Von news.de-Redakteur Tobias Köberlein
Da hat uns die letzten Monate wirklich etwas gefehlt. Gestern startete RTL neue Folgen seiner Ekel-Show «Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!» - mit zehn Kandidaten, die sich auch in jeder Realverfilmung des «Dschungelbuchs» hervorragend machen würden.
Eigentlich konnte es nur besser werden. Zumindest interessanter. Oder kontroverser. Nachdem sich in der letzten Staffel alle furchtbar lieb hatten und das Dschungel- zum Kuschelcamp mutierte, war es für RTL an der Zeit, Öl ins Feuer zu gießen. Schließlich verlangt der Zuschauer nicht nur nach Kakerlaken, Schleim und Spielen, sondern auch nach Zickenkriegen und ein bisschen Selbstzerfleischung. Der gestrige Auftakt war so gesehen durchaus viel versprechend.
Die Kandidaten waren noch nicht einmal mit dem Helikopter Richtung Dschungel gestartet, als Partyluder Giulia Siegel schon querschoss. Erstes Opfer: Camp-Methusalem Ingrid van Bergen, rüstige 77 Jahre alt und selbst ernanntes Alphamädel in der Wald-WG. «Ich weise Leute auf ihren Platz. Es ist wichtig, dass jeder weiß, wo er hingehört», polterte van Bergen in der Vorstellungsrunde los. Bei der Schlagerkomponisten-Tochter kommt so etwas nicht gut an. «Die Frau strahlt keine Herzlichkeit aus», bekundete Giulia Siegel. Das könnte noch heiter werden mit den beiden.
Im Dschungelbuch von Rudyard Kipling gibt es die Schlange Kaa, eine doppelzüngige Intrigantin. Im RTL-Camp ist die Rolle mit Siegel besetzt. Wird sie die Nachfolgerin von Lästerschwester Caroline «Hacke»-Beil? Es spricht einiges dafür. Zumindest geriet sie am Tag des Aufbruchs auch noch mit Supertranse Lorielle London aneinander. Siegel habe über sie und Günther Kaufmann gelästert, so der Vorwurf, den Siegel entrüstet von sich wies. Kaufmann versank derweil in buddhaähnliche Selbstkontemplation.
Überhaupt Kaufmann: Der ehemalige Fassbinder-Schauspieler aus dem Münchner Problemviertel Hasenbergl ist der bayerische Balu im Camp. Ein Mann wie ein Baum. Ohne mit der Wimper zu zucken schritt Kaufmann zur ersten Dschungelprüfung und ließ sich widerstandslos auf das «Un-Glücksrad» flechten. Kopfüber wurde der Dschungel-Stoiker in Loren mit Fischabfällen, Minikrokodilen, Aalen und fiesen Ameisen getaucht. Geteert und gefedert kam Kaufmann grinsend wieder zum Vorschein - mit sieben Sternen für zusätzliche Essensrationen in der Hand.
So kann das nix werden mit Streit, Tränen, Eskalation. Lorielle London muss ran. Die silikonverstärkte Sängerin ist für die Rolle des Mogli vorgesehen. Oder zumindest als Camp-Heulsuse in der Nachfolge von Daniel Küblböck und Ross Antony. Den ihr zugedachten Part als Fleisch gewordene Tränendrüse erfüllte die/der 27-Jährige schon recht gut. Trost suchte Lorielle in den Armen von Gundis Zambo. Wie der schwarze Panter Baghira im Dschungelbuch knuddelte die Moderatorin ihren Schützling, bis die letzte Träne herausgepresst war. Doch weil der RTL-Zuschauer gnadenlos ist, muss Lorielle heute zur nächsten Prüfung «Happy Hour» antreten.
Vom Rest der Dschungelcamper war in der ersten Folge herzlich wenig zu sehen. Dabei sind doch noch einige Rollen zu besetzen. Wer macht etwa den Affenkönig Louie? Wo bleibt der Tiger Shir Khan? Von Peter Bond hörte man noch nicht einmal ein Fauchen. Der Ex-«Glücksrad»-Dreher verletzte sich beim Marsch durch den Dschungel und versank dann still in seiner Hängematte. Eiskunstläufer Norbert Schramm sprang seine Doppelaxel im Verborgenen, und Mausi Lugner, Nico Schwanz und Michael Meziani traten noch gar nicht in Erscheinung.
Bleiben die Moderatoren Sonja Zietlow und Dirk Bach, die Verbalpeitsche und ihr Maden-Moppel. Beide hielten an sich und unterließen sogar nahe liegende Scherze über den Nachnamen von Nico Schwanz. Für die sorgte das Pleite-Model aus dem Thüringischen schon selbst: Er habe «Steherqualitäten», prahlte Schwanz. Na, das werden wir in den nächsten 16 Tagen ja sehen.
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