Von news.de-Redakteur Tobias Köberlein
In einem Brief an die Mitglieder des ZDF-Fernsehrats erklärt Intendant Markus Schächter, warum er eine Entscheidung zu Chefredakteur Nikolaus Brender auf die Zeit nach der Bundestagswahl verlegt hat. Dem Sender habe eine «Schlammschlacht» gedroht.
Mit scharfen Worten ist ZDF-Intendant Markus Schächter mit den Medien und ihrer Berichterstattung über die Diskussion um ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender ins Gericht gegangen. In seinem Schreiben an die Mitglieder des Fernsehrats heißt es: «Es war mit einer Schlammschlacht zu rechnen, die auch vor der Privatsphäre von ZDF-MItarbeitern nicht haltgemacht hätte.»
Diverse Zeitungen hätten geplant gehabt, die von Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) losgetretene Debatte weiter zuzuspitzen. Um Schaden von seinem Sender abzuwenden, habe er deshalb die ursprünglich für den 27. März anstehende Entscheidung über die Wiederwahl Benders vertagt. Schächter hatte dies nach der Sitzung des Fernsehrats am Freitag überraschend mitgeteilt.
Nun soll ein externes Gutachten klären, welche Kompetenzen der Verwaltungsrat hat. Die Mitglieder des Gremiums sind unter anderem für die Wahl des Chefredakteurs zuständig. Den Vorsitz führt der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD). Sein Stellvertreter ist Roland Koch. Dieser hatte in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung heftige Kritik an Brender geübt und ihn unter anderem für sinkende Quoten bei Nachrichtensendungen wie Heute verantwortlich gemacht.
Mit einer Entscheidung zu Brender ist nun nicht mehr vor der Bundestagswahl am 27. September zu rechnen. Brenders Vertrag läuft am 31. März 2010 aus. Er hat aber eigentlich Anspruch darauf, ein Jahr vorher zu erfahren, ob dieser verlängert wird. Schächter selbst war durch die Debatte ebenfalls in die Kritik geraten. Bei einer gescheiterten Abstimmung im Verwaltungsrat «hätten Spekulationen über weitergehende Personalfragen neue Nahrung erhalten», schreibt Schächter vieldeutig.
ruk