Von Philipp Laage
Für Liebe, Leid und Herzschmerz schalten täglich Millionen von Zuschauern den Fernseher ein. Seit kurzem gibt es aber auch Daily Soaps im Internet. Einige Formate wurden sogar eigens für das Netz produziert.
Vor allem junge Zuschauer verfolgen die besten Szenen ihrer Lieblingssendungen nachträglich auf Video-Plattformen im Netz. Nun boomen auch eigens im Netz produzierte Sendungen. Das Angebot reicht dabei von klassischen Daily-Soaps bis zu Adaptionen bekannter TV-Serien.
Ein Netz-Format ist die Pietshow auf der Studenten-Plattform StudiVz. Die Serie erzählt die Geschichte des Filmstudenten Piet, der mit seinem Kumpel nach Berlin zieht und dort eine Wohngemeinschaft gründet. «Dort lernen die beiden zwei Mädels aus ihrer Nachbar-WG kennen und Piet porträtiert das Zusammenleben der Vier mit seiner Kamera», erzählt Dirk Hensen von studiVZ in Berlin. Die Serie sei auf die kommunikationsstarke und im Umgang mit Medien sichere Zielgruppe hin entwickelt worden. Neue Folgen der Show gibt es zur Zeit zwar nicht mehr, die Serie ist für Mitglieder von StudiVz und MeinVz aber weiterhin kostenlos abrufbar.
Wer die englische Sprache beherrscht, kann auch einen Blick auf die erfolgreichen US-Webserien werfen, die etwa auf der Video-Plattform YouTube angeboten werden. «Ein sehr erfolgreiches Format in den USA ist beispielsweise God, Inc., sagt der Deutschland-Sprecher Henning Dorstewitz von YouTube-Eigentümer Google in Hamburg. Die Comedy-Serie spiele im Himmel, der wie ein Büro organisiert ist. Einige Folgen der Serie, die der Produzent Francis Stokes selbst online gestellt hat, hätten weit über eine Millionen Zuschauer im Netz gesehen.
Die populärste Webserie in den USA überhaupt sei aber Chad Vader, erklärt Dorstewitz. Dabei handelt es sich um eine Parodie auf Star Wars, bei der der kleine Bruder von Bösewicht Darth Vader einen Gemüseladen führt. Die erste Folge hatte mehr als sieben Millionen Zuschauer. Nutzer können die Online-Parodie nach wie vor auf YouTube aufrufen. Im Fernsehen war die Serie nach zwei Episoden abgesetzt worden. Wegen des Erfolgs im Netz wurden dann aber sogar noch Folgen nachproduziert.
Auch die Plattform MyVideo bietet eine eigens für das Internet produzierte Soap an: Sex and Zaziki als Adaption der erfolgreichen TV-Serie Sex and the City. «Die Episoden setzen männliche Verliebtheit und emotionale Eskapaden amüsant in Szene», erzählt Dominic Hesse, Marketing-Leiter beim MyVideo-Betreiber Magic Internet in Berlin. Sex and Zaziki wird allerdings nicht wie das Vorbild in New York, sondern in Düsseldorf gedreht.
Die erste Folge der Internet-Serie ging im September 2008 online und wurde binnen 24 Stunden über 150.000 Mal aufgerufen. «Es kommen stets neue Folgen hinzu und noch ist kein Ende in Sicht», sagt Hesse. Die Ideengeber und Produzenten sind zwei Düsseldorfer Studenten.
Ursprünglich als Internet-Sitcom von Usern für User sei auf MyVideo die Serie The Flat an den Start gegangen, erklärt Hesse. Wegen des Erfolgs der Pilot-Folge werden nun weitere Episoden professionell produziert.
Bereits im Mai wurde auf der Plattform MySpace in regelmäßigen Abständen die Internet-Soap They Call Us Candy Girls gesendet. Die Serie erzählt von vier jungen Frauen, die dem Portal zufolge ein Leben «zwischen Dancefloor, Beziehungen, Lügen und Großstadtszene» führen. Eine weitere Online-Soap nach bekanntem Strickmuster findet sich außerdem unter cliquesoap.de.
Eine Übersicht über Webserien kann man unter anderem unter der Internetadresse webserien.blogspot.com finden. Internet-Soap-Innovationen kommen meist aus Amerika. Der Blick über den Tellerrand zeigt, dass Amerika Europa nicht nur bei den Fernseh-, sondern auch bei den Internetserien voraus ist. Dort hätten schon einige Formate den Sprung vom Netz ins Fernsehen geschafft, sagt Henning Dorstewitz von Google Deutschland. Die deutschen Produktionen seien zwar meist technisch gut, oft fehlten ihnen aber wirklich innovative Handlungen oder außergewöhnliche Charaktere.
gua