Von news.de-Mitarbeiter Konrad Rüdiger
Mit einem überlegten Auftritt in der Berliner Columbiahalle haben die Kings of Leon ihre Größe nachgewiesen. Die US-Rocker mussten dafür eine zweigespaltene Fangemeinde zufrieden stellen. News.de hat live beim Start der Mini-Deutschlandtour mitgerockt.
Gottesdienste kosten Kirchensteuer, ein Konzertbesuch bei den Kings
of Leon gut den zweifachen Preis des Albums. Das Livekonzert wird in Zeiten übervoller Festplatten zur Messe - im Fall der US-Rocker und ihrem Gründungsmythos als Zöglinge eines Wanderpriesters eher noch mehr als weniger.
Auf ihrer derzeitigen Tour reisen die drei Followill-Brüder Caleb, Jared, Nathan und ihr Cousin Matthew dabei ihrem Erfolg sprichwörtlich hinterher. So bekam Deutschland folgerichtig nur zwei Konzerte ab, und das in vergleichsweise übersichtlichen Spielstätten. In Großbritannien bespielen sie jede gesichtslose Multifunktionsarena gleich mehrfach. Und bei ihrem neuesten Inselbesuch haben sie zwei Brit Awards davongetragen. Zwei Preise, die auch als statuiertes Exempel des Fremdelns mit dem eigenen Land gelten können.
Die Diskografie der Könige Leons ist derweil hälftig geteilt, ebenso wie die Fangemeinde. Zwei rohen Alben folgten zwei Breitwand-Werke, Because of the Times und Only By the Night - das erste wichtiger, das andere erfolgreicher. Und jung sind sie. Bassist Jared ist mit 22 Jahren der Jüngste und Schlagzeuger Nathan mit 29 Jahren der Senior.
Angesichts dieser Juvenilität schien es fast so, als ob die Basstrommel direkt aus dem Proberaum auf die Bühne der Columbiahalle geschoben worden sei. Jedenfalls sollte sie so etwas mehr nach Handarbeit und Rock aussehen, mit dem etwas ungelenken KOL-Aufkleber aus Gaffa-Tape.
Doch zu Beginn machte erst einmal Jungspund Jared beim krachenden Crawl mit seinem Bass Furore, dies unter gütiger Mithilfe des Soundtechnikers, der nicht immer auf der Höhe schien. Leadsänger Caleb Followill entschuldigte sich derweil für seine «angeschossene» Stimme, die er aber unerbittlich immer wieder in die für ihn typischen ungesunden Regionen trieb. Der Soundverantwortliche hatte aber ein Einsehen und versteckte die Heiserkeit hinter den reichlich vorhandenen Gitarren und Bässen.
Die Stimme war so gut verborgen, dass sogar die unvermeidliche Radio-Hymne Sex On Fire etwas unterging. Aber fortan war die Stimmung in der pickepackevollen Columbiahalle nicht nur freundlich, sondern euphorisch. Das in fünf Jahren zum Klassiker gereifte The Bucket wurde angehängt und dadurch etwas beschädigt. Ein zweites Mal geriet das britisch geprägte Publikum bei Use Somebody in Extase, Caleb Followill hatte seine Stimme da auch wieder notdürftig beisammen.
Die fest eingeplante Zugabenpause dauerte genau ein kleines Sturzbier. Die grüne Flasche warf Schlagzeuger Nathan in hohem Bogen in die Kulissen. Mit dem langsam krachenden Siebenminüter Knocked Up wurde die Verlängerung angegangen, und mit einem fulminanten Charmer entließen die Kings of Leon ihre Jünger in die nasskalte Berliner Nacht. Mit leuchtenden Augen und heiserer Begeisterung.
tko