Von news.de-Redakteurin Mandy Hannemann
Die Menschheit hatte schon immer ein Faible für düstere Wesen, die nachts ihr Unheil treiben. Einst ließen Werwölfe und Vampire Schauer über den Rücken laufen. In «Underworld: Aufstand der Lykaner» schreckt nur die Gewalt.
Dagegen kommt auch die nun vollständige Underworld-Trilogie nicht an. Und das, obwohl die Fantasy-Inszenierung bei etwas zarter besaiteten Kinogängern genug Stoff für dunkle Träume hinterlässt. Nicht aber, weil die Story gut wäre. Denn die lässt sich in wenigen Worten zusammenfassen: Aufstand der Lykaner ist nichts anderes als ein gewaltig aufgemachtes Gemetzel für die Freiheit Unterdrückter, gepaart mit einer schwachen Liebesgeschichte.
Was Regisseur Patrick Tatopoulos zeigt, ist die Geschichte Lucians, des Ersten seiner Art, der Mensch und Werwolf ist und seinen rationalen Geist über die tierischen Instinkte stellt. Doch Lucian ist ein Unterdrückter, ein Sklave des Volkes der Vampire. Unterjocht von Victor, fristet der Mensch-Werwolf seine Tage als Schmied und bewahrt dabei ein dunkles Geheimnis: Lucian liebt Victors eigensinnige Tochter Sonja, die vom Gehorsam gegenüber ihrem Vater wenig hält.
Dass das gefährliche Spiel bald auffliegt, ist schnell klar. Ebenso wie vieles andere: Egal, ob sich Lucian seiner Ketten entledigt, die Tochter ihre Blutlinie beschmutzt, sich die Intrigen des Adels entfalten und, und, und ... Bis hin zum Untergang der Liebenden, der eigentlich erst die Fehde auslöst, die in den Vorgängerfilmen Underworld und Underworld: Evolution ihre Bilder fand.
Und trotzdem wird dieser Streifen seine Besucher finden, wenn er auch nicht das Zeug zum Kassenschlager hat. Es sind die Spezialeffekte und Computeranimationen, die schnörkellosen, aber umso brachialer wirkenden Szenen, die im Gedächtnis haften bleiben. Ihr Scherflein tragen aber auch die Schauspieler bei.
Einmal abgesehen von Lucian-Darsteller Michael Sheen, der von vorne bis hinten schmalbrüstig und blässlich zum Sklavenaufstand anstachelt, gibt es durchaus Akzente. Da sei zunächst Bill Nighy genannt, der zwar nicht allzu oft in Erscheinung tritt, dafür Viktor aber eine unheimlich präsente und aristokratisch-arrogante Kälte verleiht, die schon fast etwas vom sprichwörtlichen britischen Snobismus hat.
Ebenso im Gedächtnis bleibt Rhona Mitra alias Sonja, der die Rolle der eigensinnigen Tochter auf den Leib geschneidert scheint. Leidenschaft und Eleganz harmonieren im Bild der Kriegerin mit dem Hauch von Geheimnis, das die Vampir-Thronfolgerin umgibt.
Und nicht zuletzt ist da der kühle, berechnende, listige Tannis, gespielt von Steven Mackintosh, der sich, anders als Viktor, nicht von der gesellschaftlichen Stellung blenden lässt. Die Liebe zur Intrige, die Begeisterung fürs Taktieren blitzen ihm ebenso aus den Augen wie die Inbrunst, sich für seine Zwecke auch heimlich in die Dienste Lucians zu stellen.
Mag Patrick Tatopoulos, der mit seinen Werwölfen die Vorgängerfilme prägte, in den Effekten noch so wirkungsvoll sein und diesen Stempel auch der dritten Episode aufgedrückt haben: Ein echter Knaller ist Underworld: Aufstand der Lykaner nicht geworden. Doch es reicht aus, um standfesten Actionfans ein wenig Kurzweil zu bieten.
Originaltitel: Underworld: Rise of the Lycans
Regie: Patrick Tatopoulos
Darsteller: Michael Sheen, Rhona Mitra, Bill Nighy
USA 2009
Länge: 92 Minuten
FSK: ab 16 Jahren
Kinostart: 26. Februar