nutzen Outlook als E-Mail-Programm, dann lässt sich die Mail unter Umständen zurückholen. Privatnutzern hilft diese Möglichkeit jedoch nicht. Ihnen blieb nur das Schämen und die Entschuldigung.

Die Google-Entwickler versprechen nun ab dem 1. April Abhilfe - zumindest für Schnellmerker. Denn nach dem Klick auf Versenden bleiben fünf Sekunden Zeit, die Mail doch noch zu stoppen. Dazu erscheint bei der Versandbestätigung ein Notfallknopf. Dann entscheidet sich, wer im Wilden Westen im Duell einen kühlen Kopf bewahrt hätte. Also, kurz durchatmen, gut zielen und sicher klicken - viel Zeit bleibt einem nicht.

Über diese Funktion gefreut hätte sich auf jeden Fall auch Angelo Mozilo. Der Geschäftsführer des ehemaligen US-Hypothekenfinanzierers Countrywide wollte eine Kundenmail weiterleiten und kommentierte sie mit dem Wort «ekelerregend». Dumm nur, dass er zuvor aus Versehen auf Beantworten geklickt hatte. Alles richtig gemacht hat der Banker jedoch, als die Bank of America Mitte des vergangenen Jahres seine von der Immobilienkrise überrollte Hypothekenbank übernahm. Damals konnte er sich durch Aktienverkäufe und ein großzügiges Pensionsprogramm hunderte Millionen US-Dollar sichern.

Bevor die Rückholfunktion funktioniert, muss sie jedoch erst freigeschaltet werden. Das geschieht in der Google-Mail-Oberfläche. Dort auf «Einstellungen» (Link oben rechts im Posteingang) klicken und dann das Register «Labs» wählen und die entsprechende Funktion aktivieren.

Lesen Sie auf Seite 2, was Google Mail noch für schusselige Menschen zu bieten hat

Was man nicht vergessen sollte: Google Labs ist genau das, was der Name sagt: ein Labor. Hier stellen Google-Entwickler testweise schnell programmierte Ideen ein, die noch nicht hundertprozentig ausgereift sind. Google selbst nennt Labs seinen «Spielplatz für versuchsweise bereitgestellte Funktionen». Eine Garantie, dass die dort angebotenen Hilfsmittel ausnahmslos funktionieren, gibt es also nicht.

Schade eigentlich, denn es werden noch ein paar weitere großartige Features angeboten, die den E-Mail-Schreiber vor Peinlichkeiten bewahren. Richtig praktisch ist die Attachment-Erinnerung. Nie wieder blamieren, weil man vergessen hat, das Dokument oder die Präsentation anzuhängen. Wie das Programm funktioniert, ist noch nicht ganz klar. Laut Google wird der Absender gewarnt, falls im Text ein Anhang erwähnt wird, letztlich aber keine Datei hochgeladen wurde. Wahrscheinlich lässt Google die Nachricht auf ein paar mehr Schlagworte als sonst scannen und nutzt die Informationen für das Warnsystem.

Wer von sich weiß, dass er betrunken oder übermüdet E-Mails verschickt, die er besser nicht versenden sollte, kann sich mit «Mail Goggles» von sich selbst schützen. Ist diese Funktion aktiviert, testet das Programm vor dem Versand die Zurechnungsfähigkeit des Schreibers mittels einiger einfacher Rechenaufgaben. Wie erfolgreich diese Funktion ist, muss wohl jeder bei sich selbst ausprobieren. Am besten ist es immer noch, sich ein paar Stunden Schlaf zu gönnen und am nächsten Morgen weiterzumachen. So lange kann die Trennung per Mail auch noch warten.

ruk

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