Von news.de-Redakteur Tobias Köberlein
Mit großem Aplomb hat das ZDF Aufstieg und Niedergang eines deutschen Stahlimperiums verfilmt. In «Krupp - Eine deutsche Familie» bläst dem Zuschauer der kalte Wind der Geschichte ins Gesicht. Bezüge zur aktuellen Finanzkrise sind zwar nicht intendiert, aber offensichtlich.
«Das ewige Schweigen dieser unendlichen Räume erschreckt mich», klagte Ludwig XIV. einst beim Lustwandeln durch sein Prunkschloss Versailles. Die Sonnenkönige des Ruhrgebiets saßen in Essen. Die Residenz der Stahldynastie Krupp war die Villa Hügel, Stein gewordenes Symbol unermesslichen Reichtums. Geschwiegen wird auch bei den Krupps. Die Stille klebt wie feuchter Nebel über der Gesellschaft, die sich zum Abendessen versammelt hat. Nur eine fehlt: Patriarchin Bertha (Iris Berben) grollt auf ihrem Zimmer.
Regisseur Carlo Rola lässt nur wenige Minuten bis zum großen Filmbeben verstreichen. Die Spannung entlädt sich in einem lautstarken Streit zwischen Bertha und ihrem Erstgeborenen Alfried (Benjamin Sadler). Der Firmenerbe handelt getreu dem Motto aus Tomasi di Lampedusas Roman Der Leopard: «Wenn alles so bleiben soll, wie es ist, muss sich alles ändern» - und erzürnt damit die gestrenge Mutter. Die Folgen: ein Herzinfarkt bei Bertha und Götterdämmerung in der Villa Hügel.
Ein Stahlimperium zerbröselt unter verbalen Hammerschlägen. Dazu tremolieren die Geigen aus dem Adagio von Gustav Mahlers neunter Sinfonie. Der Film demonstriert gleich zu Beginn, was die Stunde geschlagen hat. Schwere Geschütze werden aufgefahren, massiver als die «dicke Bertha» aus der Krupp'schen Waffenschmiede. Klotzen, nicht kleckern, ist die Devise des Dreiteilers. Schließlich wird ein deutscher Mythos beschworen, ein Mythos aus Stahl und Blut.
Der Konflikt zwischen Alfried Krupp und seiner Mutter Bertha von Bohlen und Halbach ist dabei die dramaturgische Klammer. Drehbuchautor Christian Schnalke macht aus der Geschichte einer weit verzweigten Industriellensippe, die eng mit Kaiser Wilhelm II. und später dann mit den Nazis verbunden war, eine Familiensaga von Buddenbrook'schen Ausmaßen.
Hochkomplexes dampft auf dem Bildschirm zum Mutter-Sohn-Konflikt ein. Drumherum gruppiert sich das Krupp'sche Nebenpersonal. Ob Töchter, Brüder, Tanten - sie alle verbindet eines: das Leiden an der eigenen Familie. Der Mythos Krupp fräst böse Schneisen in eine autoritäre Gesellschaft: Auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs zucken von Krupp-Waffen zerschossene Leiber. Doch der Dreiteiler suggeriert, dass die schlimmeren Wunden in der Krupp'schen Psyche geschlagen werden. Es beginnt im Fin de Siècle mit Alfrieds Großvater Friedrich Krupp (Fritz Karl). Der Alte schließt Deals mit den Japanern und macht die Firma zum Weltkonzern. Zum Ausgleich spioniert er in der Sommerfrische auf Capri nackten Knaben hinterher.
Gerüchte kursieren, Friedrichs Gattin Margarethe (Barbara Auer) beschwert sich bei Wilhelm II. Der Monarch ist not amused. Der Tratsch beschädigt das Image seines wichtigsten Waffenfabrikanten. Margarethe wandert zur Strafe für ihr Geplauder in die Klapse, und Friedrich liegt eines Tages tot unter dem Küchentisch. Der Homophilie-Vorwurf hat ihn in den Suizid getrieben. So will es die filmische Dramaturgie.
In den nächsten Generationen dreht sich das Schicksalskarussell munter weiter. Alleinerbin Bertha (als junge Frau gespielt von Valerie Koch) wird vom Kaiser höchstselbst mit dem Diplomaten Gustav von Bohlen und Halbach (Heino Ferch) zwangsverheiratet. Der nimmt ehrenhalber den Namen Krupp an und steigt in der Folge nicht nur mit seiner Frau, sondern auch mit den Nazis ins Bett.
Den Schlamassel darf dann sein Erstgeborener Alfried ausbaden. Er wird in Nürnberg stellvertretend für seinen schon maladen Vater ins Zuchthaus geschickt. Vorher war seine Ehe mit Anneliese Bahr (Mavie Hörbiger) gescheitert. Die geschiedene Kaufmannstochter trifft nicht den Geschmack der autoritätsfixierten Bertha. Anneliese wird aus der Villa gemobbt. Alfried, von der Mutter auf Leistung geeicht («Werde, was du bist!»), soll sich ganz auf die Firma konzentrieren. Ödipus und Psychoguru Freud sind da nicht fern.
Mit kinoleinwandgroßer Grandezza verdämmert eine Dynastie. Alfrieds dekadenter Sohn Arndt (Nikolai Kinski) ist schon nicht mehr in der Lage, das Unternehmen zu führen. Er wird ausbezahlt und darf mit marokkanischen Lustknaben ein Lotterleben als ewiger Jetsetter führen. Im Hintergrund summt Bob Dylan: The Times They Are A-Changin'. Der gute alte Manchesterkapitalismus pfeift nach dem Zweiten Weltkrieg auf dem letzten Loch. Die Zeit der Familienunternehmer geht zu Ende. Doch anders als mancher Unternehmer heute bettelt ein Krupp nicht um staatliche Geldspritzen. Alfried wandelt den Konzern in eine Stiftung um. Am Ende steht dann die «Hochzeit» mit dem Konkurrenten Thyssen.
Von all dem erfährt der Zuschauer nur am Rande. Die Familienturbulenzen sind wichtiger. Zeitgeschichte schimmert vor allem durch das Dekors, die prächtig aufgemotzte Ausstattung. Wer allerdings auf historische Lektionen aus ist, sollte besser woanders suchen. Aber: Unter der Prämisse einer spannenden Familiensaga funktioniert der Dreiteiler ausgezeichnet. Nur der Schwulst der spiegelglatt polierten Dialoge und eine befremdliche Küchenpsychologie stören bisweilen. Für den Rest des Films gilt die bittere Erkenntnis aus Tolstois Anna Karenina: «Alle glücklichen Familien gleichen einander, jede unglückliche Familie ist auf ihre eigene Weise unglücklich.»
Die Krupps - Eine deutsche Familie, Teil eins am Sonntag, 22. März, 20.15 Uhr. Teil zwei, Montag, 23. März, Teil drei, Mittwoch 25. März, jeweils 20.15 Uhr.
ruk
Was ist das für ein dummer Kommentar - ohne Angabe des Autors übrigens- klingt ein bisschen wie abgeschrieben. Reine Plattitüden. Wer nicht genauer hingucken und zuhören kann sollte nicht so schwülstig daher reden und eine Arbeit so stumpf und selbstbeweihräuchernd abhandeln. Wie gesagt - dumm - der Kommentar - hoffentlich nicht der Rezensent. Mit freundlichen Grüßen Christiane Meyer-Barlag
jetzt antwortenKommentar melden