Von news.de-Redakteur Frank Meinzenbach
Hollywood-Haudegen Clint Eastwood noch einmal vor und hinter der Kamera: Im Sozialdrama Gran Torino gibt der Oldtimer richtig Gas und entdeckt dabei sogar den Humor. Niemand spielt einen zynischen alten Mann so gut wie er – grandios!
Einsam verlebt Witwer Walter Kowalski (Clint Eastwood) seine eintönigen Tage. Er ist der verbitterte weiße Mann, der die Welt um sich herum nicht mehr versteht, nicht mehr verstehen will. Seine Nachbarschaft ist nicht das Amerika, das er verdammt nochmal im Korea-Krieg verteidigt hat. Für das er harte Schichten am Fließband geschoben und, wie soll es anders sein, Autos montiert hat.
Freundliche Gefühle teilt der Zyniker, wenn überhaupt, nur seinem Hund mit. Ansonsten überzieht Walter sein Umfeld mit ätzendem Spott, vor allem die südostasiatischen Familien, die in seine Straße gezogen sind, fallen ihm auf die Nerven. «Verdammte Barbaren» ist noch das Netteste, was ihm bei ihrem Anblick einfällt.
Doch alles ändert sich, als der Nachbarjunge Thao (Bee Vang) versucht, Walters Baby zu stehlen – seinen liebevoll gepflegten Oldtimer, einen 1972er Ford Gran Torino. Eine Geschichte über Freundschaft, Toleranz, aber auch sozialer Not und Gewalt entspinnt sich.
Gran Torino zeichnet mit viel zynischem Humor ein Amerika am Abgrund, in dem der «American Dream» zu Ende geträumt ist. In dem die Dinge, die Amerika stark gemacht haben, keine Gültigkeit mehr haben. Einwanderer werden nicht mehr integriert, der ehrliche Arbeiter landet am Rande der Gesellschaft. Und mittendrin ein spuckender und fluchender Clint Eastwood – samt Knarren, Bierdosen und einer kaputten Hüfte.
Nacherzählt klingt die Handlung etwas kitschig, aber Gran Torino ist noch besser als Eastwoods größter Erfolg Million Dollar Baby. Das liegt an den geistreichen Dialogen, dem grandiosen Timing und an seiner schauspielerischen Leistung. Eastwoods schroffer und minimalistischer Stil ist eine Augenweide.
Denn die Figur Walter Kowalski ist vor allem eine Hommage an eine der berühmtesten Eastwood-Rollen: den knallharten Cop Dirty Harry. Nur dass er eben ein Fabrikarbeiter im Ruhestand ist, der nicht mehr in das Amerika des 21. Jahrhunderts passt.
Eine Persiflage auf seine Filmvergangenheit ist Eastwood schon einmal gelungen: Im Western-Meisterwerk Erbarmungslos zieht er nicht nur gegen einen Frauenschänder, sonder auch seine eigene Hollywood-Legende als Revolverheld in den Kampf. Wer diesen Film gemocht hat, wird auch Gran Torino lieben.
Gran Torino
Regie: Clint Eastwood
Darsteller: Clint Eastwood, Bee Vang, Ahney Her, Christopher Carley
Spieldauer: 116 Minuten
FSK: ab 12
Starttermin: 5.3.2009