So., 27.05.12

Eine Analyse 19.03.2009 Neuer Konkurrenzkampf im Onlinejournalismus

Von news.de-Redakteur Jan Berger

So wie Google heute den Markt der Suchmaschinen nahezu monopolisiert hat, könnte es auch die Berichterstattung im Internet kanalisieren. Nach dem Deal mit verschiedenen Nachrichtenagenturen droht ein Abbau journalistischer Konkurrenz. Es könnte aber auch die Chance für besseren Onlinejournalismus sein.

Im Internet gibt es einen Trend zur Monopolisierung. Es gibt ein Auktionshaus, das jeder kennt, einen Online-Buchladen, in den jeder zuerst schaut – und eine Suchmaschine, die jeder als erstes nutzt. Nur in wenigen Bereichen stehen verschiedene Webseiten mit ähnlichen Angeboten im harten Wettbewerb. Bei den sozialen NetzwerkenSoziale Netzwerke sind Gemeinschaften im Netz, bei denen die Benutzer gemeinsam eigene Inhalte erstellen (User Generated Content). Bekannte Beispiele sind www.meinvz.de oder www.schuelerprofile.de tobt der Kampf um die Vorherrschaft, auch unter den Instant-Messaging-AnbieternInstant Messaging (kurz IM) ist die englische Übersetzung für „sofortige Nachrichtenübermittlung“. gemeint ist im Internet eine Kommunikationsmethode, bei der sich zwei oder mehr Teilnehmer per Textnachrichten unterhalten. Bekannte Beispiele sind ICQ und der AIM. . Andere Angebote können sich nur in Nischen noch behaupten. Durchaus mit Erfolg, aber ohne Breitenwirkung.

Auch bei den Nachrichtenseiten im Internet gibt es den Wettbewerb noch. Zum Glück. Wenn im journalistischen Geschäft – beim „Anbieten von Nachrichten“ – ein Monopolist andere Anbieter verdrängt, bleibt viel auf der Strecke. Bestimmte Themen finden keine Öffentlichkeit, kritische Stimmen kommen nicht zu Wort, wichtige Nachrichten werden verschleppt. Ein großer Anbieter diktiert das, worüber alle diskutieren. Selbst kleine Blogs und Special-Interest-Seiten können dieses Defizit noch nicht ausgleichen. Richten sie sich doch vor allem an eine Elite oder eine kleine Zielgruppe. Gerade sie brauchen den Lautsprecher-Effekt, den die großen, „etablierten“ Seiten bieten.

Doch die Nachrichtenseiten im Internet haben ein hausgemachtes Problem. Viele beziehen ihre Inhalte von Nachrichtenagenturen wie dpa oder ddp. Die haben ihre Korrespondenten in der ganzen Welt, besuchen Pressekonferenzen und führen Interviews. Den Medien verkaufen sie dieses Angebot, quasi als Basispaket. Doch wer sich nur auf die Nachrichtenagenturen verlässt, wird austauschbar. Probleme, die von den Agenturen nicht angesprochen werden, hört keiner mehr. Wer auf Qualität setzt, versucht deshalb schon jetzt, deutlich mehr anzubieten, als das Futter der Nachrichtenagenturen.

Jetzt will Google seinen Nachrichtendienst ausbauen. Mit verschiedenen europäischen Nachrichtenagenturen hat man einen Nutzungsvertrag unterschrieben, wie bereits vor einigen Wochen mit anderen Anbietern. Ihre Texte und Bilder können dann direkt bei Google veröffentlicht werden. Es geht dem Unternehmen um Quantität und Geschwindigkeit. Nicht um eigene journalistische Arbeit.

Im Moment arbeitet Google News wie ein Kiosk. Die Nutzer suchen nach einem Thema – und werden von Google auf eine andere Nachrichtenseite im Internet verwiesen. Dabei fällt jetzt schon auf, dass viele gefundene Texte sich ähneln, weil sie aus den gleichen Agenturmeldungen zusammengestellt sind. Aber es werden immer auch die Inhalte gefunden, die exklusiv für ein Angebot geschrieben wurden.

Das könnte sich ändern, wenn die Zusammenarbeit von Google und den Nachrichtenagenturen richtig anläuft und auch die deutschen Agenturen sich beteiligen. Dann werden bei Google News erstmal die «eigenen» Nachrichten angezeigt. Und der Suchmaschinen-Anbieter verdient mit der Werbung neben den Texten. Geld, von dem auch die Agenturen einen gewissen Anteil erhalten.

Lesen Sie auf Seite 2, für wen der Deal von Google eine Gefahr bedeutet

Die Artikel von anderen Nachrichtenseiten wird Google dann wahrscheinlich nicht mehr so prominent platzieren. Damit gehen den Angeboten die Nutzer verloren, die heute über die Suchmaschine ihren Weg gehen. Auch viele Leser von news.de kommen direkt über Google. Diese User gehen dann verloren – und damit auch Einnahmen, die die Seiten über die Werbung erzielen. Am Ende schlägt sich das auf die journalistische Vielfalt durch: Ohne diese Einnahmen fehlt vielen Seiten das Budget, eigene Themen zu recherchieren und eigene Artikel zu schreiben. Ein funktionierendes Modell, Onlinejournalismus ohne Werbung zu finanzieren, gibt es bis heute nirgendwo.

Doch nicht nur die heutige Vielfalt des Onlinejournalimus ist in Gefahr. Die Nachrichtenagenturen, die in Google im Moment einen finanzstarken Kunden sehen, schneiden sich auf lange Sicht ins eigene Fleisch. Wenn ihre Inhalte sofort und komplett bei der Suchmaschine zu finden sind, werden andere Internetseiten ihren Vertrag kündigen. Die können mit den selben Texten gegen Google keinen Mehrwert bieten. Journalisten nehmen höchstens noch Anregungen und Zitate aus den Agenturmeldungen auf, um selber zu recherchieren. Das können sie bald kostenfrei bei Google News.

Das Angebot von Google könnte sich zum Monopolisten für Agenturmeldungen entwickeln. Portale, die heute intensiv auf Nachrichtenagenturen setzen, müssen noch stärker ihre Nische und ihre Spezialisierung finden. Eigene Themenschwerpunkte entwickeln, Texte mit Servicecharakter recherchieren oder prägnante Meinungen vertreten. Vielleicht ist es die Furcht, solche Seiten als Kunden zu verlieren, die deutsche Nachrichtenagenturen wie die dpa bis jetzt davon abgehalten hat, einen Vertrag mit Google abzuschließen.

Im Optimalfall wird es also neben dem Basis-Angebot von Google eine Reihe von speziellen journalistischen Seiten mit hochwertigen Inhalten geben, die ihre Nutzer erreichen und an sich binden. Im schlechtesten Fall bleibt diesen Nachrichtenportalen aber nicht genug zum Leben. Wenn sie keine Nutzer über Google News mehr erreichen und sich keine Eigenwerbung leisten können, versiegt ihr Besucherstrom. Und damit vermutlich das Budget für eigenen, hochwertigen Journalismus.

ruk
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