Von news.de-Redakteurin Claudia Arthen
Welche Schauspieler haben in der Oscar-Geschichte die meisten Trophäen erhalten? Wie heißt der erfolgreichste Film? Und wer wurde für seine Arbeit hinter den Kulissen ausgezeichnet? News.de gibt Antworten auf diese Fragen.
Allein für ihre Rekordleistung in Hollywood hätte Meryl Streep eine weitere Trophäe verdient: Mit 15 Oscar-Nominierungen – zwölf als beste Hauptdarstellerin und drei als beste Nebendarstellerin - hat die 59 Jahre alte Schauspielerin alle Leinwandkollegen weit hinter sich gelassen. Katharine Hepburn und Jack Nicholson waren nur je zwölf Mal in das Rennen um den Goldjungen gezogen, je zehn Mal dabei waren Bette Davis und Laurence Olivier.
Allerdings konnte Streep den Oscar bisher nur zwei Mal gewinnen, und das ist Jahrzehnte her: 1983 nahm die vielseitige Aktrice den Preis als beste Hauptdarstellerin für das Holocaust-Drama Sophies Entscheidung entgegen, drei Jahre zuvor triumphierte sie als beste Nebendarstellerin für ihre Rolle der Mutter in dem Scheidungsdrama Kramer gegen Kramer. Nun kann sie sich erneut Hoffnung auf eine Trophäe machen: Streep schaffte es in diesem Jahr als hartherzige, intrigante Nonne Aloysius in dem Gesellschaftsdrama Glaubensfrage ins Oscar-Finale. Die Altmeisterin spielt die Schwester zwar herausragend, aber für einen zusätzlichen Oscar hätte es schon eine Jahrhundertrolle sein müssen. Insofern muss Streep wohl einer ihrer jüngeren Kolleginnen – Anne Hathaway (Rachels Hochzeit), Angelina Jolie (Der fremde Sohn), Melissa Leo (Frozen River) oder Kate Winslet (Der Vorleser) – den Vortritt lassen.
Sollte Streep dennoch triumphieren, hätte sie bei den Damen ebenso viele Oscars wie Ingrid Bergmann (1915-1982). Die schwedische Schauspielerin gewann 1945 mit Das Haus der Lady Alquist, 1957 mit Anastasia und 1975 als beste Nebendarstellerin in Mord im Orient-Express.
Amtierende Oscar-Rekordhalterin ist aber Katharine Hepburn (1907-2003), die mit vier Trophäen auch die am häufigsten honorierte Hauptdarstellerin ist. Den begehrten Preis gewann sie 1933 für den Film Morgenrot des Ruhms, 1967 für Rate mal, wer zum Essen kommt, 1968 für Der Löwe im Winter und 1981 für Am goldenen See. Zwischen der ersten Oscar-Nominierung und der letzten Oscar-Nominierung von Hepburn liegen 48 Jahre - da sie in beiden Jahren auch gewonnen hat, hält sie auch hier den Oscar-Rekord. Bei den Herren hält Peter O'Toole den größten Abstand zwischen erster und letzter Oscar-Nominierung (1962 und 2006), während zwischen Jack Nicholsons erstem und bislang letztem Oscar 22 Jahre liegen.
Apropos Nicholson: Gemeinsam mit Walter Brennan teilt er sich bei den Herren den Oscar-Rekord, wobei Nicholson zwei Mal als bester Hauptdarsteller (1976 für Einer flog über das Kuckucksnest und 1998 für Besser geht’s nicht) und ein Mal als bester Nebendarsteller (1984 für Zeit der Zärtlichkeit) gewann, während sein 1974 verstorbener Kollege Brennan drei Mal für die beste Nebenrolle ausgezeichnet wurde: 1936 für Nimm, was du kriegen kannst, 1938 für Kentucky und 1940 für Der Westerner. Drei Oscars für eine Nebenrolle - auch das ist ein Rekord.
Den Rekord bei den Verlierern hält Peter O’Toole, gefolgt von Richard Burton (1925-1984). O’Toole wurde acht Mal (unter anderem als Lawrence von Arabien), Burton sieben Mal (zum Beispiel für Wer hat Angst vor Virginia Woolf) für den Oscar vorgeschlagen, ohne ihn je erhalten zu haben. Der Ire O’Toole bekam 2003 wenigstens den Ehren-Oscar für sein Lebenswerk – ein schwacher Trost.
Bei den Damen halten Deborah Kerr (1921-2007) und Thelma Ritter (1905-1969) den Negativrekord mit sechs Nominierungen – und jedes Mal gingen sie leer aus. Zumindest für Kerr war dies kein Grund, enttäuscht zu sein: «Ich bekam dadurch mehr Publicity, als wenn ich die Auszeichnung erhalten hätte», sagte sie einmal in einem Interview. 1994 erhielt sie endlich die begehrte Trophäe, den Ehren-Oscar für ihr Lebenswerk.
Auch hinter den Kulissen wurden Rekorde aufgestellt: Filmproduzent Walt Disney (1901-1966) hat die goldene Trophäe 26 Mal erhalten, darunter sind zwei Sonderpreise für die Schöpfung von Mickey Mouse und Fantasia. Disney hat auch eine der schönsten Auszeichnungen in der Geschichte der Academy Awards erhalten: Die Trophöe, die er 1939 für seinen Film Schneewittchen bekam, bestand aus einem großen und sieben kleinen Oscars.
Unter den noch lebenden Künstlern hält Filmkomponist John Willias (Der weiße Hai/Indiana Jones) die Bestmarke mit 45 Nominierungen. Und sein Kollege Alan Menken - Die Schöne und das Biest (1991) und Pocahontas (1995) - steht mit acht Oscars auf Platz drei der meistausgezeichneten noch lebenden Oscar-Preisträger.
Bei den Frauen ist Edith Head das Maß aller Dinge: Die Kostümbildnerin wurde 35 Mal für einen Oscar nominiert und hat ihn acht Mal erhalten – unter anderem für Samson und Delilah (1949), Ein Herz und eine Krone (1953) und Der Clou (1973).
Auch Filme haben Rekorde aufgestellt: Lange Zeit war der Klassiker Vom Winde verweht (1939) mit zehn Oscars der erfolgreichste Film in der Oscar-Geschichte; er ist auch der längste Film (knapp vier Stunden), der jemals einen Oscar erhielt, und wurde erst 1960 von Ben Hur mit elf Trophäen abgelöst. 1998 beziehungsweise 2003 konnten Titanic und Herr der Ringe 3 mit ebenfalls elf Auszeichnungen gleichziehen.
Bei den Oscars 2009 könnte Der seltsame Fall des Benjamin Button einen neuen Rekord erringen, indem der Film alle 13 Oscars gewinnt, für die er nominiert ist. Aber er könnte ebenso als größter Verlierer in die Oscargeschichte eingehen.
nak/news.de