Lolle und die «Kinder des Sturms»
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Von news.de-Redakteur Timo Nowack
Artikel vom 25.03.2009Eine bewegende Suche: «Berlin, Berlin»-Star Felicitas Woll spielt heute Abend im Ersten im Flüchtlingsdrama «Kinder des Sturms». Als Mutter in den Nachkriegeswirren des Zweiten Weltkriegs fahndet sie verzweifelt nach ihrer verlorenen Tochter.
Juli 1946, gut ein Jahr nach Ende des Zweiten Weltkriegs: Das Gebiet um die schlesische Stadt Gleiwitz steht nun unter polnischer Verwaltung. Die deutsche Rosemarie Hermann (Felicitas Woll) will mit Tochter Maria (Magali Greif), Sohn Jojo (Alexander Kalodikis), Schwester Bettina (Inga Birkenfeld) und Vater Erich (Hermann Beyer) mit dem Zug Richtung Westen fliehen. Doch im Gedränge am Bahnhof wird die kleine Maria von der Hand ihrer Tante losgerissen. Rosemarie versucht ihre Tochter noch in den Zug bekommen - vergeblich. Hilflos muss sie zusehen, wie Maria zurückbleibt.
Ein Jahr später sind Mutter und Kind immer noch getrennt. Rosemarie und der Rest der Familie leben in einer Notunterkunft in Stuttgart. Immer wieder spricht sie beim Suchdienst des Roten Kreuzes vor und versucht, einen Aufruf im Radio zu senden. Durch ihre Hartnäckigkeit fällt sie dem Suchdienstleiter Harald Bergmann (Wotan Wilke Möhring) auf, der ihr eine Arbeit gibt, bei der sie weiter nach ihrer Tochter fahnden kann.
Die kleine Maria ist inzwischen in einem Kinderheim an der Ostsee untergekommen. Sie wehrt sich von einer Pflegefamilie adoptiert zu werden, denn sie glaubt, ihre Familie dann nie mehr zu finden. Als ihre beste Freundin das Heim der strengen Leiterin Frau Reuter (Michaela Rosen) verlässt, läuft Maria weg - wird aber mit einer Lungenentzündung zurückgebracht. Schließlich kommt sie doch zu einer Pflegefamilie, die sie liebevoll aufnimmt. Trotzdem ist Maria unglücklich und sitzt jeden Tag vor dem Radio, um die Suchdienstsendungen zu hören.
Auch Rosemarie muss auf der Suche nach ihrer Tochter viele Rückschläge hinnehmen. Doch eines Tages bekommt sie einen besonderen Brief - von einem Kinderheim an der Ostsee.
Felicitias Woll, bekannt als Kleinstadtmädchen Lolle aus der preisgekrönten Serie Berlin, Berlin, überzeugt in Kinder des Sturms auch als verzweifelte Flüchtlingsmutter. Schon im Zweiteiler Dresden konnte sie zeigen, dass sie auch für historische Rollen geeignet ist. Als Rosmarie beweist sich die 29-Jährige nun endgültig als etabliert-erwachsene Schauspielerin.
Mindestens genauso überzeugend wie ihre Film-Mutter spielt die 11-jährige Magali Greif in der Rolle der Maria - und ist damit der heimliche Star des Films. Die Trennung von der besten Freundin, die Flucht aus dem Kinderheim und das gescheiterte Leben bei einer neuen Familie ziehen den Zuschauer oft mehr in den Bann als das Schicksal der Mutter - nicht zuletzt auch durch starke Nebencharaktere wie die harte Heimleiterin Reuter mit NS-Vergangenheit.
Regisseur Miguel Alexandre überlässt den großen Emotionen in Kinder des Sturms die Bühne. Dabei vermeidet er es - wenn auch manchmal nur knapp -, in reine Rührseligkeit abzugleiten. Gegner von Tränendrüsen-Filmen dürfte in so mancher Szene trotzdem der Umschaltreflex packen.
Autorin und Produzentin Gabriela Sperl und Regisseur Alexandre zeigen Opfer aus dem deutschen Volk, das selbst den Zweiter Weltkrieg verursacht hat. Damit widmet sich Kinder des Sturms einem lange tabuisierten Thema und präsentiert kollektive deutsche Nachkriegsschicksale. Doch nicht nur das: Der Film ist auch aktuell, denn mit der Aufarbeitung von Flüchtlingsschicksalen und dem Leid getrennter Familien steht er auch für die Lage von Millionen Kriegsflüchtlingen auf der ganzen Welt.
Kinder der Sturms, Mittwoch, 25. März 2009, 20.15 Uhr im Ersten
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