Manuel Andrack im Gespräch «Poldi schießt 40 Tore für den FC»

Manuel Andracks neues Buch «Von wem habe ich das bloß» beschäftigt sich mit der Ahnenforschung und seiner eigenen Familie. Mit news.de spricht er über das Schreiben, Lukas Podolski, Nazis und Harald Schmidt. Ein größtenteils ernstes Interview.

Manuel Andrack (Foto)
Der verschmitzte Blick scheint zu sagen: Nicht immer meint Manuel Andrack alles bierernst, was er von sich gibt. Bild: news.de

news.de: Herr Andrack, nach zwei Wanderbüchern und einem über den FC Köln haben Sie zuletzt einen Punk-Roman herausgegeben. Und nun die Ahnenforschung. Es scheint, als wollten Sie Kritikern, die Sie als Spießer sehen, wieder Munition in die Hand geben.

Andrack: Mich interessiert gar nicht, ob mich jemand als Spießer sieht. Ich finde schon den Begriff Spießer spießig. Ich denke eher in Kategorien wie interessant oder uninteressant. Und so sind auch meine Bücher einfach ein Spiegel meiner Interessen.

news.de: Immerhin bezeichnen Sie sich selbst durchaus noch als Punk. Wieviel ist davon heute noch übrig?

Andrack: Ich würde nie behaupten, dass ich heute noch Punk bin. Ich sah auch nie aus wie einer, jedenfalls nicht mit Sicherheitsnadeln und solchem Quatsch. Wenn man sich die Ramones anschaut, kann man sich ungefähr vorstellen, wie ich aussah. Ich fand die Musik gut und das ist auch heute noch so.

news.de: Sie haben sich für Ihr Buch Von wem habe ich das bloß auf die Spuren Ihrer Familie begeben. Hat sich Manuel Andrack durch diese Beschäftigung mit seinen Ahnen verändert?

Andrack: Eigentlich überhaupt nicht. Ich habe viel erfahren und bin reicher an Erfahrungen geworden. Aber ich glaube nicht, dass so etwas Menschen verändert. Und ich bin reicher an Verwandtschaft geworden, die hat sich schlank verdoppelt. Ich habe zwar noch nicht alle Andracks untereinander verknüpfen können, aber gerade die Andracks im Osten haben mich richtig in die Familie aufgenommen. Das fand ich sehr nett.

news.de: Ihr Fazit aus der Ahnenforschung im Buch lautet: «Man weiß etwas besser, woher man kommt, und hinterlässt etwas, bevor man geht.» Was würden Sie außer Ihren Büchern gerne hinterlassen, bevor Sie gehen?

Andrack: Dafür ist es vielleicht noch etwas früh. Dass ich die Bücher hinterlasse, finde ich schon mal schön. Das ist etwas Handfesteres als die Fernsehsendungen, die sind sehr flüchtig. Obwohl so etwas durch Youtube ja auch weiterlebt, da hat sich ja ein kollektives Bildgedächtnis entwickelt. Aber etwas hinterlassen? Man versucht eben, so gut wie möglich, das Leben hinter sich zu bringen.

news.de: Ihr Buch ist ganz klar praktisch ausgelegt, als Ratgeber mit vielen Tipps. Hätte eine reine Familienchronik das Buch in Ihren Augen nicht getragen?

Andrack: Das war von Anfang an so angelegt. Wenn so ein Buch nur den erweiterten Familienkreis interessiert, ist das ja auch nichts. Wie bei meinen anderen Büchern sollte man mich begleiten können auf der Suche. Denn auch ich habe erst während der Recherche gelernt, wie viele Möglichkeiten der Ahnenforschung es gibt, von der Namensforschung über die Genforschung bis hin zur psychologischen Familienaufstellung. Es war klar, dass das Buch einen Mehrwert für die Leser haben sollte.

news.de: Ein Kapitel Ihres Buches widmen Sie Aufzeichnungen Ihrer Familie aus der Zeit des Dritten Reiches. Sie kommentieren dieser aber nicht, zumindest nicht auf einer politischen Ebene. Warum nicht?

Andrack: Muss ich noch dazu sagen, dass Nazis böse sind? Es gibt da den Kempowski-Style, aus Zitaten und anderen Schnipseln Collagen zu basteln. Da braucht es dazwischen keinen Zeigefinger oder Kommentar. Das Buch ist ja kein geschichtliches Grundlagenwerk.

news.de: Bei Ihren Wanderbüchern scheint die Reihenfolge klar: Erst die Bücher, dann der Trend. Wir ist das im Fall der Ahnenforschung? Gab es diesen Trend schon, bevor Sie Ihr Buch begonnen haben oder kommt der erst jetzt?

Andrack: Das mit dem Trend ist ja so eine Sache. Ob das beim Wandern wirklich so war, bezweifle ich. Und auch, ob das Buch jetzt einen Trend auslöst. Auch über das Neue Wandern gab es ja bereits Literatur, dass das dann so kam, war wohl eher Zufall.

Lesen Sie auf Seite 2, was Manuel Andrack über eine Rückkehr zu Harald Schmidt denkt und ob seine Lukas-Podolski-Prognose ernst gemeint ist

news.de: Die Themen Ihrer Bücher würden die meisten Menschen wohl in die Kategorie «Hobbys» einsortieren. Wundern Sie sich manchmal nicht, dass man damit Geld verdienen kann?

Andrack: Das darf man sich nie fragen. Die Leser haben ja einen Mehrwert durch das, was ich schreibe. Und auch beim Fernsehen war es schon so, dass wir uns immer gefragt haben, was uns interessiert, was uns gefällt, und nicht, was Erfolg haben könnte.

news.de: Sie wohnen seit einiger Zeit in Saarbrücken. Nun spielt Lukas Podolski allerdings ab Sommer wohl wieder für den FC Köln, Ihren Lieblingsverein. Kehren Sie mit ihm zurück?

Andrack: Nein, ich fühle mich wohl im Saarland, ich bin dort wegen der Liebe hingezogen und werde auch erst einmal bleiben. Außerdem gibt es eine gute Verkehrsanbindung. Mit so einem Umzug kriegt man ja keine neue Mutter, und man kriegt eben auch keinen neuen Verein. Vielleicht sehe ich pro Saison nicht mehr zwölf, sondern nur noch acht Spiele. Aber ich habe in Saarbrücken bereits einen Fanclub gegründet, mit dem wir zum Beispiel zum Spiel des FC nach Hoffenheim fahren.

news.de: Wagen Sie eine Prognose für die kommende Saison unter der Voraussetzung, dass der Verein die Liga hält und Poldi also kommt?

Andrack: Poldi schießt 40 Tore für den FC pro Saison und es wird der Himmel auf Erden für Köln. Nein, ich fange jetzt nicht mit ernsthaften Prognosen an.

news.de: Sie können sich vorstellen, dass wir mit Ihnen gerne auch über Harald Schmidt reden würden?

Andrack: Das kommt drauf an, über was.

news.de: Oliver Pocher steigt ja nun aus. Ihre Chance auf eine Rückkehr zur ARD? Schließlich will der Sender Harald Schmit im Superwahljahr «auf einem Level sehen, das sonst im deutschen Fernsehen niemand liefert». Würde er Sie dafür nicht brauchen?

Andrack: Diese Frage müssen Sie der ARD stellen. Aber das ist alles Kaffeesatzleserei. Ich glaube, da ist kein Platz für einen zweiten Mann, ob der nun Andrack heißt oder Pocher.

news.de: Keine Sehnsucht nach dem Fernsehen?

Andrack: Derzeit läuft im Saarländischen Rundfunk die Serie Ich werde Saarländer, eine Dailysoap, die zeigt, wie ich versuche, die Sprache zu lernen, mich zurechtzufinden. Das ist schon mal konkret, da wird es zwölf Folgen von geben. Und es gibt andere angedachte Sachen. Da fühle ich mich ganz wohl mit.

news.de: Wie erfolgreich sind Sie denn darin, ein Saarländer zu werden, wie geht es Ihnen dort?

Andrack: Ausgezeichnet. Der Saarländer ist dem Kölner sehr ähnlich. Historisch ist das Saarland ja auch Rheinland, immerhin war es 100 Jahre lang Rheinprovinz. Und der Pfälzer, der den Saarländer nicht leiden kann, sagt über ihn, er bleibe nicht lange allein an der Theke. Das Saarland ist das Bundesland mit dem höchsten Bierausstoß pro Einwohner. Und es ist ein handliches Bundesland. Köln hat eine Million Einwohner, das Saarland auch. Und so kenne ich inzwischen fast jeden.

Autor: Manuel Andrack
Titel: Von wem habe ich das bloß
Verlag: KiWi Paperback
Seitenzahl: 181
Preis: 8,95 Euro
Erscheinungsdatum: 25. August 2008

ruk

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