Von news.de-Redakteurin Anja Guhlan
Auch Mafia-Größen wie Totò Riina, besser bekannt als «die Bestie», besitzen bei sozialen Netzwerken Profilseiten. Mafia-Fanclubs können auf diese Weise ihren Idolen huldigen.
Nicht nur die ehemalige Mafia-Größe Totò Riina, dessen Karriere 1993 mit einer Verhaftung endete, hat mehrere Profilseiten bei Facebook. Auch sein Nachfolger Bernando Provenzano, ebenfalls inhaftiert, und der jetzige Boss der Bosse, Matteo Messina Denaro, sind bei Facebook als Profile gelistet.
Ungewiss ist, ob es sich bei den Profilen um tatsächliche Einträge im Namen der Mafiosi handelt. Es können ebenso Nutzer oder Fans sein, die unter falscher Flagge im Facebook-Netzwerk segeln.
Der oberste Anti-Mafia-Ermittler Pietro Grasso hält nach Aussagen mehrerer italienischer Zeitungen wie La Republica oder Il Gorniale eine PR-Aktion der Mafia für möglich. Auch die italienische Staatsanwaltschaft schließt nicht aus, dass hinter einigen Profilen tatsächlich die Kriminellen stecken könnten.
Zur Zeit gibt es etwa 2300 Anhänger, die mit einer der zahlreichen Profilseiten des berühmt berüchtigten Mafioso vernetzt sind. Zu Weihnachten wünschten ihm viele seiner Abonnenten ein frohes Fest und posten mitunter Lobhudeleien.
In der sizilianischen Cosa Nostra war der heute 78-jährige Riina eine wichtige Größe. Über 20 Jahre lang galt er als flüchtig. Besonders bekannt wurde der Gangster-Boss, weil er wichtige Ermittler blutig ermorden ließ. Momentan verbüßt er eine zwölf Mal lebenslängliche Haftstrafe.
Auch der 75-jährige Provenzano verfügt über 900 Abonnenten bei Facebook, die ihn für die Nummer Eins in der Mafia-Szene halten. Auf einer Provenzano-Profilseite soll laut der britischen Times ein Double-Wettbewerb laufen. Interessierte Doubles mit gleichem Namen und ähnlichem Profil werden überprüft und dann «sofort heilig» (Santo Subito) gesprochen. Auf diese Weise wird Provenzano noch mehr gehuldigt.
Der 46-jährige Matteo Messina Denaro gilt als Mafia-Playboy. Er liebt schnelle Autos, Frauen, Designersonnenbrillen und Computer. Er ist seit 1993 nach dem Mord eines Rivalen und dem Erwürgen seiner Freundin, die im dritten Monat schwanger war, auf der Flucht. Unter sizilianischen Jugendlichen hat er bereits Kultstatus.
Nun schlagen italienische Vereinigungen Alarm. Zur Zeit sei man sich noch uneinig, wie man mit den Web-2.0-Aktivitäten von Kriminellen umgehen soll. Ein italienischer Richter soll gegenüber einer italienischen Zeitung vorgeschlagen haben, die Facebook-Gruppen auf den Verdacht der Beihilfe zur organisierten Kriminalität hin zu untersuchen. Anti-Mafia-Aktivisten schlagen vor, die entsprechenden Seiten zu zensieren.
Der Betreiber Facebook jedoch denkt noch nicht einmal daran, die Mafioso-Profilseiten zu sperren. Gegenüber der Süddeutschen sagte eine Sprecherin von Facebook, solange die Inhalte nicht gegen die Nutzerrichtlinien verstießen und etwa pornographische oder gewalttätige Inhalte zeigten, werde Facebook nicht tätig. Dafür sperrt Facebook lieber Profilseiten stillender Mütter.