Von news.de-Redakteur Florian Blaschke
David Koepp inszeniert in «Wen die Geister lieben» mit altbekannten Mitteln eine dialogstarke Screwballkomödie. In der inszeniert Hauptdarsteller Ricky Gervais vor allem sich selbst - und rettet so, was beim Drehbuch an Schwächen durchgerutscht ist.
Geister und Untote waren im Kino schon immer so ambivalent wie die Genres, in denen sie platziert wurden. Da gibt es die blutrünstigen Killer (Dawn oft the Dead), die ironische Variante (Shaun of the Dead), es gibt die Psyche terrorisierende, stumme Charaktere (The Sixth Sense) oder die romantisch-tragischen Figuren (Ghost - Nachricht von Sam). Die Aufzählung ist damit alles andere als vollständig, doch sie zeigt: Geister gehören zu den beliebtesten und vielfältigsten Figuren - nicht nur des Films.
Auch Regisseur und Drehbuchschreiber David Koepp hat sich für seine Komödie Wen die Geister lieben auf das Terrain zwischen Leben und Tod gewagt. Dünnes Eis? Könnte man meinen, schaut man sich an, für was Koepp bisher so alles die Bücher geschrieben hat: Von Carlito's Way und Mission: Impossible über Panic Room und Spider-Man bis hin zu Indiana Jones und zuletzt Illuminati ist sein Terrain eindeutig das von Action- und Abenteuerfilmen.
Bei seiner Arbeit als Regisseur sieht das kaum anders aus, auch, wenn hier die Titel deutlich weniger prominent ausfallen. Höhepunkt der Karriere auf dem Regiestuhl dürfte wohl Das geheime Fenster von 2004 mit Johny Depp sein. Umso erstaunlicher die Geschichte, die er nun im Kino erzählt:
Bertram Pincus (Ricky Gervais) ist ein Kotzbrocken, ein kleiner, fetter Misanthrop wie aus dem Bilderbuch. Und er ist Zahnarzt. Seine Arbeit aber scheint er nicht besonders zu lieben, seine Patienten schon gar nicht. Und das, obwohl sie bei ihm meist den Mund halten müssen. Am liebsten mag er Ordnung, Ruhe, Sauberkeit. Das alles könnte er auch haben, wäre da nicht Frank Herlihy (Greg Kinnear).
Frank ist das genaue Gegenteil von Pincus. Ein gut aussehender und charmanter Großstädter, aufdringlich und notorisch untreu. Doch Frank hat ein Problem: Er ist tot. Was an sich noch gar nicht so schlimm wäre, wenn er nicht noch als Geist durch New York streifen würde, weil er noch etwas zu erledigen hat. Vorher bekommt seine Seele keinen Frieden.
Ein Plot, der bekannt vorkommt. Unerledigtes ist für Geister wie Frank etwa so normal wie Karies für Dr. Pincus, und natürlich kreuzen sich in diesem Fall ihre Wege. Denn Bertram Pincus, während einer unangenehmen Operation für sieben Minuten tot, kann nach diesem Eingriff plötzlich Geister sehen. Und das sind nicht gerade wenige: «Pass auf, so sieht's aus», erklärt ihm Frank. «In New York wimmelt es vor Geistern. Sie sind laut, aufdringlich und fordernd, also auch nicht anders als vor ihrem Tod.» Und sie alle wollen, dass Pincus ihnen bei ihren ungelösten Aufgaben hilft. Ausgerechnet.
Der hartnäckige Frank rennt dem scheuen Zahnarzt einfach so lange hinterher, bis er ihn weichgekocht hat. Denn Frank kann einfach nicht hinnehmen, dass sein Frau Gwen (Téa Leoni), die er immer wieder betrogen hat, wieder heiraten will. Vor allem aber aber hält er es für seine Aufgabe, diese Hochzeit zu verhindern. Dass Pincus denkbar ungeeignet ist, ihm dabei zu helfen, ist augenscheinlich. Auch, weil Gwen und Pincus sich durchaus kennen - sie wohnen in der selben Appartmentanlage. Da wundert es nicht, dass die hübsche und intelligente Ägyptologin nicht sonderlich viel von dem verschrobenen Zahnarzt hält. «Die Geister, die ich rief», könnte man sagen. Nur dass Pincus nun wirklich nicht viel dafür getan hat, in diese Misere zu geraten.
Der Plot klingt damit eigentlich recht vorhersehbar. Dass David Koepps Geistergeschichte dennoch nicht dröge wird, hat er vor allem Ricky Gervais zu verdanken. Der britische Komiker ist spätestens seit der TV-Serie The Office für brillante Dialoge und pechschwarzen Humor bekannt. Ganz so kompromisslos wie in seinen bisherigen Rollen ist Gervais nicht, die Kunst, ein Arschloch zu sein aber beherrscht er aus dem Effeff. Und er bleibt ein Alleinunterhalter sondergleichen, ein Charakterkopf, der, wäre er ein paar Jahre früher geboren, ebenso gut zu Monty Python gepasst hätte. Ein Unikum.
Koepp gelingt trotz dieses hervorstechenden Schauspielers ein seltener Spagat: Er bringt Gervais' rotzige und fast theaterhafte Rolle mit knapp am Klischee vorbeischrammenden Charakteren unter einen Hut. Téa Leoni spielt die blonde US-Schönheit, Greg Kinnear den smarten und aufdringlichen Karrieretypen. Dazu die Szenerie von Manhattan - mit ihren schicken Appartments und dem Central Park - und die zwar gelungene, aber durchaus stereotype Musik von Geoff Zanelly, der vor allem für seine Zusammenarbeit mit Hans Zimmer in Pirates of the Caribbean – Am Ende der Welt, Last Samurai oder Pearl Harbour bekannt ist. Das alles ergibt eine Mischung, die nicht so recht in Schubladen passen mag.
In ihren besten Momenten ist David Koepps Geistergeschichte eine gradlinige Screwballkomödie, mit grandiosem Dialogwitz ausgestattet und treffsicher besetzt. Vor allem in den Nebenrollen, die größtenteils aus verzweifelten, absonderlichen Untoten besteht, hat das Casting ganze Arbeit geleistet. Doch selbst in ihren schlechtesten ist sie immer noch ein gut inszenierter und romantischer, wenn auch Hollywood-typischer Liebesfilm. Und obwohl dieser in manchen Szenen etwas zu viel an Tempo verliert, hat Koepp bewiesen, dass er eben nicht nur mit Action- und Abenteuerstreifen umzugehen weiß, sondern auch auf dem komischen Parkett bestehen kann. Und Ricky Gervais hat - wenn auch durch Hollywood ein wenig gezämt - gezeigt, warum das Magazin Galore ihn den «witzigsten Mann der Welt» nennt.
Wen die Geister lieben
Regisseur: David Koepp
Hauptdarsteller: Ricky Gervais, Greg Kinnear, Téa Leoni
Spielzeit: 102 Minuten
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2008
FSK: freigegeben ab 6 Jahren
Kinostart: 29. Januar 2009