Des Oscars böse Wirkung
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Von news.de-Redakteurin Nadine Kotré
Artikel vom 22.02.2009Wer glaubt, der Oscar-Gewinn wirke wie ein Katalysator auf die Hollywood-Karriere, der irrt. Viele Oscar-Preisträger erlebten nach dem Gewinn einen Karriereknick. Auch vor dem Privatleben machte der Fluch des Oscars keinen Halt.
Reese Witherspoon, Hilary Swank, Julia Roberts, Gwyneth Paltrow und Halle Berry – sie alle sind Oscar-Preisträgerinnen und geschieden. Und die Scheidung kam nach dem Oscar-Gewinn. Das sind aber nur einige Namen von einer langen Liste von Schauspielern, denen der Oscar kein Liebesglück brachte.
Die Ehe von Hilary Swank überstand den ersten Oscar, doch nach dem zweiten dauerte es nicht einmal ein Jahr, bis die Scheidung eingereicht wurde. Grund der Trennung war Lowes Drogenabhängigkeit. Bei Halle Berry war es ähnlich. Zwar war ihr Mann nicht drogenabhängig, dafür gelüstete es ihm nach Frauen. Nachdem Berry 2002 als erste Afro-Amerikanerin den Oscar als beste Hauptdarstellerin für Monster's Ball gewonnen hatte, schluchzte und dankte sie. Vor allem ihrem Mann Eric Benét, den sie ein Jahr zuvor geheiratet hatte. Das Glück hielt nicht lange. Im Oktober des folgenden Jahres gaben sie ihre Trennung bekannt.
Schneller ging es bei Julia Roberts. Die ließ sich zwar nicht scheiden, trennte sich aber schon rund drei Monate nach dem Oscar-Gewinn von ihrem damaligen Partner, dem Schauspieler Benjamin Bratt. Sie wollte Karriere, er Kinder. Letztlich gingen sie getrennte Wege.
So unterschiedlich diese Trennungen auch waren, eines haben sie gemein: Stets war die Frau die berühmtere, erfolgreichere in der Beziehung. Vielleicht hatte der Oscar nichts mit der Trennung zu tun. Vielleicht kamen auch einfach nur die Männer mit der Umkehrung des klassischen Rollenbildes, das den Mann in der Rolle des Versorgers sieht, nicht zurecht.
Schlimmer als der private Nidergang ist nur die Kombination mit dem beruflichen. Viele Schauspieler versprachen sich vom Gewinn des Oscars bessere Rollenangebote, mehr Qualität. Und bei einigen dürfte die Hoffnung gekeimt haben, ihren Erfolg bald zu wiederholen. Bei vielen folgte auf den Triumph aber nur ein Flop nach dem anderen. In der so rosig scheinenden Karriere stagnierte es bald. So war es bei keinen geringeren als Adrien Brody, Helen Hunt, Cuba Gooding Jr., Halle Berry und Geena Davis. Halle Berry traf es somit gleich doppelt: Zu ihrer gescheiterten Ehe gesellten sich Kassen- und Kritikerflops wie Gothika und Catwoman. Für letzteren wurde sie gar für den Razzie Award als schlechteste Hauptdarstellerin nominiert.
Gwyneth Paltrow gewann 1999 für Shakespears in Love. Ein Triumph, der sie minutenlang auf der Bühne schluchzen ließ. Der Spott, den sie dafür ernetete, war allerdings nicht die einzige Reaktion auf den Gewinn. Die Rollenangebote blieben aus. «Ich wurde über Nacht zu der Schauspielerin, die niemand mehr sehen wollte», erklärte Paltrow Jahre später.
Charlize Therons Karriere strauchelte nach ihrem Oscar-Gewinn von 2004 für Monster auch ein wenig. Zwar konnte sie für North Country 2006 eine weitere Oscar-Nominierung verbuchen, sonst gab es aber nicht viel zu vermelden. Seit 2008 geht es wieder bergauf.
Davon kann Adrien Brody allerdings nur träumen. 2002 gewann er für Der Pianist. Danach blieben die Rollenangebote allerdings aus. Darüber war er alles andere als begeistert: «Natürlich ist es enttäuschend, wenn Du nach einem solchen Gewinn nicht die Rollen bekommst, die Du Dir eigentlich gewünscht hast», sagte er über seine berufliche Flaute.
Dieses Spielchen läßt sich mit vielen Oscar-Preisträgern spielen. Fragt sich also, warum der Oscar für die meisten Schauspieler solch einen Reiz hat. Die meisten von ihnen kennen die Sage vom Fluch, vom Pech, das der Oscar mit sich bringt. Wirklich daran glauben, werden die wenigsten. Der Oscar bleibt das größte im Leben eines Schauspielers, die Bestätigung, alles richtig gemacht zu haben. Dann sind sie ganz oben in Hollywood angekommen. Was bleibt, ist die Hoffnung, dass es danach nicht wieder steil bergab geht.
seh
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