Von den news.de-Redakteurinnen Andrea Schartner und Rieke Havertz
2100 Aussteller aus 38 Ländern, verteilt auf vier Hallen mit insgesamt 65.000 Quadratmetern. Und nur vier Tage Zeit, alles zu entdecken. Das ist die Leipziger Buchmesse. News.de hat sich auf eine Entdeckungsreise begeben.
Der Carlsen-Verlag hat Comics im Gepäck, neben den klassischen europäischen liegt der Schwerpunkt speziell bei der Buchmesse auf Mangas, dem bekannten Import aus Japan. «In Leipzig, wie überhaupt in Ostdeutschland, ist das Interesse dafür nach wie vor groß», sagt Silvia Setzke vom Vertrieb Carlsen Comics.
Eine Erklärung, warum der Hype aus Japan Deutschland neu aufteilt, hat sie aber nicht. Zudem: Während Jungs die Comics gerne lesen, beginnen bevorzugt Mädchen selbst welche zu zeichnen und beteiligen sich an Wettbewerben. «Die Zielgruppe ist breit gefächert. Das beginnt mit 8-Jährigen, aber auch 25-Jährige lesen noch Mangas», sagt Setzke.
Allgegenwärtig ist die Manga-Welt in Halle 2. Viele Besucher sind jung, viele sehen selbst aus wie Manga-Figuren. Neben Comics gibt es auch noch alles andere rund um die Helden. Videos, Schmuck, kitschige Figuren. Live auf der Messe sind Zeichner, Nachwuchstalente wie Zofia Garden und Martina Peters. Beliebter Newcomer ist die Geschichte Vampire Knight. Außerdem hat sich der Verlag auf die Neuauflage bekannter Highlights konzentriert, darunter die Abenteuergeschichten Naruto oder Dragon Ball.
Zu den Neuheiten am Carlsen-Stand zählen in diesem Jahr Graphic Novels, Geschichten, die gezeichnet sind wie Comics und eine Erzählstruktur aufweisen wie ein Roman. Bekannt ist beispielsweise Persepolis, von Marjane Satrapi. Die Erzählung lief bereits als Kinofilm und beschreibt die Lebensgeschichte der Autorin, die gleichzeitig die Geschichte des Iran ist.
Jedoch: «Auf eine bestimmte Altersgruppe sind auch Graphic Novels nicht festgeschrieben», sagt Silvia Setzke. Für Kinder empfiehlt sie die Geschichte des Franzosen Emile Bravo, Meine Mutter ist in Amerika und hat Buffalo Bill getroffen. Mittelpunkt der Erzählung ist der kleine Jean, der bei seinem Vater lebt und sich das Leben seiner unbekannten Mutter in den buntesten Farben ausmalt.
Lesen Sie auf Seite 2, wo sich die jungen und die internationalen Verlage präsentieren
Junge Verlage präsentieren sich in Halle 5, einzeln am Stand und gemeinsam auf der Leseinsel am Stand E 200. Jung nennen sie sich, weil sie tatsächlich alle nur wenige Jahre auf dem Markt mitmischen.
Entsprechend bunt liest sich auch das Programm der «Insel». Nachwuchsautoren vom Deutschen Literaturinstitut Leipzig lesen Modernes, ein Tierstimmenforscher krächzt dem Publikum Töne vor und das Lese-Musikzimmer lädt zu einer Mischung aus Pop, Poetry, Texten und Tracks ein.
«Es sind zwar junge Verlage, doch die Autoren sind nicht nur junge Leute. Zumindest bei uns sind alle Altersklassen vertreten», sagt Werner Labisch vom Verbrecher Verlag. «Verbrecher» weist gleich mehrere Neuheiten auf, darunter Und morgen? der Linken-Politikerin Kerstin Köditz, die über die extreme Rechte in Sachsen schreibt und dem Rechtsextremismus in Deutschland dadurch allgemein auf die Spur kommen will.
Internationale Spuren sind in Halle 4 allgegenwärtig. «Wir dürfen nicht das sein, was wir sind, nicht einmal das. Noch weniger dürfen wir das sein, was wir werden könnten.» Im nordischen Forum am Stand C304 steht die Literatur an weißen Wänden geschrieben, ein bisschen wie in der Kinderzimmerabteilung eines schwedischen Möbelhauses.
Sonnenscheinpferd heißt das neue Buch der isländischen Autorin Steinunn Sigurdardottir. Sonnenscheinpferd erzählt die Geschichte von Krankenschwester Lilla, die nach 25 Jahren ihre große Jugendliebe wieder trifft und auf eine Fortführung der Beziehung hofft. Während sie auf der Fahrt zu ihm ins Sommerhaus ist, verunglückt sie. Das Möbelhausidyll im Nordischen Forum ist bei dieser Geschichte schnell vergessen. Um 11 Uhr wird die Autorin zur Lesung kommen, um aus Lillas Leben zu erzählen.
Wenn es ähnlich gut läuft wie in den letzten Jahren, wird das nordische Forum dann wieder voll sein. Der Eröffnungstag verlief viel versprechend. Eng an eng standen die Besucher vor den Bücherwänden. «Wir haben uns in diesem Jahr sogar noch vergrößert», sagt Grit Thunemann von der schwedischen Botschaft. Die Vertretungen der vier Länder Schweden, Norwegen, Finnland und Island organisieren den Stand bereits im vierten Jahr zusammen. In Zeiten knapper Finanzen nicht vertreten zu sein stand für Thunemann nicht zur Debatte. «Auch, wenn wir natürlich jeden Cent dreimal umdrehen.»
Auf der Messe ist das Geld jedoch gut angelegt, weiß Thunemann. Denn die skandinavischen Autoren werden in Deutschland immer populärer. Mehr Bücher denn je würden übersetzt, so Thunemann. Auch, weil momentan die Krimiautoren wie Henning Mankell und Arnaldur Indridason noch die besten Karten beim Werben um die Gunst des Lesers haben. «Die Krimis ziehen natürlich», sagt Thunemann.
Deren Erfolg sei ein Vorteil für andere skandinavische Autoren, glaubt die Vertreterin der Botschaft. «In den nordischen Krimis werden die gesellschaftlichen Verhältnisse oft sehr genau dargestellt.» Darüber würde beim Leser das Interesse für die Länder und damit auch für andere Genres geweckt werden. Ein Plan, der zumindest beim leseinteressierten Messepublikum aufzugehen scheint.
Interesse wecken muss der amerikanische Buchmarkt nicht mehr. Am Stand des Generalkonsulats stehen die Besucher in Dreierreihen. Was vielleicht auch an James W. Seward liegt, Leiter der Presse- und Kulturabteilung. Durch und durch Amerikaner, spricht er die Vorübergehenden an, verbreitet gute Laune und ist für ein Gespräch über die politische Kultur seines Landes immer zu haben. Seit 2004 vertritt das Konsulat die amerikanischen Verleger auf der Messe. Die Buchauswahl in diesem Jahr ist sehr politisch. «Bei den vielen politischen Jahrestagen 2009 haben wir darauf einen Fokus gelegt», so Seward.
Der Star am Stand hat jedoch noch kein Jubiläum hinter sich: Barack Obama. Diverse Abhandlungen beschäftigen sich mit dem neuen US-Präsidenten. Ist die Sympathie für Obama auch am Messestand spürbar? «Wir haben eine lange Periode hinter uns, in der die Menschen der Politik der USA kritisch gegenüber standen; jetzt interessieren sich die Leute für die politischen Inhalte», glaubt Seward und winkt schon die nächste Gruppe näher, um über Politik, Obama und T.C. Boyle zu sprechen. Das Ambiente stimmt an den Ständen der internationalen Verlage.
jan/ruk
Mangas, mankell, Obama - interessante Mischung
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