Facebook macht einen Rückzieher
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Von news.de-Redakteur Frank Meinzenbach
Artikel vom 18.02.2009So still und heimlich, wie Facebook seine AGBs geändert hat, so laut und entrüstet war die Reaktion der Nutzergemeinde. In kürzester Zeit beschwerten sich 25.000 erboste Mitglieder. Nun sind die Verantwortlichen eingeknickt – zumindest vorläufig.
Gestern Nacht um Punkt 22:17 Uhr kam die Nachricht: Der Facebook-Gründer und -Chef Mark Zuckerberg bestätigte in seinem Blog, dass Facebook wieder die alten AGBs eingeführt hat, bis die Kritikpunkte der Nutzer ausgeräumt seien.
Keinen Zweifel ließ er daran, dass es neue AGBs geben wird, geben müsse. Die Veränderung der Nutzungsbestimmungen sei laut Zuckerberg notwendig, um die Funktionsweise des Netzwerks aufrechterhalten zu können.
Bereits vorgestern beteuerte der Jungmilliardär, dass es Facebook keinesfalls um die Rechte an den von Nutzern erstellten Inhalten ginge. «Unsere Philosophie ist, dass Nutzer das Recht an ihren Informationen besitzen und kontrollieren können, mit wem sie diese teilen. Wir würden ihre Informationen nie auf irgendeine Art und Weise entgegen ihrer Wünsche weitergeben.»
Das Problem sei Folgendes: Was geschieht mit den Nachrichten oder Pinnwandeinträgen von Freunden, die sich bei Facebook abmelden? Hier habe man sich entschlossen, diese Nachrichten weiter zugänglich zu machen. «Wir glauben, dass das der richtige Weg für Facebook ist, abgesehen davon ist es auch nur folgerichtig, wenn man andere Dienste wie E-Mails betrachtet.» StudiVZ zum Beispiel geht hier einen anderen Weg: Löscht ein Nutzer sein Profil, verschwinden auch die bisherigen Nachrichten bei den Freunden.
Gleichzeitig räumte Zuckerberg auch Fehler bei den AGBs ein – allerdings nur bei dem «übertrieben formalen und abkanzelnden» Stil. Die klammheimliche Einführung der neuen AGBs sprach er nicht an. Dafür kündigte er eine «grundlegende Überarbeitung» der derzeitigen Nutzungsbestimmungen an – inklusive Mitspracherecht der Nutzer und einfach verständlicher Sprache.
Den bisher größten PR-Gau hatte Facebook Ende 2007, als man ohne Rückfrage den Dienst Beacon einführte. Das Programm zeichnet das Einkaufsverhalten der Facebook-Nutzer im Netz auf und informiert dann die Freunde über die erworbenen Produkte. Noch am harmlosesten ist die Geschichte eines Facebook-Nutzers, dessen Freundin aufgrund von Beacon sehen konnte, was ihr Liebster ihr zu Weihnachten schenken wollte. Doch was wäre geschehen, wenn er sich anstelle des Geschenks eine Porno-DVD bestellt hätte? Den Einkaufsverräter gibt es zwar noch, allerdings müssen die Nutzer ihn jetzt händisch aktivieren.
Auf eins kann man sich verlassen: Der AGB-Streit wird nicht das letzte Mal sein, dass das Netzwerk seine Nutzer entzürnt. Bezeichnend ist, dass Zuckerberg selbst dies schwarz auf weiß in seinem Blog eingesteht: Die Erschließung einer offenen Online-Welt ist «schwieriges Terrain, auf dem uns noch einige Fehltritte passieren werden».
mik
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