Von news.de-Redakteur Christian Vock
Bald wissen wir, wer in diesem Jahr den Oscar als bester Hauptdarsteller erhält. Während es bei den Damen eine eindeutige Favoritin gibt, läuft es bei den Herren wohl auf einen Zweikampf zweier Hollywood-Haudegen heraus.
Reden wir zunächst übers Geld. Der Gewinn eines Oscars bedeutet auch und gerade finanziell eine enorme Steigerung des eigenen Marktwertes. Holt man eine der begehrten Trophäen, hat man, sofern das nicht ohnehin schon der Fall ist, ausgesorgt. Die Gage, die man nach einem Oscargewinn verlangen kann, reicht dicke, um den Rest seines Lebens die Füße hochlegen zu können. Na gut, die Finanzkrise hat Hollywood noch nicht voll erreicht und es ist fraglich, ob in Zukunft weiterhin solch gigantische Summen gezahlt werden können. Ein Oscargewinn wird aber auch weiterhin ein dickes Plus in der Lohntüte bedeuten.
Kommen wir aber nun zum emotionalen Teil. Natürlich ist die Oscarverleihung eine gewaltige Show. Die Tränen, die vergossen werden, wenn der eigene Name durch den Saal gerufen wird, diese Tränen sind aber echt. Der Oscargewinn ist und bleibt das Größte, was ein Schauspieler an Auszeichnungen bekommen kann. Selbstverständlich freut man sich als Schauspieler auch, wenn der eigene Film an den Kinokassen, also beim Publikum gut ankommt. Ein Oscar, gerade für die beste Hauptrolle, ist aber noch einmal etwas ganz Besonderes. Zum einen, weil es eine ganz persönliche Auszeichnung für die individuelle Leistung ist, zum anderen, weil er von Filmschaffenden verliehen wird. Eine große Verneigung der Kollegen vor dem eigenen Können.
Bleiben wir bei den großen Emotionen, gelangen wir auch gleich zu den Favoriten für die beste Hauptrolle. Bei den Männern haben es vor allem zwei Hollywoodveteranen geschafft, die großen Gefühle auf die Leinwand zu bringen. Einer ist Mickey Rourke. In The Wrestler erzählt Rourke die Geschichte eines ehemaligen Publikumstars der Wrestlingszene, dessen große Zeit lange vorbei ist. Inzwischen verdient er sich seinen kargen Lohn in Turnhallen in der Provinz. Was den Film so intensiv macht, ist zum einen die wohl beste schauspielerische Leistung, die Rourke jemals abgeliefert hat, und zum anderen die ganz eindeutigen Parallelen zu Rourkes eigenem Leben.
Der zweite Favorit ist Sean Penn. In Milk, dem biografischen Drama um den schwulen Bürgerrechtler und Politiker Harvey Milk, zeigt Penn, was ein Schauspieler zu leisten im Stande ist. Kannte man Penn bisher eher als harten Macho-Typ, ist er in Milk kaum wiederzuerkennen. Alles Harte ist verschwunden, übrig bleibt ein weicher, sanfter, aber umso entschlossener Penn als Mann, der bis zum Tod für seine Ideale einsteht. Was Penn da vollbracht hat, ist nicht nur meisterlich, sondern auf jeden Fall einen Oscar wert.
Auch wenn mit Richard Jenkins (The Visitor), Frank Langella (Frost/Nixon) und Brad Pitt (Der seltsame Fall des Benjamin Button) drei nicht minder begabte Schauspieler ins Rennen gehen, wird es wohl auf einen Zweikampf zwischen Sean Penn und Mickey Rourke hinauslaufen.
Bei den Damen ist die Favoritinnenrolle schon eindeutiger verteilt. Man muss kein Prophet sein, um zu sehen, dass Kate Winslet in diesem Jahr wohl die Nase vorn haben wird. In Der Vorleser, der Verfilmung des Bestsellers von Bernhard Schlink, spielt Winslet eine ehemalige KZ-Aufseherin, die eine Liebesaffäre mit einem 20 Jahre jüngeren Teenager beginnt. Dank der beeindruckenden Leistung, für die Winslet breits mit dem Golden Globe geehrt wurde, wird sie wohl auch bei den Oscars ihre Konkurrentinnen Meryl Streep (Glaubensfrage), Anne Hathaway (Rachels Hochzeit), Angelina Jolie (Der fremde Sohn) und Melissa Leo (Frozen River) hinter sich lassen.
Die Favoritenrollen sind also verteilt, in der Vergangenheit war die Academy aber auch immer wieder für eine Überraschung gut. Seien wir also gespannt. Bald wissen wir’s.