Von Inge Treichel
Ingrid van Bergen ist die neue Dschungel-Königin. Die RTL-Zuschauer kürten die 77-Jährige überraschend zum Gewinner von «Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!». Die als Außenseiterin gestartete van Bergen setzte sich gegen Lorielle London und Nico Schwanz durch.
Van Bergen ist damit nach Costa Cordalis, Désirée Nick und Ross Antony die vierte Dschungelkönigin. Zum Auftakt der Sendung vor gut zwei Wochen waren insgesamt zehn Kandidaten in dem Lager im Urwald an der australischen Gold Coast angetreten. Dabei standen die Wetten, wie zuvor im «Special» mit Moderator Daniel Hartwich zu sehen, auf Sieg für die 25-jährige Lorielle London, die viel mehr eklige und Angst erregende Dschungelprüfungen absolvierte und sich viel besser in Szene zu setzen wusste.
Auch Moderatorin Sonja Zietlow hatte um Stimmen für die Transsexuelle Lorielle geworben, nachdem ihre Favoritin Gundis Zambo ausgeschieden war. Anfangs habe sie gedacht, «sie ist ein kleines hysterisches Kind». Doch «das Lottchen» habe sich als taffe Frau erwiesen. «Sie kann noch so viel machen aus dem Titel», meinte Zietlow.
Kurz danach die Überraschung: Lorielle muss sich mit dem Titel des «Prinzesschens» begnügen und zeigte sich als gute Verliererin: Für Ingrid sei das eine viel größere Aufgabe gewesen als für sie. Der Drittplatzierte Nico Schwanz hatte kurz zuvor richtig prophezeit: «Königin ist unsere Ingrid.» Hat er den Titel Lorielle nicht gegönnt, die schon vor dem Einzug ins Camp gelästert hatte: «Er ist ein wenig gaga im Hirn...»?
Überhaupt die Lästereien: So viel Streit, Missgunst und böse Unterstellungen hat es in den früheren drei Staffeln nicht gegeben wie in diesem «Zickencamp» (Nico Schwanz). Haben die Zuschauer demnach Ingrid van Bergen gewählt, um Giulia Siegel zu ärgern, die «Camp-Zicke», wie nicht nur Günther Kaufmann sie nannte? Die 34-jährige Tochter von Schlagerproduzent Ralph Siegel giftete gegen Ingrid van Bergen, es sei ungerecht, dass sie geschont und umsorgt werde: «Du bist eine gute Schauspielerin, das sehe ich hier jeden Tag.» Die 77-Jährige nannte Giulia Siegel im Flüsterton eine «giftige Schlange» und will ihr «nie wieder begegnen».
«Als Einzige ehrlich»
Nachdem sie wegen Rückenschmerzen aufgegeben hatte, zeigte sich Siegel «ein bisschen entsetzt» über die Auswahl der Szenen für die Sendungen. «Die Einzige, die ehrlich da drin war, bin ich», sagte sie. Nun fühlt sie sich nicht nur von den Campbewohnern, sondern auch von RTL ungerecht behandelt.
Doch die Profis von der Produktionsfirma Granada und die RTL-Redakteure fanden mehr Gefallen daran, wenn es zur Sache ging: So hielten die Zuschauer den Atem an, als Ingrid van Bergen bei einem nächtlichen Flüstergespräch am Lagerfeuer enthüllte, wie es dazu kam, dass sie 1977 ihren Lebensgefährten im Affekt erschoss.
Der Aufenthalt im Regenwald ist der «Königinmutter des Dschungels» (Dirk Bach) immer besser bekommen: Anfangs wirkte sie desorientiert, verlegte dauernd Sachen, am Ende aber erschien sie kräftig und verjüngt. In ihrer letzten Dschungelprüfung kämpfte sie gegen den Würgreflex und aß nach lebenden Heuschrecken und einer fetten Made noch einen rohen Känguru-Hoden.
Warum tun sich sogenannte Promis so etwas immer wieder an? Ingrid van Bergen antwortete: «Das ist eine Prüfung meiner Willenskraft und Selbstüberwindung.» Vor dem Sendestart hatte sie Erklärungen gegeben wie diese: «Das ist eine Variante dieses Berufes.» Und: «Ich war fünf Jahre im Knast, was soll mich noch erschrecken?» Und: «Man darf natürlich den PR-Wert dieser Geschichte nicht unterschätzen.» Bei ihren Wahlaufrufen an die Zuschauer betonte sie, es gehe ihr um den Beweis, dass Menschen ihres Alters keineswegs eingerostet seien.
Lorielle London folgte dem Rat ihres Managers, das Dschungelcamp sei ein «absolutes Sprungbrett». Die 25-Jährige sprach ohne Schamgrenze über ihrer Transsexualität und setzte ihren neuen Rundungen in Szene. Nico Schwanz, bisher Männermodel und Friseur, erhofft sich Promotion für seine ersten Schritte als Sänger.
Schauspieler Günther Kaufmann gewann Fans mit seiner Art, die Camp-Tage liegend, schnarchend und gut gelaunt zu verbringen. Er sei gut im Geschäft und müsse nicht buhlen, sagte er. Seine Mission sei es, zwischen anderen zu vermitteln und sie zu unterstützen. Die Österreicherin Christina «Mausi» Lugner sei als «Krawallhenne» eingeladen worden, sagte Sonja Zietlow, aber sie hackte nicht, als Giulia Siegel ihr vorwarf, sie möge «nicht so gackern». Die Siegel wiederum kündigte an: «Ich bin alles andere als irgendeine verwöhnte, zickige Tussi - ganz im Gegenteil.»
Spott und Häme zog neben Giulia Siegel auch der Ex-Glücksrad-Moderator Peter Bond auf sich, der sich unerschüttert von der mageren Ausbeute seiner Anstrengungen zeigte und behauptete, er sehe das als großen Spaß, und die Zuschauer drückten ihre Zuneigung damit aus, dass sie ihn für Ekelprüfungen auswählten.
Von Ex-Eiskunstläufer Norbert Schramm bleibt das Bild, wie er mit heruntergelassener nasser Hose nach der Dschungelprüfung zum Camp zurück watschelt. Ex-Seriendarsteller Michael Meziani sagte, er würde für so eine Reise tatsächlich auch Geld zahlen. Im Camp punktete er mit seinem Aussehen und fiel ansonsten ebenso wie Schramm nicht weiter auf.
Die Moderatoren nahmen mit pointenreichen Sprüchen und mit Selbstironie für sich ein. So machte Sonja Zietlow schon einen Aufruf für die nächsten Teilnehmer, die gerne wieder rekrutiert würden aus dem Kreis von «Deutschland sucht den Superstar» und «Das perfekte Promi-Dinner» (Vox).
mac
Zeit zum Lesen bleibt Ihnen offensichtlich. Aber ich nehme an, Lesen ist "etwas", im Gegensatz zu Fernsehen.
jetzt antwortenKommentar meldenFür so was habe ich keine Zeit , da mache ich lieber etwas .
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