Von news.de-Redakteurin Anja Guhlan
Ob im Supermarkt oder auf der Parkbank - nicht mehr benötigte Bücher können in der Öffentlichkeit liegen gelassen werden. Andere jagen danach und lassen die Bücher erneut frei. Dieser Trend nennt sich Bookcrossing und ist angesagter denn je.
«Regalhaltung von Taschenbüchern ist Literaturquälerei», lautet der Slogan der BookcrossingIst eine englische Wortneuschöpfung und bedeutet frei ins Deutsche übersetzt "Bücher kreuzen sich". Das Wort geht auf eine Initiative des Internetbuchclubs bookcrossing.com zurück und ist ein Phänomen der individuellen kostenlosen Verteilung von Büchern. -Aktion, die Ron Hornbaker bereits im März 2001 ins Leben gerufen hat. Die Idee ist einfach, aber bestechend: Mittlerweile lassen 750.000 Bücherliebhaber in 130 Ländern ihre Bücher in die Wildnis frei. 50.500 Leseratten sind es allein in Deutschland. Das schafft erstens Platz im Bücherregal und außerdem teilen diese Leute ihre Leidenschaft für Bücher mit der ganzen Welt. Denn sobald ein Buch ausgewildert wurde, kann der bisherige Buchbesitzer die Daten des Buches auf der Community-Seite bookcrossing.com kostenlos registrieren. Das registrierte Buch erhält dann automatisch eine Bookcrossing-Identifikationsnummer (BCID). Mit dieser Nummer kann die Reise des Buches über die Internetseite verfolgt werden. Über fünf Millionen Bücher wurden so bereits registriert.
Wer ein solches Buch findet, darf es mit nach Hause nehmen. In jedem gefundenen Buch steht dann die BCID, die der Vorgänger sichtbar auf dem Buch vermerkt hat. Diese Nummer gibt man auf der Bookcrossing-Seite ein, so dass der frühere Besitzer weiß, wer sein Buch jetzt liest. Einzige Bedingung: Später, wenn es gelesen ist, muss das Buch auch wieder freigelassen werden. Entweder der Bücherwurm gibt es an andere Leser weiter oder deponiert es an öffentlichen Plätzen. Bookcrosser bewegen sich also nicht nur im Internet, sondern verwandeln öffentliche Plätze in eine Bibliothek.
Die Mitglieder können dabei nicht nur Bücher aussetzen, sondern auch nach freigelassenen Büchern jagen. Unter der Rubrik «Go Hunting» (Jagen gehen) können interessierte Jäger schauen, wo in ihrem Land, ihrem Bundesland oder ihrer Stadt gerade ein Buch freigelassen wurde und es sich holen, um es nach dem Lesen erneut freizugeben. Manche Bücher haben auf diese Weise schon zehn Mal oder öfter den Leser gewechselt, manche reisen auch weltweit von Land zu Land.
Den Büchertempel von Bookcrossing kann man unter dem Button «Books» (Bücher) finden. Hier entdeckt man nicht nur die über fünf Millionen Bücher, wie zum Beispiel den deutschen Klassiker Der Zauberberg von Thomas Mann oder 1984, das Werk von Georg Orwell. Hier kann man auch Rezensionen von Mitgliedern lesen, selbst eine Buchkritik verfassen oder eine andere Notiz zu einem Buch machen.
Die Reaktionen über diese Bücherbewegung sind durchweg positiv. Der Bookcrossing-Fan Ilonka Liska schreibt im Internet über das Portal: «Bookcrossing ist die moderne Version der altbewährten Flaschenpost. Es verbindet Menschen und kann am Ende sogar süchtig machen.» User bewerten auch die Bedienbarkeit der Seite als gut. Die Navigation ist übersichtlich. Auf Schnickschnack wie Animationen wurde verzichtet.
Das einzige Manko: Der User muss der englischen Sprache mächtig sein, um sich zurechtzufinden. Doch für die Nutzer aus Deutschland wurde bereits teilweise für Abhilfe gesorgt. Denn der deutsche Bookcrosser Rudi Ferrari hat einen deutschsprachigen Ableger geschaffen, bei dem zumindest die wichtigsten Informationen angezeigt werden. Auch im deutschsprachigen Bookcrossing-Forum beantworten sich User gegenseitig Fragen. Bücher jagen und freilassen kann der Nutzer aber weiterhin nur auf der Originalseite bookcrossing.com.
ruk
Tipp: Fuer den "deutschsprachigen Ableger" gibt es aber eine Internetadresse, die sich einfacher merken laestt: www.bookcrossers.de
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