Von news.de-Redakteurin Claudia Arthen
Der Schauspieler Uwe Ochsenknecht ist in Deutschland so bekannt wie ein bunter Hund. Auch als Musiker macht er von sich reden. Mit news.de sprach der 53-Jährige über Schwule, seine Ehe und seine Regie-Pläne.
news.de: Sie touren gerade durch Deutschland, um Ihr neues Album Matchpoint vorzustellen. Wie ist das, als Sänger auf der Bühne zu stehen – im Unterschied zur Schauspielerei?
Ochsenknecht: Tja, das sind natürlich schon zwei sehr unterschiedliche Dinge. Wenn man Musik auf der Bühne macht, live vor Leuten, dann ist das etwas ganz Direktes. Wir gehen mal davon aus, dass das Konzert gut besucht ist und dass die Leute die Musik auch mögen, dann kommt Party-Stimmung auf. Dann geht es von Bühne und Zuschauerraum hin und her - und das macht Riesenspaß. Was das Schauspielern betrifft: Beim Drehen ist das Team dabei und die Kamera - und dann ist Ende.
news.de: Wie wichtig ist Ihnen Musik?
Ochsenknecht: Musik hat mich mein ganzes Leben lang begleitet - und wird es auch weiter tun. Ich denke, Musik ist für jeden Menschen sehr wichtig. Sie kann fröhlich machen, sie kann traurig machen, sie kann die Stimmung heben. Ich denke, seit es den Menschen gibt, gehört Musik dazu.
news.de: Welche Musik hören Sie denn, um Ihre Stimmung zu heben?
Ochsenknecht: Da höre ich am liebsten Salsa. Das finde ich eine ganz freudige, sonnige Musik, die sofort ins Knie geht und ins Herz.
news.de: Die Texte von Matchpoint kreisen um vielfältige Themen: den Tod Ihrer Mutter, verlorene Liebe, Sadomaso-Sex, und sogar etwas Politisches ist dabei, wenn man den Titelsong nimmt. Gibt es ein Stück, das Ihnen besonders am Herzen liegt?
Ochsenknecht: Sie müssen sich das so vorstellen: Auf dem Album sind zwölf Songs - das ist so, als wenn man plötzlich zwölf Kinder bekommt. Die hat man alle lieb, und da hat man kein Lieblingskind. Jeder Song steht für sich, jeder hat eine Personality und eine Ausstrahlung, da gibt es keinen Favoriten.
news.de: Was halten Ihre Söhne von Ihrer Musik?
Ochsenknecht: Die sind gut erzogen. Die müssen meine Musik gut finden.
news.de: Und umgekehrt: Wie finden Sie die Musik Ihrer Söhne?
Ochsenknecht: Ich finde das alles klasse, was die machen. Ich finde es auch toll, dass die sich überhaupt so extrem mit Musik beschäftigen.
news.de: Geht das auf Sie zurück? Haben Sie das irgendwie gelenkt?
Ochsenknecht: Ich denke, das färbt natürlich ab. Hier bei uns im Haus wird immer Musik gehört.
news.de: Ihre Musik ist eine Mischung aus Country, Rock 'n' Roll, Soul und Blues ...
Ochsenknecht: Ja, da kommt alles Mögliche zusammen. Wenn wir live spielen, kommt auch mal Reggae vor, da sind Balladen dabei oder etwas Latein-Amerikanisches. Die ganze Palette eben. Es gibt halt so viele tolle Musikrichtungen – und das ist alles im Programm.
news.de: Das ist eine ziemlich bunte Mischung, und auch als Schauspieler waren Sie schon in zahlreichen Genres zu sehen. Kann es sein, dass Sie sich nicht gerne festlegen lassen?
Ochsenknecht: Ja richtig. Ich kann mir auch vorstellen, dass ich als nächstes Album ein Reggae-Album mache, oder Salsa oder Hip-Hop. Das kann durchaus sein. Wissen Sie, es gibt so viele schöne verschiedene Arten von Musik – warum soll ich mich da einschränken?
news.de: Sie stehen in diesem Jahr für den TV-Zweiteiler «Mit Glanz und Gloria» unter der Regie von Dieter Wedel vor der Kamera. Welche weiteren Projekte gibt es?
Ochsenknecht: Es gibt ein paar Anfragen, ein paar Pläne. Da möchte ich jetzt noch gar nichts drüber sagen, weil das alles noch nicht unterschrieben ist. Auf jeden Fall steht die Regie für meinen ersten Kinofilm ganz oben auf der Liste. Das wird eine ziemlich interessante Geschichte werden. Und das werde ich Ende des Jahres angehen.
news.de: Werden Sie in diesem Film auch selbst spielen?
Ochsenknecht: Die Produzenten möchten das gerne. Das ist mir aber nicht ganz recht, denn ich werde mich mit dem ersten Film natürlich auf die Regie konzentrieren wollen. Aber da die Rolle, die ich spielen soll, nicht die Hauptrolle ist und ich somit nicht in jedem Bild drin bin, kann man das vielleicht schon mal machen.
news.de: Sprechen wir über eine Rolle, in der Sie demnächst im Fernsehen zu sehen sind: «Ein Date fürs Leben». Darin spielen Sie einen Schwulen ...
Ochsenknecht: Ja, das ist so eine Rolle. Da spiele ich den Michael, der praktisch die Freundin einer Frau ist. Anna heißt sie und wird gespielt von Julia Stinshoff. Die beiden arbeiten zusammen in einer Kunstgalerie. Und sie hat immer Probleme mit Männern und Beziehungen - und er ist beratend tätig dabei.
news.de: Was an Ihrem Spiel auffällt, ist, dass Sie den Schwulen nicht tuntig spielen, sondern angenehm dezent...
Ochsenknecht: Warum sollen Schwule denn auch immer tuntig gespielt werden? Ich bin quasi im Theater aufgewachsen, und da gab es viele schwule Tänzer und Schauspieler. Das ist für mich nichts Exotisches und Fremdes. Und ich werde den Teufel tun, das zu denunzieren. Ich finde, das sollte in der Gesellschaft noch viel mehr integriert werden – als Normalität. Es gibt auch Schwule, denen man ihr Schwulsein gar nicht anmerkt auf den ersten Blick.
news.de: Haben Sie den Eindruck, dass es Schwule heutzutage immer noch sehr schwer haben?
Ochsenknecht: Immer noch schwer genug. Zum Beispiel was ihre Akzeptanz in der Gesellschaft betrifft. Oder das Heiraten – ich weiß gar nicht, ob das jetzt in Deutschland durch ist. Da bin ich jetzt nicht auf dem neuesten Stand.
news.de: Homosexuelle dürfen seit 2001 eine Lebenspartnerschaft eingehen.
Ochsenknecht: Das ist schön, aber ich würde mir wünschen, dass Homosexuelle ein ganz normales Leben führen könnten.
news.de: Sie haben neulich die Qualität im Fernsehen bemängelt. Was frustriert Sie denn am Fernsehen?
Ochsenknecht: Diese Quotenjagd geht mir auf den Wecker. Jetzt fangen auch schon die Öffentlich-Rechtlichen an mit dem Haudrauf und Hauptsache Quoten. Ich finde das blöd, das Niveau lässt nach, obwohl es nach wie vor durchaus gute Fernsehfilme gibt. Aber die könnten ein bisschen mehr sein.
news.de: Was schauen Sie sich denn im Fernsehen an?
Ochsenknecht: Ich gucke so gut wie gar nichts mehr.
news.de: Aus Frust oder aus Zeitmangel?
Ochsenknecht: Aus Frust. Weil mir meine Zeit dafür zu schade ist. Und dann natürlich auch aus Zeitmangel. Wenn ich etwas anschauen will, dann sind es Filme, die ich im Kino verpasst habe. Die hole ich mir dann als DVD.
news.de: In «Ein Date fürs Leben» kennen Sie sich ganz gut aus mit Beziehungskram und Männerseelen. Sind Sie auch im wirklichen Leben ein guter Berater in solchen Dingen?
Ochsenknecht: Es gibt immer mal wieder Freunde, die Beziehungen haben, die schwierig sind. Und klar, dann spricht man drüber und versucht, beratend tätig zu sein.
news.de: Sind Sie ein guter Zuhörer?
Ochsenknecht: Hm. Ich übe noch. Ich versuche es zumindest.
news.de: Sie haben Ihre Frau Natascha vor 20 Jahren kennen gelernt – um Sie herum werden immer mehr Ehen geschieden und Beziehungen gehen schon nach kurzer Dauer in die Brüche. Was ist das Erfolgsrezept Ihrer Ehe?
Ochsenknecht: Das kann ich nicht sagen. Das ist erstmal ein Glück der Kombination. Und dann muss man sich mit der Beziehung auseinander setzen, man muss viel miteinander reden. Und ich denke, man muss sich auch immer noch ein kleines Geheimnis bewahren. Ich glaube, das ist der Trick: dass man nicht alles von sich preisgibt, so dass man immer noch Möglichkeiten hat, etwas zu entdecken bei dem anderen.
news.de: Von außen betrachtet wirkt die Familie Ochsenknecht ein wenig schrill ...
Ochsenknecht: Wir sind so, wie wir sind. Wenn das für manche Leute schrill ist, dann ist das eben so. Für uns ist das normal.
news.de: Zumindest haben Ihre Kinder ungewöhnliche Namen. Für die Ihrer Söhne Wilson Gonzalez und Jimi Blue standen Soulsänger Wilson Pickett und Rocklegende Jimi Hendrix Pate. Hat Ihre Tochter Cheyenne Savannah auch ein bekanntes Namensvorbild?
Ochsenknecht: Nein. «Cheyenne» haben meine Frau und ich mal eine Mutter ihr Kind rufen hören – in Los Angeles in einem Supermarkt. Damals haben wir uns gedacht, sollten wir mal eine Tochter bekommen, wäre das ein schöner Name. Und «Savannah» ist deshalb ihr Zweitname, weil sie als Baby so ruhig war und kaum geschrien hat. Sie war so ruhig wie eine Savanne.
news.de: Sie sind seit mehr als 30 Jahren im Geschäft. Zu Beginn Ihrer Karriere haben Sie sich geschworen, sich niemals über eine Schlagzeile zu ärgern. Ist Ihnen das gelungen?
Ochsenknecht: Ja, im Grunde schon. Und wenn ich mich ärgere, dann ärgere ich mich nicht lange. Im Notfall muss dann halt der Anwalt her.
Der Film «Ein Date fürs Leben» wird am 4. Februar, 20.15 Uhr, im ZDF ausgestrahlt.
Weitere Infos: www.uwe-ochsenknecht.com