Von news.de-Redakteur Michael Kraft
Sie hat nicht den Wahlkampf eröffnet. Aber sie hat sich gestellt. Mitten in der Krise war Bundeskanzlerin Angela Merkel in der Talkshow von Anne Will zu Gast. Doch nur eine der beiden Damen konnte dabei glänzen.
Es sei ein «toller Job», Bundeskanzlerin zu sein, lautet der letzte Satz von Angela Merkel in dieser Sendung. Das mag man ihr aktuell kaum glauben. Die Gesellschaft steht vor einer Zerreißprobe, die Union verliert in den Umfragen, die Regierungschefin wird auch aus den eigenen Reihen immer heftiger kritisiert. Kanzlerin in der Krise, heißt die Sendung doppeldeutig – und man muss sich fragen: Was ist hier eigentlich gemeint? Wer steckt in der Krise? Die Wirtschaft? Die Koalition? Oder die Kanzlerin selbst? Nach 60 Minuten Polittalk ist klar: Wenn Angela Merkel vor der Sendung noch nicht um ihre Position bangen musste, dann muss sie es jetzt. Die Kanzlerin ist angeschlagen, und man sieht es ihr an.
Merkel kam zwar menschlich nett rüber, gratulierte artig dem Ehepaar auf dem Betroffenheitssofa zum Hochzeitstag, lieferte sich ein paar charmante Sticheleien mit der Moderatorin und legte vor allem immer wieder eine erfrischende Offenheit an den Tag. Aber inhaltlich hatte sie nichts zu bieten. Wieder einmal.
Merkel klingt insbesondere zu Beginn wie ein Kanzler-Roboter, der auswendig gelernte Floskeln von sich gibt. Exzesse der Banken, Bewährungsproben, Selbstheilungskräfte, Zukunft, Verantwortung, Brücken bauen – alles Wischiwaschi. Menschen, die gerade um ihre Existenz bangen, können damit nichts anfangen. Und es sicher nicht mehr hören. Die CDU-Chefin präsentiert nichts, was von Richtlinienkompetenz zeugt. Nichts, was in schweren Zeiten Vertrauen in ihre Führungsstärke rechtfertigen würde.
Bei den entscheidenden Fragen ist Merkel entlarvend ratlos.
Will: Sind Sie die richtige Kanzlerin in der Krise?
Merkel: Die Krise ist da, und ich bin die Bundeskanzlerin.
Will: Wann ist das Ende der Krise?
Ein paar Sekunden Schweigen, dann ein Achselzucken.
Will: Was muss der Staat jetzt tun?
Merkel: Der Staat, also: Was muss der Staat tun?
Dann wieder Allgemeinplätze, am Ende verhaspelt sich die Kanzlerin sogar, ausgerechnet nach dem Wort «Solidarität».
Der schlimmste Moment ist nicht einmal der, in dem sich die Kanzlerin als Staatsoberhaupt bezeichnet, obwohl dieser Part in der Bundesrepublik noch immer dem Bundespräsidenten gehört. Es ist ein Einspieler, in dem Menschen auf der Straße die Frage beantworten sollen, wofür Angela Merkel steht. Ihnen fällt nichts ein. Kein Profil, keine Entscheidung, kein Zitat. In diesen Sekunden wird die Kanzlerin vorgeführt vom eigenen Volk.
Dass die Frage nach Merkels Profil auch nach dreieinhalb Jahren Kanzlerschaft so schwierig zu beantworten ist, liegt an Merkel selbst. Ihr einziges Programm schien von Anfang an das Regieren an sich zu sein. Aber Politik muss mehr sein als das Management von Mehrheiten. Merkel lässt laufen statt Akzente zu setzen. Sie reagiert statt zu agieren. Und wenn sie sich wehren muss, dann tut sie das mitunter mit Schweigen, wie sie verrät. Gerade durch die Wirtschaftskrise wird klar: Merkel hat sich immer nur um das «wie» gekümmert, nie um das «wieso». Sie ist eine Getriebene.
In diese Rolle gerät sie auch in der Sendung. Es ist ein sehr angenehmes Interview, geprägt von gegenseitigem Respekt. Nur einmal reden Merkel und Will gegeneinander an, und es drängt sich die Frage auf, ob das bei einem Mann-Frau-Duell auch so gelaufen wäre. Die Offensive liegt in diesem Fall jedenfalls klar bei der Moderatorin, die zu Galaform aufläuft: Will stellt kluge Fragen, hört gut zu und fragt noch besser nach. Sie hat schlicht und ergreifend das, was Merkel fehlt: einen Leitfaden, ein Ziel.
Nur einmal gibt sich die Moderatorin eine Blöße: Als sie die Kanzlerin auf Teufel komm raus festnageln will, eine Prozentzahl zu nennen, die als Ziel der Union bei der Bundestagswahl im September gelten soll. Sogar das Publikum bittet Will um Hilfe. Ein kleiner Ausrutscher auf Thomas-Gottschalk-Niveau, der mit dieser Methode sonst versucht, Prominente zu peinlichen Einlagen zu zwingen. Merkel bleibt hart. Es ist ihr einziger Sieg an diesem Abend.
Wir sollten alle sehr froh sein,dass die Kanzlerin Merkel heisst und nicht Will.Diese gezielten hinterhältigen und unsauberen Angriffe auf die Kanzlerin werden zum Bumerang für die Initiatoren-und das ist auch gut so.
jetzt antwortenKommentar meldenKommentar von Thomas Schock wegen Verstoß gegen die Netiquette gelöscht.
jetzt antwortenKommentar meldenIch habe die Sendung sehr aufmerksam geschaut und es war nur peinlich, wie die Lesbe Will, die nur ein gepuschte TV-Moderatorin ist, eine Doktorin Merkel in die Enge treiben wollte. Ein jämmerliches Schauspiel, ohne Sinn und Verstand. Für was sollen denn solche Sendungen gut sein. Frau Dr Merkel hat Souveränität bewiesen, Lady Will glänzte lediglich durch Billigkeit. Die Passage, bei der sie der Kanzlerin droht, diese ohne Nennung von Wahlergebnissen nicht aus dem Studio zu lassen , war der Gipfel aller peinlicher Überheblichkeit einer kleinen schmuddeligen TV-Lesbe. Pfui Anne, Pfui.
jetzt antwortenKommentar meldenMerkel? Steht die nicht für Versprechungen, vin denen sie dann genau das Gegenteil tut? (Erhöhung der MWSt - mit mir nicht ... und dann gab's die vollen 19% nachdem sie gewählt war, etc.) Unwahr ist: dass man auch für die Merkel Abwrackprämie beantragen kann. Wahr ist: dass die Merkel schon sowas von abgewrackt ist, dass sie die Mindestanforderungen für die Abwrackprämie nie mehr erreichen kann. (... was auch für einige andere 'Polittiker' aus schwarz/rot durchaus zutreffend ist)
jetzt antwortenKommentar meldenIhr Artikel ist fehl am Platz und entspricht nicht der Realität und auch nicht den meisten Zeitungskommentaren.Mein gesamter Bekanntenkreis war nach der Sendung der Meinung, das sich Frau Merkel hervoragend geschlagen hat. Ihre diffamierende Darstellung ist deshalb unangebracht.
jetzt antwortenKommentar meldenRecht gebe ich zu einer Sache: Es ist unverständlich, daß Frau Will und andere nicht dem Durcheinanderreden Einhalt gebietet. Sie müßte eigentlich wissen, wie wenig man versteht und daß Ihre Sendung dadurch großen Schaden nimmt. Schnauzevoll: Mir kommt es so vor, als wenn da jemand kommentiert, der nur die Bild liest. Bünting
jetzt antwortenKommentar meldenIch habe den Eindruck, daß der Kommentar direkt aus dem Wahlkampfbüro der SPD kommt. Ich habe die Sendung mit großer Aufmerksamkeit verfolgt und höre von 49 anderen Zuhörern/Sehern meinen Eindruck bestätigt: Selten hat sich Frau Merkel so gut verkauft! Anne Will, die ich durchaus schätze, ging regelrecht unter, daran konnte ihr Lächeln auch nichts ändern! Bünting
jetzt antwortenKommentar meldenDie Analyse ist sehr einseitig.momentan kenne ich keine andere Person, die dieses Amt besser ausüben könnte. "Vom Volk bloßgestellt". Da kann ich nur lachen, von welchem Volk sprechen Sie? Fragen Sie doch mal diese Leute von der Straße, ob sie wissen wie das Programm der verschiedenen Parteien aussieht und für welche Dinge der einzelne Politiker kämpft.Dann sollen sie erst Meinungen äußern. Ich bin seit langer Zeit der Meinung, daß das Volk erst eine Art Führerschein machen müßte und dann erst zur Wahl zugelassen werden dürfte.
jetzt antwortenKommentar meldenWieso oft und da bin ich nicht alleine, erwarte ich eine durchgreifende KRAFT eine Persöhnlichkeit die wirklich was ändert verbessert (spürbar) für die Mittelschicht und Niedriglöhnern. Wenn ich schon höre irgendwelche versprechen und Kluge Ratschläge in unserer Regierung oder in Talkshows die gemacht werden, dann bekomme ich schon einen Anfall. Und was passiert??? nichts!!!! Und der verlogene Wahlkampf erst, jeder schaut das er für sich das beste rausschlägt-ich habe den Anschein es geht nicht um das Volk sondern nur um Firmenmanager und Banker (Politiker) die nach Ihrem Arsch schauen.
jetzt antwortenKommentar meldenEine gute Analyse einer spannenden Sendung. Frau Will sollte immer nur einen Gast haben. Das ist viel besser als das sonst übliche Durcheinanderschreien.
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