Von news.de-Redakteur Frank Meinzenbach
Den katholischen Segen gibt es zukünftig auch bei YouTube. Der Vatikan ist ab sofort prominent mit einem eigenen Kanal auf der Video-Community vertreten. Star der Show ist natürlich Papst Benedikt XVI. - doch eignet er sich überhaupt für die Aufgabe?
Bislang war der Papst auf YouTube nicht sonderlich glücklich vertreten. Gibt man das Wort «Papst» ein, spuckt die Suche als erstes vier Filmchen aus, die sich eher humoristisch mit dem Oberhaupt der katholischen Kirche beschäftigen. Bisher gab es also wenige Gemeinsamkeiten zwischen der Web-2.0-Gemeinschaft und dem Stellvertreter Gottes auf Erden.
Ab sofort soll sich das ändern; um 11.30 Uhr fand der Urknall für die Webzukunft der katholischen Kirche statt. Der offizielle Vatikan-Kanal wird täglich neue Nachrichtenbeiträge über die Aktivitäten des Papstes und das Geschehen im Vatikan zeigen – unterlegt mit Audio-Inhalten und Texten in Englisch, Spanisch, Deutsch und Italienisch. Damit beträgt die Online-Reichweite für das Wort Gottes nun potenziell neun Millionen Nutzer. Doch wird das Angebot auch geklickt, vor allem von der avisierten jüngeren Glaubensgruppe?
Zur Eröffnung sind erste Videos von Papst Benedikt XVI. zu sehen. Hier offenbart sich schon das Problem: Der Papst ist kein medialer Superstar und will es wohl auch nicht sein. Schon beim Weltjugendtag 2005 wirkte er eher wie ein Fremdkörper, der sich mit dem Rockfestival-Feeling nicht so richtig anfreunden wollte. Lieber blieb er seinen Überzeugungen treu und hielt eine höchstintellektuelle Predigt, die wohl für Religionsstudenten interessant gewesen wären - den anwesenden Jugendlichen dürfte sie eher wenig bedeutet haben. Andererseits: Welcher Fan versteht schon die Texte von Beyonce, Lil Wayne oder Coldplay?
Der Widerspruch zwischen dem steif wirkenden Religionswissenschaftler und der YouTube-Generation wird bereits auf den ersten Blick deutlich. In einem kurzen Video erklärt Benedikt XVI. zur neuen Online-Initiative, dass die katholische Kirche «neue Wege finden muss, um die Stimmen und Bilder der Hoffnung im sich ewig-verändernden Kommunikationssystem zu verbreiten, das unseren Planeten umzieht.»
Außer einem Huster macht der Papst in den 41 Sekunden keine Bewegung. Benedikt sitzt gekrümmt in seinem hocherwürdigen Sessel, die Kamera filmt ihn von der Seite, wie er eintönig vom Blatt abliest. Neben ihm sitzt ein Kardinal, der ähnlich regungslos wirkt. Ein Foto mit dem Text hätte es auch getan.
«Die Kirche soll kein Fremder in den Räumen sein, in denen junge Menschen nach Antworten und Sinn in ihrem Leben suchen», sagt der Papst in seinem Vortrag. Schwer vorstellbar, dass der brilliante Religionswissenschaftler diese Räume mit seinen Vorträgen finden wird - beim Anblick des Videos traut man ihm nicht einmal zu, dass er sich das Zimmer eines Jugendlichen vorstellen kann. 41 Sekunden können auf YouTube eine lange Zeit sein.