Von news.de-Redakteurinnen Anja Guhlan und Nadine Kotré
Es ist der Trend im Internet: Stars haben eigene Internetseiten, eigene Blogs oder Twitter-Profile. Promis zeigen sich ganz privat. Web 2.0 macht es möglich. Doch sie nutzen das Netz nicht nur um sich selbst zu profilieren, sondern auch um ihren Ruf zu schützen.
Sie alle sind aktiv im Netz: Demi Moore und ihr Ehemann Ashton Kutcher versorgen die Öffentlichkeit mit Details aus ihrer Ehe bei Twitter. Der Radprofi Lance Armstrong schreibt täglich Kurznachrichten und stellt sogar Fotos von sich bei Twitpic ein. Mischa Barton, bekannt aus O.C. California, twittert auch eifrig und verweist sogar auf ihrer Internetseite auf ihr täglich Erlebtes. Auch Gwyneth Paltrow hat ihre eigene Internetseite. Unter anderem twittern noch der Starkoch Jamie Oliver oder Britney Spears.
«Es ist sehr gut für Prominente, im Netz aktiv zu sein», sagt der Kommunikationsberater und PR-Blogger Klaus Eck (44), der sich auf das Online-Reputationsmanagement spezialisiert hat. «Die Prominenten haben somit eine bessere Möglichkeit, sich mit Informationen an ihre Zielgruppe zu wenden und können mit ihren Online-Auftritten ihre Reputation direkt steuern», fügt Eck hinzu. Die Promis schalten damit Zwischenhändler wie Journalisten aus und entscheiden selbst, welche Informationen sie wann und wo preisgeben. Sie gewichten und verifizieren ihre Daten selbst.
Auf diese Weise geben Promis oftmals interessante Details preis. Erst kürzlich sorgte US-Schauspieler Ashton Kutcher für Aufsehen, als er ein Foto bei Twitter einstellte, auf dem der Po seiner Frau Demi Moore zu sehen war. Die nahm die ganze Sache locker – wie sie auf ihrem eigenen Tweet verriet. Für manche mag diese Aktion zu weit gehen und zu sehr in die Privatsphäre eingreifen. Doch mit dem Foto-Faux-Pas haben Demi Moore und Ashton Kutcher sich zumindest wieder absichtlich oder unabsichtlich ins Gespräch gebracht. «Meiner Meinung nach existiert im Internet keine Privatsphäre. Alles was man im Internet macht, sollte als Business betrachtet werden», erklärt Klaus Eck.
«Doch um eine gute Online-Reputation zu schaffen, muss man langfristig daran arbeiten», erklärt Eck. Dazu rät der Experte, auf möglichst vielen Online-Wegen im Netz präsent zu sein. Entweder über Twitter, über einen eigenen Blog oder die eigene Internetseite. «John Cleese von den Monty Pythons repräsentiert sich meiner Meinung nach ganz gut. Er twittert, er bloggt, er hat eine eigene Internetseite und er hat zig Profile in sozialen Netzwerken.» Gibt man John Cleeses Namen bei der Suchmaschine Google ein, landen genau diese Seiten auf der ersten Suchergebnisseite. «Und genau dort wollen Promis doch hin. John Cleese braucht keine Pressemitteilungen oder Newsletter zu verschicken, denn er kann seine Informationen alle online verteilen», erklärt der Experte.
Während John Cleese seinen digitalen Ruf immer mehr verbessert, scheinen andere Promis wie Verona Pooth online gar nicht zu agieren. «Und das ist doch das beste Beispiel, dass Promis im Netz aktiver werden sollten», meint Klaus Eck. Seiner Ansicht nach ist Verona Pooth zum Medienspielball geworden, gerade weil sie offline ist. Die Vorwürfe wegen Steuerhinterziehung hätte sie online eindämmen können. Durch Online-Nachrichten hätte sie von den negativen Schlagzeilen ablenken können: «Jeder Star könnte in solch einem Fall durch das regelmäßige Posten von positiven Leistungen wie zum Beispiel Engagement bei Charity-Veranstaltungen seinen Ruf wieder herstellen. Auch wenn es Monate dauert, ist es besser direkt im Netz Stellung zu beziehen und somit Transparenz zu zeigen, als immer nur Make-Up aufzutünchen.»
Im besten Fall hinterlassen Stars bei Dritten einen guten Eindruck. Diese können dann wiederum im Netz etwas Positives über die Prominenten schreiben. Im schlimmsten Fall können Außenstehende den Ruf von Promis aber auch schaden: So erwischte es zuerst Britney Spears. Unbekannte hatten ihren Twitter-Account gehackt und gefälschte Nachrichten ausgegeben. Und auch ein CNN-Nachrichtensprecher ist von Hack-Attacken getroffen worden: Ihm unterstellte man, dass er dem Crack-Konsum verfallen wäre. Ebenfalls kursierten verschiedene Fälle von Identitätenklau bei öffentlichen Personen in den Medien. So gab sich ein Unbekannter bei Facebook täuschend echt als Barack Obama aus und schickte Nachrichten an «seine» Wähler. Verwirrung entstand auch bei Twitter als im hessischen Wahlkampf der SPD-Spitzenkandidat Thorsten Schäfer-Gümbel gleich zweimal bloggte - einmal echt und einmal gefälscht.
Gegen Identitäts-Klau im Netz können sich Promis wie auch Otto-Normal-Bürger gleichermaßen wehren. Denn über Online-Reputationsportale wie myON-ID oder Google Alerts kann jeder jederzeit beobachten, was über ihn im Netz geschrieben wird. Falls nun gefälschte Profile entdeckt werden, kann man das jeweilige Unternehmen zur Löschung auffordern. «Natürlich nur wenn ein eindeutiger Missbrauch vorliegt und ein Angriff auf die betreffende Person stattfindet. Falls tatsächlich Namensvetter vorhanden sind, müssen andere Lösungen gefunden werden», erklärt Klaus Eck.
Der amerikanischen Sänger John Mayer hatte zwar mit keinem Identitätsklau zu kämpfen, ihm wurde jedoch Twitter zum Verhängnis: Seine mittlerweile Ex-Freundin Jennifer Aniston gab ihm wegen seiner regen Aktivität auf dem Portal den Laufpass. Wie man es dreht und wendet, «als Promi den guten Ruf im Netz zu bewahren ist harte Arbeit – online sowie offline.»
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