Von news.de-Redakteurin Anja Guhlan
Nach der Vorratsdatenspeicherung haben britische Behörden jetzt auch soziale Netzwerke für sich entdeckt: Künftig sollen MySpace, Facebook und Co. von Sicherheitsspezialisten überwacht werden, um Terroristen und Gauner zu entlarven.
In sozialen Netzwerkenwerden persönliche Daten ausgetauscht wie der Lieblingsfilm, politische Einstellungen oder die Religionszugehörigkeit. Zumindest die Nutzer in Großbritannien werden es sich künftig zwei Mal überlegen, welche Inhalte sie preisgeben.
Denn wie die BBC berichtet, sollen nach einer Mitteilung des britischen Innenministeriums die Kontaktdaten in sozialen Netzwerken überwacht werden. Demnach würde aufgezeichnet werden, wer wem Nachrichten schreibt. Die Inhalte dieser Nachrichten sollen nach Angaben der britischen Behörden nicht kontrolliert werden.
Der britische Staatssekretär Vernon Coaker sagte dem Independent, die sozialen Netzwerke seien nicht ausreichend von der EU-Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung abgedeckt und forderte eine Speicherung der Verkehrsdaten. Nun könnten in Großbritannien Netzwerke gezwungen werden, IP-Adressen und andere Informationen zu ihren Mitgliedern zu speichern. Kriminelle und Terroristen könnten laut Coaker somit besser entlarvt werden.
Inzwischen gibt es zahlreiche User, die gegen die Pläne protestieren. Shami Chakrabarti erklärte gegenüber der BBC, dass die Überwachung «unzulässig» im Hinblick auf die Menschenrechte sei, weil jeder Bürger präventiv unter Generalverdacht gestellt werde. Auch Bürgerrechtsorganisationen teilen diese Ansicht. Andere User im Netz sehen diesen Schritt nur als erste Maßnahme an. «Mit Sicherheit treiben sich Kriminelle auch in Foren, Internetchats oder in Online-Spielen herum. Es braucht also nicht viel Fantasie, sich die nächsten Forderungen auszumalen», schreibt Georg Wieselsberger bei Gamestar.
Die Betreiber der Plattformen sind ebenfalls nicht begeistert von der Initiative. Chris Kelly, Chefdatenschützer von Facebook, bezeichnete das Vorhaben gegenüber dem Independent als «Overkill».
mik