Erst Frauenheld, dann bekennender Homosexueller, immer gefeierter Star: Richard Chamberlain, der mit dem TV-Vierteiler «Die Dornenvögel» das Publikum zu Tränen gerührt hat, wird 75. Zur Ruhe ist er noch nicht gekommen, für das Musical «Spamalot» steht er derzeit auf der Bühne.
Seine Darstellung des charismatischen Paters de Bricassart, der in verbotener Liebe zur schönen Farmerstochter Meggie entbrennt, zog in den 1980er Jahren mehr als 200 Millionen Menschen vor die Bildschirme. Vor allem weibliche Fans waren vom Charme des US-Schauspielers hingerissen.
Noch zwanzig Jahre später erzählte der inzwischen in Hawaii lebende Chamberlain: «Manche Frauen sitzen sechs Wochen lang vor meiner Tür und fangen zu juchzen an, wenn ich nur mein Auto vom Parkplatz fahre.» Heute wird der TV-Herzensbrecher 75 Jahre alt. Seine blonden Haare sind längst grau, aber das Lächeln ist geblieben.
Zahlreiche Affären wurden dem attraktiven Junggesellen in seiner langen Karriere nachgesagt - etwa mit seiner Dornenvögel-Partnerin Rachel Ward oder mit Denver-Star Linda Evans. Doch in seiner 2003 erschienenen Biografie Shattered Love bekannte er sich offen zu seiner Homosexualität und seinem langjährigen Lebensgefährten. «Als ich heranwuchs, war es verpönt und verboten, schwul zu sein», sagte er. Um diesen Teil seines Ichs zu verstecken, habe er den «perfekten Richard» spielen müssen.
Die Liebesszenen mit seinen TV-Partnerinnen, die dem Publikum so zu Herzen gingen, nahm der Darsteller eher gelassen. «Man muss sich um eine Perücke kümmern, um einen Schatten, einen Winkel. Dein Arm schläft ein, weil du dich auf dem selben Ellenbogen drei Stunden lang über sie beugen musst. Und du versuchst, ihren Lippenstift nicht zu verschmieren und keine Schlurfgeräusche zu machen, während du sie küsst.»
Seinen Durchbruch zum Weltstar hatte Chamberlain schon 1961 als Titelheld in der US-Ärzteserie Dr. Kildare, die in 190 Folgen fünf Jahre lang lief und ihn über Nacht zum Teenageridol machte. Doch der Schauspieler, der auch Kunst und Gesang studiert hatte, wollte sich nicht auf die Rolle als «Prinz Charming» festlegen lassen. Über Jahre hinweg arbeitete er vor allem fürs Theater und übernahm - etwa in Julius Caesar und Flammendes Inferno - anspruchsvolle Filmrollen.
Trotz der Erfolge dort blieb Chamberlain der ungekrönte «König der Serien»: als Graf von Monte Christo, als John Blackthorne in der Abenteuerserie Shogun und als Casanova. Seinem mit einem Golden Globe belohnten Auftritt in den Dornenvögeln nach dem gleichnamigen Bestseller von Colleen McCullough folgte 1997 nochmals eine Fortsetzung, die jedoch nicht an den phänomenalen Erfolg von 1983 anknüpfen konnte.
«Der Grund, warum ich Schauspieler geworden bin, war mein großes Verlangen nach Liebe. Aber man entdeckt, dass der Applaus nicht geben kann, was die Seele sucht», gestand Chamberlain einmal, der in der Jugend unter seinem alkoholkranken Vater litt. Der TV-Star genießt längst seinen Ruhestand, die Stille in seinem Haus am Meer und seine spirituellen Studien.
Nur gelegentlich lässt er sich noch auf die Bühne locken - wie derzeit mit seiner US-Tournee als König Arthur in Monty Pythons Musical Spamalot. An seinem Geburtstag tritt er im Palace Theatre in Cleveland, Ohio, auf. «Ich hatte eine wunderbare Karriere», sagte er kürzlich. «Ich habe viel Glück gehabt, aber ich fühle mich nicht als Legende. Ich bin ein ganz normaler Mensch, der morgens aufsteht, seine Zähne putzt und das Leben beginnt.»
Nach mehr als 30 Jahren kommen die Dornenvögel, der literarische Welterfolg von Colleen McCullough, im April mit Hilfe der Hamburger Komponistin Gloria Bruni als Musical heraus. Was diese über die Mitwirkenden verrät, klingt vielversprechend. «Nicht nur die Hauptfiguren sind erstklassig besetzt«, sagt sie. »Auch beispielsweise bei Peter Karrie, der in der Rolle des Kardinals di Contini-Verchese auftritt, bekam ich schon während des Vorsingens richtig Gänsehaut.» Karrie gilt als Star seines Fachs, auch bekannt als «weltbestes Phantom» in Andrew Lloyd Webbers Phantom der Oper.
Erste Hörproben, die auch im Internet abrufbar sind, versprechen ein Drama mit ausdrucksstarker Musik. Nach Angaben der Komponistin, die in der Vergangenheit schon von Sakralmusik bis zu einer Kinderoper schrieb, gibt es eine erhebliche Bandbreite an Stilen zu hören, von liedhaft, über rockig bis Oper und Gregorianik. Das Publikum kann aber auch auf optische Finessen hoffen: Kein Geringerer als der Designer des legendären Hochzeitskleids der 1997 verunglückten Lady Diana, David Emanuel, ist Kostümbildner des Musicals.
Das Buch von 1977 über die Liebesgeschichte zwischen dem katholischen Priester Pater Ralph de Bricassart und der Farmerstochter Meggie Cleary hatte sich 30 Millionen Mal verkauft. Die Filmfassung von 1983 wurde zu einem der erfolgreichsten Fernsehmehrteiler aller Zeiten. Die Umsetzung in eine Bühnenfassung dürfte nicht leicht gewesen sein, ist das Originalbuch fast 600 Seiten stark. Die verfilmte, zwischen Vatikan und australischem Outback spielende Geschichte, dauert immerhin siebeneinhalb Stunden.
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