Von news.de-Redakteur Tobias Köberlein
Brad Pitt wird als Greis geboren, um als Säugling zu enden. «Der seltsame Fall des Benjamin Button» will Kinokunst sein. Doch Regisseur David Fincher fabriziert nur symbolschwangere Bilder, die sich gut an jeder Wohnzimmerwand machen würden.
New Orleans, November 1918: Die Menschen liegen sich in den Armen, feiern das Kriegsende. Im Stadthaus des Knopffabrikanten Thomas Button (Jason Flemyng) stirbt eine junge Mutter bei der Geburt ihres Sohnes. Der Vater packt das Bündel Mensch, wickelt die Decke zur Seite, um seinen Erstgeborenen zu betrachten.
Die Kamera filmt ihn in einer Halbtotalen, zeigt das Entsetzen auf seinem Gesicht. Button läuft mit dem Kind auf dem Arm aus dem Haus, immer dem Strom der Feiernden entgegen. Seine atemlose Flucht endet an einem Kanal. Nur die Entdeckung durch einen Schutzmann hindert ihn daran, das Knäuel Mensch ins Wasser zu werfen. Stattdessen legt Button das Baby auf einer Treppe ab, packt ein paar Dollar dazu - und verschwindet.
David Fincher, der mit Sieben und Fight Club zwei grandiose und mit Panic Room und Zodiac immerhin noch zwei handwerklich blitzsaubere Thriller inszeniert hat, ist der Regisseur des kalten Blickes. Für einen Film wie Benjamin Button ist das Vor- und Nachteil zugleich. Der Vorteil: Fincher hasst Sentimentalität, und das Beste, was sich über Benjamin Button sagen lässt ist, dass der Film völlig frei von Pathos ist.
Brad Pitt spielt Benjamin, als würde er sich bei der Darstellung an Buster Keaton orientieren, dem als «Stoneface» bekannten Stummfilmstar, der in seinen Filmen immer den selben gleichmütigen Gesichtsausdruck bewahrte. Pitt macht es ähnlich, was nicht allein an all der Schminke und den Computertricksereien liegt, mit denen sein Gesicht verfremdet wurde, um Button vom Greis bis zum Kind spielen zu können. Diese Zurückgenommenheit ist es, die Button ein Geheimnis, eine Aura des tieferen Wissens um die Welt verleiht.
Benjamin Button - so heißt er, der seltsame Mensch, der als alter Mann zur Welt kommt und mit zunehmender Lebensdauer immer jünger wird. Vom Vater ausgesetzt, weil dieser das grässlich verschrumpelte Greisengesicht des Sohnes nicht ertragen konnte, wird Benjamin von seiner schwarzen Ersatzmutter Queenie (Taraji P. Henson) erzogen. Dass sie eine Art Seniorenheim führt, ist die schönste Idee des Films. Der in seinem Greisenkörper gefangene Jungspund Benjamin wächst unter echten Greisen auf, lernt und profitiert von ihnen.
Mit etwa zehn Jahren, Benjamins Lebensuhr ist schon ein gutes Stück rückwärts gelaufen, begegnet er Daisy (Ellen Fanning), einem Kind, das als Erwachsene (dann gespielt von Cate Blanchett) Benjamins große Liebe sein wird. Doch bis die beiden zusammenkommen, muss noch viel passieren, und der Film - fast drei Stunden lang - nimmt sich die Zeit dafür. Benjamin wird Kapitän Mike (Jarred Harris) treffen, mit ihm zur See fahren und im Zweiten Weltkrieg gegen deutsche U-Boote kämpfen, er wird in Murmansk eine Affäre mit einer englischen Diplomattengattin (Tilda Swinton) haben, sich mit seinem Vater versöhnen, und Daisy, die Karriere als Tänzerin gemacht hat, gewinnen, um sie am Ende doch wieder zu verlieren.
Seinen bewegendsten Moment hat der Film, wenn sich Daisy und Benjamin endlich auf Augenhöhe begegnen, in der kurzen Zeit, in der beide gleich alt sind, bevor die Uhr weiter tickt - ihre nach vorne, seine zurück. Das Wort Augenhöhe ist wörtlich zu nehmen. Fincher und sein Drehbuchautor Eric Roth bemühen dafür immer wieder das Motiv der Treppe. Wer steht oben, wer unten? Die Treppe wird zum Symbol für Über- und Unterlegenheit in menschlichen Beziehungen. In einer Szene will Daisy Benjamin verführen. Sie tanzt für ihn auf einer Empore, doch der Umworbene verweigert sich. Die Zeit ist noch nicht reif. In der Liebe braucht es Geduld. Daisy und Benjamin werden sich wieder begegnen. Und diese Begegnung wird auf einer Treppe stattfinden.
Der Film belässt es nicht dabei. Fincher dreht die Symbolschraube weiter, fabriziert Ideen und Bilder, die sich nicht zusammenfügen. Der Flügelschlag eines Kolibris soll Unendlichkeit symbolisieren - ein Gedankensplitter ohne weitere Bedeutung für den Verlauf des Films. Als Kapitän Mike im Kampf gegen ein deutsches U-Boot stirbt, steigt der Vogel aus dem Nichts kommend empor und fliegt über das Meer. Wasser überhaupt - noch ein Motiv, das Fincher in allen Facetten aus- und überreizt. Benjamin, der dort kurz nach seiner Geburt fast den Tod gefunden hätte, schleppt seinen siechen Vater an einen See, über dem gerade die Sonne aufgeht. Fincher malt mit Bildern, mit dunkel getönten Sepia-Farben - und produziert doch nur fein ausgeleuchtete ornamentale Bildteppiche, die an einer Wohnzimmerwand besser aufgehoben sind als im Kino.
Der seltsame Fall des Benjamin Button Film beruht auf einer Kurzgeschichte von F. Scott Fitzgerald. Und eigentlich auch wieder nicht. Von den knapp 30 Seiten der Buchvorlage ist im Film nur die Grundidee eines Mannes, dessen Lebensuhr rückwärts läuft, übrig geblieben. Der Rest erinnert nicht zufällig immer wieder an Robert Zemeckis' Forrest Gump. Finchers Drehbuchautor Eric Roth hat auch die Geschichte des von Tom Hanks gespielten Toren geschrieben, der reinen Herzens durch 50 Jahre amerikanischer Geschichte stolpert.
In Benjamin Button verklammert Roth die Zeitebenen mit einem der ältesten und umständlichsten erzählerischen Tricks überhaupt. Er entwirft eine schwerfällige Rahmenhandlung, in der die sterbende Daisy ihrer Tochter (Julia Ormond) Benjamins Geschichte erzählt. Draußen heult derweil der Orkan Katrina. Viel dicker kann man mit dem Filmpinsel nicht auftragen. Schlimmer ist allerdings, dass es Fincher nicht gelingt, Interesse für seine Figuren zu wecken. Benjamin Button ist der kühle Film eines Regisseurs, dem sein Material erkaltet, bevor er Funken daraus schlagen kann.
Der seltsame Fall des Benjamin Button ist am 22. Februar für 13 Oscars nominiert. Der Film wird viele Trophäen holen. Er wird sie nicht verdient haben.
The Curious Case of Benjamin Button
Regie: David Fincher
Darsteller: Brad Pitt, Cate Blanchett, Tilda Swinton
Spielzeit: 165 Minuten
Produktionsland: USA
Produktionshjahr: 2008
FSK: frei ab 12 Jahren
Starttermin: 29.1.
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Nach dem ich die Bewertung des Films gelesen habe, musste einiges los werden. Ich habe vor zwei Tagen diesen Film gesehen und muss sagen, dass ich nicht der Meinung bin, dass dieser Film die viele Oskars nicht wert sein wird. Wenn man diesen Film aus verschienene Sichten betrachten mag, wird es zur einer sehr schwerer Kost. Wenn man gewisse Verknüpfungen zu unserem Leben herstellen möge, so könnte man auch diese Geschichte als eine Geschichte der Liebe und Verantwortung von anderer Art und Weise betrachten,die hier nicht so kitschig dargestellt wurde.
jetzt antwortenKommentar meldenzum film Benjamin Button. der Film war ein deutig zu lange auf höchstens zwei stunden hätten gereicht die leistung von brad pitt und cat blanch gut am besten aber waren leistungen der computer animatiationen diese gesamtleistung verdient den oscar, brad pitt spielt sich immer selbst und war der beste schauspieler für diese rolle.Ob er den oscar verdient hat kann ich nicht sagen aber der gesammte film das ist oscar reif
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