Die Krise weglesen
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Finanzkrise überall. Nur die Buchbranche lässt sich die gute Stimmung bisher noch nicht vermiesen. Im Gegenteil: 2008 stieg der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um ein Prozent. Auch für dieses Jahr zeigt man sich optimistisch.
Lesen bleibt auch in schwierigen Zeiten «in»: Ungeachtet der Wirtschaftskrise ist die Buchbranche in Deutschland in guter Stimmung. In den ersten beiden Monaten dieses Jahres lag das Umsatzwachstum sogar bei 1,7 Prozent, wie der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Gottfried Honnefelder, vor der Eröffnung der Buchmesse in Leipzig berichtete. «Vielleicht greifen die Leute jetzt in der Finanzkrise eher zum Buch, um die Welt zu verstehen.»
Die Messe samt Literaturfest «Leipzig liest» mit 1500 Autoren ist mit einem Festakt im Gewandhaus eröffnet worden. Der Historiker Karl Schlögel (61) wurde mit dem mit 15.000 Euro dotierten Leipziger Buchpreises zur Europäischen Verständigung ausgezeichnet. Er wurde für sein aktuelles Buch Terror und Traum. Moskau 1937 und sein Lebenswerk gewürdigt. «Sein fulminantes Buch hat es der Jury sehr leicht gemacht, die Jury-Sitzung war noch nie so kurz», sagte Leipzigs Kulturbürgermeister Georg Girardet (FDP) vor der Preisverleihung. Laudator Jens Reich sagte laut Mitteilung: «Wenn ich Schlögel lese, dann bedrängt mich Mitgefühl mit dem Lebensschicksal von Menschen, das auch mein eigenes hätte werden können, wäre ich nur an anderen Orten in andere Umstände geraten.»
Auf der Leipziger Buchmesse, die im Gegensatz zur Bücherschau in Frankfurt/Main ihren Fokus auch auf die Leser richtet, werden bis zum Sonntag um die 100.000 Messebesucher erwartet. Mehr als 2000 Aussteller aus 38 Ländern sind zu Gast. Trotz Absagen von Brockhaus und einiger Kleinverlage zeigte sich Leipzigs Messechef Wolfgang Marzin nach Jahren des Ausstellerwachstums sicher: «Die Buchmesse ist so facettenreich und interessant wie nie.»
Laut Branchenmonitor Buch des Börsenvereins gab es im vergangenen Jahr kräftige Zuwächse bei der Belletristik (7,7 Prozent) und bei Sachbüchern (6,7). Fast ein Drittel der Buchhändler geht laut einer Umfrage von einer guten bis sehr guten Umsatzentwicklung in diesem Jahr aus. Zwei Drittel rechnen mit durchschnittlichen Umsätzen. «Die Finanzkrise wird den Wettbewerb unter den Verlagen und Buchhandlungen weiter ankurbeln», sagte Honnefelder.
Hauptberufliche Schriftsteller und Hobbyautoren sind vier Tage und Nächte lang in den Messehallen und an 300 Orten in der Stadt zu Gast. Technischer Star der Schau wird voraussichtlich das E-Book. Es gibt 20 Veranstaltungen, die sich mit dieser heiß diskutierten Neuerung befassen. «Es wird viel über E-Bücher geredet, man kann sie auch sehen. Aber überwiegend sehen Sie gedruckte Bücher», sagte Oliver Zille, Direktor der Buchmesse.
voc/ruk
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