Von news.de-Redakteur Tobias Köberlein
Zwischen Dieter Hildebrandt und Mathias Richling gibt es Streit um die Verwendung des Titels «Scheibenwischer». Hildebrandt hat den Gebrauch des Namens für die ARD-Sendung untersagt. Aus dem «Scheibenwischer» wird deshalb der «Satire Gipfel».
«Richling macht eine andere Sendung, also soll er sie auch anders nennen», sagte Hildebrandt der Münchner Abendzeitung. Der 81-Jährige hatte sich die Namensrechte bereits beim Start der Kabarettsendung im Jahr 1980 sichern lassen. Per Anwaltsschreiben teilte Hildebrandt den verantwortlichen Sendern BR und RBB mit, dass er die weitere Verwendung des Namens untersage. Hildebrandt hatte sich 2003 aus der von ihm ins Leben gerufenen Satiresendung zurückgezogen.
In den letzten Jahren gab es immer wieder Streit zwischen den Machern des Scheibenwischer. 2006 verließ Georg Schramm die Sendung, weil er sich mit seinen Kollegen Mathias Richling und Bruno Jonas bei der Gestaltung des Konzepts überworfen hatte. Schramms Nachfolger Richard Rogler schied nach zwei Jahren wieder aus. Auch Bruno Jonas hat sich mittlerweile verabschiedet. Seit Anfang 2009 ist Mathias Richling allein für die Sendung verantwortlich.
Der neue Titel Satire Gipfel ist ein Schnellschuss, auf den sich RBB und BR geeinigt haben. Die erste Show wird am 19. März live aus Berlin über die Bühne gehen. Im Unterschied zum ursprünglichen Konzept will Richling auch Comedians in die Sendung integrieren - eine Idee, die von Dieter Hildebrandt grundsätzlich abgelehnt wird. In die Sendung am 19. März sind Frank Lüdecke, Matthias Seling, Philipp Weber und Ingolf Lück eingeladen. Mathias Richling sitzt dann als Anchorman in einer zum Newsroom umgebauten Bühne und nimmt aktuelle politische Entwicklungen aufs Korn.
Ein Sprecher des RBB betonte, dass Hildebrandts gesellschaftskritischer Impetus auch unter der Ägide Richlings gewahrt bleibe. Richling wolle kein neues Konzept und auch «keine Blödel-Show», betonte der Sprecher. «Das Erbe Dieter Hildebrandts lebt weiter, in einem neuen Gewand.» Ein Sprecher des Bayerischen Rundfunks sagte, dass der Sender den Wunsch Hildebrandts nach einer Titeländerung akzeptiere, «schon alleine aus Respekt vor diesem großen Mann».
Der mit dem Namen Dieter Hildebrandt eng verbundene Scheibenwischer galt als die traditionsreichste und wichtigste Kabarettsendung im deutschen Fernsehen. Aufgrund seiner kritischen politischen Ausrichtung ergaben sich immer wieder Kontroversen mit dem als konservativ geltenden Bayerischen Rundfunk. 1986 blendete sich der BR sogar aus einer Scheibenwischer-Folge aus. Der damalige Fernsehdirektor Helmut Oeller hatte Anstoß an einem satirischen Stück zur Reaktor-Katastrophe von Tschernobyl genommen und auf eine Absetzung der entsprechenden Folge gedrungen. Als die anderen ARD-Sender die Gefolgschaft verweigerten, handelte der BR im Alleingang und blendete sich während des laufenden Programms aus.
mat
Zum Glück gibt es noch die "Anstalt", der "Scheibenwischer" ist schon seit dem Abgang Stramms nur noch ein Schatten seiner selbst. Insofern ist eine Namensänderung durchaus konsequent. Allein der neu gewählte Namen spricht Bände über die geistige Verfassung der Macher dieser seichten Klamauksendung.
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